Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (724) 58 | ZAHNMEDIZIN und eine sichere Sanierung zu erzielen [Decolibus et al., 2023]. Rezidive sind insgesamt selten, werden aber beschrieben: Eine sorgfältige Entfernung von Kapsel-/Restanteilen und radiologische Verlaufskontrollen sind daher sinnvoll [Alarcón Apablaza et al., 2024]. Die Entscheidung zur Defektauffüllung mit autologer Beckenkammspongiosa beruht auf dem Prinzip, bei großen mandibulären Defekten die Stabilität zu erhöhen und die Regeneration zu unterstützen. Zwar kann in ausgewählten Fällen auch eine spontane Knochenheilung nach Enukleation großer odontogener Läsionen beobachtet werden [Perjuci et al., 2018], jedoch werden bei ausgedehnten Defekten, insbesondere im Unterkiefer, häufig augmentative Strategien eingesetzt, um die mechanische Belastbarkeit zu verbessern und das Risiko pathologischer Frakturen zu reduzieren. Autologe Transplantate aus dem Beckenkamm gelten weiterhin als Referenzmaterial. In klinischen Studien zu nichtvaskularisierten Beckenkammtransplantaten werden hohe Erfolgsraten für mandibuläre Defekte beschrieben [Khattak et al., 2025]. Gleichzeitig ist die Entnahmemorbidität (Schmerz, Hämatom, Gangbildstörung) in die Indikationsstellung einzubeziehen. Im Kontext odontombedingter Retention, insbesondere von Eckzähnen, ist nach Entfernung der Eruptionsbarriere die Frage nach Spontandurchbruch versus chirurgisch-orthodontischer Einordnung klinisch zentral. Die geschlossene Freilegung mit Attachment und primärer Reposition des Weichgewebes wird häufig gewählt, um das gingivale Weichgewebe zu schonen und eine kontrollierte Traktion zu ermöglichen. In der Cochrane-Übersicht zur Exposition palatinal verlagerter Oberkiefereckzähne zeigte sich keine eindeutige Überlegenheit der offenen gegenüber der geschlossenen Technik für die untersuchten Outcomes. Die Evidenz wurde insgesamt als niedrig eingestuft. Andere systematische Reviews und Meta-Analysen deuten auf mögliche Unterschiede (zum Beispiel geringere Behandlungsdauer oder unterschiedliche Komplikationsprofile) hin, erlauben aber angesichts heterogener Studiendesigns keine robusten generalisierbaren Empfehlungen. Bei großen knöchernen Defekten mit autologer Spongiosaaugmentation ist zudem das Timing orthodontischer Kräfte relevant. Eine Phase der knöchernen Konsolidierung vor aktiver Zahnbewegung erscheint plausibel und wurde im vorliegenden Fall mit mindestens drei Monaten empfohlen [Cassina et al., 2018; Parkin et al., 2017]. Fazit Der vorliegende Fall zeigt, dass ausgedehnte Odontome der Mandibula trotz benignem Charakter eine komplexe chirurgische Herausforderung darstellen können. Eine sorgfältige DVT-gestützte Planung, der Schutz von Nervenstrukturen und ein rekonstruktives Defektmanagement mit autologer Spongiosa können eine komplikationsarme Sanierung ermöglichen. Interdisziplinäre Anschlusskonzepte (KFO/ Prothetik) sollten frühzeitig geplant und an die knöcherne Konsolidierung angepasst werden. n Erik Würflein Klinik fü r Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – plastische Operationen, Universitätsklinikum Freiburg Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: Jonas Hahn PD Dr. med. dent. Wiebke Semper-Hogg Leiterin der Sektion Bildgebung und implantologische Diagnostik Klinik fü r Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – plastische Operationen, Universitätsklinikum Freiburg Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: Universitätsklinik Freiburg Abb. 6: OPG postoperativ Fotos: UK Freiburg

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