Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (782) 20 | POLITIK Es wird Aufgabe der Präventivzahnmedizin sein, für diese speziellen Risikogruppen wirksame Präventionsstrategien zu entwickeln und zur Breitenanwendung zu bringen. Für die frühkindliche Karies wurden solche Strategien unlängst mit der verbindlichen Aufnahme von Karies-Früherkennungsuntersuchungen ins Gelbe Untersuchungsheft implementiert und die folgenden Mundgesundheitsstudien sollten deren Wirksamkeit überprüfen. Halbierung der Kariesfreiheit in der Pubertät Aus dem longitudinalen Studienarm der DMS • 6 ergeben sich hinsichtlich der Kariesdynamik darüber hinaus weitere Erkenntnisse. Zwar war aus den bisherigen Ergebnissen bereits bekannt, dass es eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Karieslast bei Kindern und Erwachsenen gibt (sowohl bei der Prävalenz als auch beim Ausmaß), aber erst jetzt lässt sich die Dynamik genauer beschreiben: Im Zeitraum zwischen zwölf und 20 Jahren halbiert sich der Anteil kariesfreier Jugendlicher von 82 Prozent auf 48 Prozent. Es zeigt sich auch, dass es von Vorteil ist, kariesfrei in die Pubertät zu gehen, denn weniger als die Hälfte der kariesfreien Kinder entwickeln während dieser Zeit eine Karieserfahrung (Inzidenz: 43 Prozent). Wenn bereits eine Karieserfahrung vorlag, sind es gut zehn Prozentpunkte mehr, bei denen es zu einem Fortschreiten der Karieserfahrung kommt (Progression: 54 Prozent). Die Adoleszenz/Pubertät ist also ein Risikojahrzehnt für Karies. Das Ausmaß dieses Prozesses ist – unabhängig davon, ob vorher kariesfrei oder nicht – allerdings mit einem Zahn begrenzt. Und da der Sanierungsgrad der Kronenkaries in Deutschland grundsätzlich sehr hoch ist und in allen Altersgruppen bei über 90 Prozent liegt, lassen sich unbehandelte Läsionen kaum ausmachen, sondern die Karieserfahrung zeigt sich epidemiologisch überwiegend als Restauration. Die Kariesaktivität flacht im weiteren Lebenslauf wieder ab In diesem Alter dominieren ganz überwiegend zahnfarbene, plastische Füllungen. Diese doch hohe Kariesaktivität während der Pubertät flacht dann im weiteren Lebenslauf wieder ab, so dass es geboten scheint, während der Adoleszenz einen neuen, weiteren kariespräventiven Fokus in der zahnmedizinischen Gesundheitsversorgung zu setzen, um den Anteil kariesfreier Menschen über die Pubertät hinaus weiter hochzuhalten. Die passenden Strukturen hierfür sind mit der Individualprophylaxe (IP) bereits etabliert. Allerdings zeigen die Abrechnungsdaten der KZBV, dass es bei der Inanspruchnahme der IP ab dem neunten Lebensjahr zu einem kontinuierlichen Abfall kommt. Daraus lässt sich für die zahnärztliche Praxis schlussfolgern, dass einerseits neue, altersadäquate Impulse für eine weiter hohe Inanspruchnahme der IP über den gesamten Leistungszeitraum bis zur Volljährigkeit gegeben werden müssen. Andererseits: Die Unterstützung zur Aufrechterhaltung einer wirksamen Mundhygiene und eines entsprechenden Mundgesundheitsverhaltens in dieser Zeit sollte einen entsprechenden Stellenwert im Rahmen der zahnärztlichen Prophylaxe erhalten.  Abb. 3: Inzidenz und Progression der Karieserfahrung in der Adoleszenz Foto: IDZ Prof. Dr. med. dent. A. Rainer Jordan, MSc Wissenschaftlicher Direktor Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) Universitätsstr. 73, 50931 Köln Foto: IDZ DMS • 6 EN DÉTAIL Alle Informationen und Erkenntnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie in fünf Beiträgen:  zm 10/2026: Karies  zm 11/2026: Restaurationen  zm 12/2026: Parodontitis  zm 13-14/2026: Systemerkrankungen  zm 15-16/2026: Fazit – Bedeutung der Ergebnisse für die Versorgung

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