Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

ZAHNMEDIZIN | 57 Odontome werden häufig in der zweiten Lebensdekade diagnostiziert und sind eine der häufigsten odontogenen Läsionen. Retrospektive Studien zeigen, dass die häufigste klinische Auswirkung die Zahnimpaktion beziehungsweise der verzögerte Zahndurchbruch ist [Decolibus et al., 2023]. In dem vorliegenden Fall war die Lokalisation in der anterioren Mandibula kombiniert mit der Ausdehnung und der Verlagerung des N. mentalis therapeutisch relevant, da die Operation nicht nur die Läsion selbst, sondern auch den Schutz neurovaskulärer Strukturen und die Rekonstruktion des Defekts adressieren musste. Die Bildgebung ist für Diagnose und OP-Planung zentral. Während das OPG einen orientierenden Überblick liefert, ermöglicht die DVT die dreidimensionale Beurteilung von Ausdehnung, Zahn- und Nervenrelation sowie möglicher Resorptionen [Vanhoenacker et al., 2020]. Gerade bei radiopaken oder gemischtdichten Läsionen ist die differenzialdiagnostische Einordnung anspruchsvoll und sollte eine klinisch-radiologisch-histologische Korrelation einschließen. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen radiopaker und perikoronaler Läsionen zählen adenomatoide odontogene Tumoren, calcifizierende epitheliale odontogene Tumoren (Pindborg-Tumor), zementbildende Läsionen (zum Beispiel Zementoblastom), fibro-ossäre Läsionen (zum Beispiel zemento-ossifizierendes Fibrom), idiopathische Osteosklerosen sowie bei zystischer Komponente die calcifying odontogenic cyst (Gorlin-Zyste), die in einem relevanten Anteil mit odontogenen Tumoren wie Odontomen assoziiert sein kann [Attouchi et al., 2024]. Eine besondere Schnittstelle stellt das Ameloblastische Fibro-Odontom dar, das in neueren Klassifikationen teilweise als „developing odontoma“ diskutiert wird. Klinisch helfen Alter und Läsionsmorphologie bei der Abgrenzung, die definitive Diagnose bleibt jedoch histopathologisch [Soluk-Tekkesin und Wright, 2022]. Therapeutisch gilt die vollständige chirurgische Entfernung als Standard, um Retentionsursachen zu beseitigen ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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