82 | GESELLSCHAFT IM EINSATZ FÜR DIE PROJEKTHILFE GAMBIA Eine niedrigschwellige Versorgung ist hier unerlässlich! Luca Thomas Die zahnmedizinische Versorgung in Gambia ist, vor allem in den ländlichen Regionen, äußerst begrenzt. In den größeren Städten findet man vereinzelt Kliniken oder Praxen, doch außerhalb der urbanen Zentren gibt es praktisch keine Zahnärzte. Mein Einsatz fand im abgelegenen Dorf Jahaly statt, weit ab von städtischer Infrastruktur. In den Dörfern gibt es meist nur klinisches Personal ohne zahnmedizinische Zusatzausbildung. Die dentalen Gesundheitshelferinnen und -helfer können einfache Extraktionen durchführen oder die Basisaufklärung leisten, aber keine umfassende Zahnbehandlung. In Jahaly ist das nächste Krankenhaus oder die nächste zahnärztliche Praxis nur mit dem Auto über unbefestigte Straßen erreichbar, die bei Regen kaum passierbar sind. Für die Menschen hier bedeutet eine zahnärztliche Versorgung oft einen Tagesmarsch oder eine teure Autofahrt, die nur selten möglich ist. Zuletzt kam ein Zahnarzt vor zwei Jahren ins Dorf Zahnärzte waren im Rahmen des Projekts der Organisation Projekthilfe Gambia e. V. zuletzt vor zwei Jahren in Jahaly im Einsatz. Seitdem hat sich der Bedarf zugespitzt: Viele akute Fälle haben sich verschlimmert, kariöse Zähne sind unbehandelt geblieben, Abszesse und Schmerzen haben zugenommen. Die Bevölkerung dort wartet dringend auf zahnmedizinische Hilfe. Neben dem „Health Centre“ befinden sich auf dem Projektgelände auch eine „Dental Unit“ und ein Kindergarten. Die „Dental Unit“ besteht aus zwei gefliesten Räumen mit einem nicht motorisierten Behandlungsstuhl ohne Absauganlage. Die Arbeit dort findet unter einfachen hygienischen Bedingungen statt. Dennoch konnten wir täglich Dutzende Extraktionen durchführen, akute Schmerzen lindern und vor allem Aufklärungsarbeit leisten. Mir war besonders die Prophylaxe wichtig: Mit einfachen Demonstrationen zur Zahnhygiene, Fluoridanwendungen bei Kindern und Gesprächen über Ernährung konnten wir nachhaltige Impulse setzen. Ohne das Klinikpersonal wäre der Einsatz nicht möglich Bereits vor meinem Zahnmedizinstudium habe ich mich in Gambia ehrenamtlich engagiert. Im Jahr 2013 verbrachte ich als Krankenschwester fünf Monate im „Health Centre“ in Jahaly. Diese Zeit hat mich fachlich und menschlich stark geprägt – seitdem fühle ich mich mit Afrika verbunden. Auch im und nach dem Zahnmedizinstudium absolvierte ich weitere Auslandseinsätze in Uganda, Kenia, auf Madagaskar und erneut in Gambia. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig eine niedrigschwellige medizinische Versorgung ist. Im Januar dieses Jahres bin ich dann allein nach Gambia geflogen. Vor Ort wurde ich vom engagierten Klinikper2013 war ich zum ersten Mal als Krankenschwester in Jahaly im Einsatz. Dieses Mal war ich die einzige Zahnärztin vor Ort und habe die erste Mundgesundheitsstudie in einem Kindergarten durchgeführt. zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (748) Dr. med. dent. Luca Thomas Zahnärztin, Zahnarztpraxis Oppspring, Mülheim Foto: privat
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=