Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

GESELLSCHAFT | 73 die bevölkerungsrepräsentative Daten aus den USA untersucht und mögliche Störfaktoren berücksichtigt haben. Sie fanden keine Hinweise auf negative Assoziationen zwischen Trinkwasseraufbereitung und den kognitiven Fähigkeiten von Jugendlichen oder Erwachsenen. Nun wollten sie ihre Analysen in zwei Punkten verbessern. Erstens haben sie in ihrer ersten Arbeit die Folgen der Fluoridexposition auf die schulischen Leistungen von Jugendlichen geschätzt, während ihre aktuelle Studie die Effekte auf den IQ von Jugendlichen modelliert. Zweitens mussten sie in ihrer vorherigen Arbeit davon ausgehen, dass Schüler der Sekundarstufe ihr gesamtes Leben im Umfeld ihrer Schule verbringen. In ihrer neuen Arbeit berücksichtigen sie nun auch die geografische Mobilität während der Kindheit (und damit eine gleichbleibende Behandlung). Materialien und Methode Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler Daten der Wisconsin Longitudinal Study (WLS), die eine Zufallsstichprobe von 10.317 Highschool-Absolventen von 1957 bis 2026 begleitete. Mithilfe dieser Datenbank, die auch alle Schuladressen enthält, konnten sie feststellen, wo die Probanden im Laufe der Zeit lebten. Sie identifizierten zudem die Trinkwasser-Exposition (community water fluoridation, CWF) der Studienteilnehmer bis zum Alter von 14 Jahren – also vor dem Zeitpunkt, zu dem üblicherweise IQ-Tests durchgeführt werden – anhand von Informationen zu CWF-Praktiken und dem natürlichen Fluoridgehalt in unbehandeltem Brunnenwasser. Schüler wurden als von Geburt an exponiert eingestuft, wenn in ihrem Landkreis mindestens ein unbehandelter Brunnen einen natürlich ausreichenden Fluoridgehalt aufwies. Andernfalls wurden sie ab dem Jahr, in dem ihre Gemeinde mit der Trinkwasserfluoridierung begann, als CWFexponiert eingestuft. Der IQ der Jugendlichen wurde mithilfe des standardisierten HenmonNelson-Tests in der neunten und dritten Klasse an den Schulen ermittelt. Die Kognition im Alter von 53, 64 und 72 Jahren wurde mittels der WechslerIntelligenzskala für Erwachsene (WAIS) gemessen. Die Kognition im Alter von 80 Jahren wurde mittels eines modifizierten Telefoninterviews zur Erfassung des kognitiven Status (TICSm) erfasst. Die 1957 erhobenen Kontrollvariablen umfassen die elterliche Bildung, den Beruf des Vaters, das Familieneinkommen und die Gemeindegröße. Zudem wurden die schulischen Mittelwerte als Indikatoren für den sozioökonomischen Hintergrund der Familien berücksichtigt. Leider wurden im Rahmen der WLS keine Informationen zur Zahnpflege im Jugendalter oder zu anderen Fluoridquellen als dem Trinkwasser erfasst. Eine Entscheidung auf der Basis fehlerhafter Studien Insgesamt gibt es keine Belege für einen Zusammenhang zwischen Trinkwasser-Fluoridierung und dem IQ von Kindern. Ebenso gibt es keine Belege für einen Zusammenhang zwischen der Fluoridierung des Trinkwassers und der kognitiven Leistungsfähigkeit zu verschiedenen Zeitpunkten im späteren Leben. Die Studie bestätigt somit Erkenntnisse aus früheren Untersuchungen, die ebenfalls eine nationale Stichprobe verwendeten, jedoch Schulleistungstests anstelle tatsächlicher IQWerte heranzogen. „Utah, Florida und viele andere Kommunen haben sich aufgrund fehlerhafter Studien, die die Auswirkungen hoher Fluoriddosen auf die Intelligenz untersuchten, für die Entfernung von Fluorid aus dem Trinkwasser entschieden“, sagte Studienleiter Warren. Da die Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser der US-amerikanischen Kommunen jedoch deutlich niedriger sind, sind fast alle bisherigen Erkenntnisse aus diesen internationalen Studien für die öffentliche Debatte in den USA irrelevant.“ „Im Gegensatz zu den Studien, die in den jüngsten Entscheidungen zur Beendigung der Trinkwasserfluoridierung in Utah, Florida und anderen Bundesstaaten zitiert wurden, finden wir keine Hinweise darauf, dass die Trinkwasserfluoridierung negativ mit dem IQ von Jugendlichen oder der kognitiven Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter zusammenhängt“, bilanzieren die Forschenden. Ihre Ergebnisse „liefern keine Argumente für die Behauptung, dass die Fluoridierung des Trinkwassers in der Gemeinde einen schädlichen Einfluss auf den IQ von Kindern oder auf die Kognition von Erwachsenen hat“, bekräftigt Mitautorin Gina Rumore, CoDirektorin des Demography and Economics of Aging Coordinating Center der Universität Minnesota. ck Warren, John Robert, Municipal water fluoridation, adolescent IQ, and cognition across the life course: Evidence from the Wisconsin Longitudinal Study, Proceedings of the National Academy of Sciences (2026). DOI: 10.1073/pnas.2536005123. zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (739) „Da die Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser der USamerikanischen Kommunen deutlich niedriger sind, sind fast alle bisherigen Erkenntnisse aus diesen internationalen Studien für die öffentliche Debatte in den USA irrelevant.“ Studienleiter Prof. John Robert Warren vom College of Liberal Arts der University of Michigan LESEN SIE AUCH ... die Studienrezension von Univ.-Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke „Welchen Einfluss hat Fluorid auf den IQ von Kindern?“ in der zm 5/2025 – oder über den QR-Code ... und den Artikel „Natürlich macht Fluorid nicht dumm! Im Gegenteil“ in der zm 1-2/2026 – oder über den QRCode.

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