Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

ZAHNMEDIZIN | 45 höchsten Konzentrationen erzeugten. Unterschiede zeigten sich auch in der Größe der Partikel: Während thermogeformte Materialien überwiegend Nanopartikel freisetzten, gaben die gedruckten Schienen vermehrt größere Partikel im Mikrometerbereich ab. Die biologische Toxizität von Mikroplastikpartikeln wird maßgeblich von der Partikelgröße beeinflusst – je kleiner die Partikel, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich im Organismus akkumulieren. Dieser Umstand könnte Einfluss auf die Einschätzung der möglichen Toxizität haben. Makrophagen verändern sich durch Mikroplastik Nach der durchflusszytometrischen Quantifizierung der Partikel wurde eine standardisierte Menge an Mikroplastik-Flüssigkeit jeden Materials für drei Tage mit aus dem Knochenmark von Mäusen stammenden Makrophagen kultiviert. Dabei wurden die Makrophagen vorab mit Markern angefärbt, die auf die Differenzierung der Makrophagen in die Subtypen M1 (proinflammatorisch) und M2 (reparativ, antiinflammatorisch) hinweisen. Die Makrophagen nahmen problemlos Partikel in der Größe von etwa 2 bis 10 μm auf. Dabei lösten einige der Partikel (Lux, Nylon, Invisalign) einen Makrophagen-Phänotyp aus, „der mit einer proinflammatorischen Differenzierung übereinstimmt“, wie die Forschenden berichten. Andere Partikel (Invisacryl™, Zendura®) führten nicht zu einer Hochregulation proinflammatorischer Marker, wobei die Forschenden hervorheben, dass alle Kokulturen hochviabel gewesen seien. Direkt gedruckte Aligner sind nicht immunologisch inert Die Genese inflammatorischer Prozesse ähnelt in der Literatur beschriebenen Fällen, in denen Kohlenstaub, Siliziumdioxid und Asbest in Makrophagen persistent sind. Bleiben die eingeschlossenen Partikel unverdaut, versuchen Makrophagen immer wieder, sie zu phagozytieren und durchlaufen dabei wiederholte Zyklen von Aktivierung, Schädigung und Zytokinfreisetzung, was chronische Entzündungen und fibrotische Umbauprozesse auslöst, schreiben die Forschenden. Im Bereich der Schienenkunststoffe scheinen insbesondere Urethan-basierte, direkt gedruckte Aligner „nicht immunologisch innert“ zusein. Die Studienautorinnen und -autoren betonen in ihrem Fazit, „dass sich kieferorthopädische Polymere hinsichtlich ihrer Freisetzungsprofile von Mikroplastik und ihrer Fähigkeit, Makrophagenreaktionen zu modulieren, deutlich unterscheiden. Dies unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Materialbewertung für die klinische Anwendung“. In laufenden Forschungsarbeiten werden auch die Oberflächeneigenschaften untersucht, da eine etwas rauere oder porösere Textur die Haltbarkeit und das Potenzial für die Freisetzung sehr kleiner Partikel im Laufe der Zeit beeinflussen könnte. br Die Studie: Warunek, J., Warunek, S., Calderon, M. et al.: Orthodontic derived microplastics impact macrophage differentiation and homeostasis. Prog Orthod. 27, 3 (2026). https://doi.org/10.1186/s40510-02600608-3 zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (807) Makrophagen nahmen im Labormodell innerhalb von zwei Stunden Mikroplastikteilchen mit einer Größe von etwa 2 bis 10μmauf.Wenn das Mikroplastik im Makrophagen nicht abgebaut wird, kann das „mit der Zeit chronische Entzündungen auslösen, die Fähigkeit des Körpers, Infektionen zu bekämpfen, schwächen und die ordnungsgemäße Wundheilung beeinträchtigen“, sagt Prof. Thikriat Al-Jewair, Kieferorthopädin und Co-Autorin der Studie. Foto: [Warunek et. al., 2026] „Da Mikroplastik nicht biologisch abgebaut wird, können sie in Makrophagen überleben. Im Laufe der Zeit kann dies chronische Entzündungen auslösen, die Fähigkeit des Körpers, Infektionen zu bekämpfen, schwächen und die richtige Wundheilung behindern.“ Thikriat Al-Jewair, Co-Studienautorin und außerordentliche Professorin in der Abteilung für Kieferorthopädie, Fakultät für Zahnmedizin an der University at Buffalo

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