Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

ZAHNMEDIZIN | 65 ress, 2001] bietet eine strukturierte Grundlage für die ethische Entscheidungsfindung in der zahnmedizinischen Versorgung geriatrischer Patienten. Sie basiert auf den vier Prinzipien mittlerer Reichweite: Respekt vor der Patientenautonomie, Nicht-SchadensPrinzip (Non-Malefizienz), Wohltätigkeitsprinzip (Benefizienz) und Gerechtigkeit. Ihre Anwendung hilft, ethische Herausforderungen und Konflikte in der Praxis zu bewältigen. In der Betreuung älterer Patienten entstehen oft ethische Dilemmata, die eine sorgfältige Abwägung erfordern. So kann es beispielsweise schwierig sein, die Autonomie eines Patienten mit kognitiven Einschränkungen zu respektieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass durch die Behandlung kein Schaden entsteht. Auch die Entscheidung, aufgrund von allgemeinmedizinischen Begleiterkrankungen auf eine zahnmedizinische Therapie zu verzichten, kann in der Praxis als problematisch empfunden werden [Nitschke et al., 2017]. Die Prinzipienethik fordert eine patientenzentrierte Entscheidungsfindung, die sowohl medizinische als auch ethische Aspekte integriert. Ein entscheidendes Element ist dabei die Aufklärung, die den Patienten oder Dritte an der Entscheidung beteiligte Personen in die Lage versetzt, fundierte Entscheidungen zu treffen (Empowerment). Zusätzlich erfordert die Abwägung von Nutzen und Risiko der Behandlung eine interdisziplinäre Herangehensweise, um Lösungen zu finden, die sowohl das Wohl des Patienten fördern als auch ethisch vertretbar sind [Nitschke et al., 2017]. Durch die Anwendung der Prinzipienethik können die individuellen Bedürfnisse geriatrischer Patienten berücksichtigt und gleichzeitig ethische Konflikte minimiert werden, was eine qualitativ hochwertige, gerechte und respektvolle Versorgung sicherstellt [Nitschke et al., 2017; Groß. 2012].  zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (827) CME AUF ZM-ONLINE Teil 3: Betreuungsrecht und Ethik Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK. Prof. (apl) Dr. Cornelia Frese Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Mund-, Zahnund Kieferkrankheiten, Poliklinik für Zahnerhaltungskunde Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg Foto: Universitätsklinikum Heidelberg  1977–1980: Ausbildung mit Abschluss als Gesellin im Zahntechniker-Handwerk  1978–1983: Studium der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Freien Universität Berlin  1983: Approbation als Zahnärztin  1983–1984: angestellte Zahnärztin in einer zahnärztlichen Praxis in Berlin  1984: Promotion  1984–1999: Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Klinische Prothetik der Zahnklinik Nord der Freien Universität Berlin, später Humboldt Universität zu Berlin  ab 1999: Aufbau Bereich Seniorenzahnmedizin und der prägradualen gerostomatologischen Ausbildung an der Universität Leipzig  2004: „Master of Public Health” an der Freien Universität Berlin  2005: Habilitation und Lehrbefugnis im Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde  2006–2024: Leitende Tätigkeit in der Klinik für Allgemein-, Behinderten- und Seniorenzahnmedizin, Universität Zürich  ab 2006: Oberärztin Bereich Seniorenzahnmedizin Universität Leipzig  ab 2025: Stellvertretende Klinikdirektorin der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Seniorenzahnmedizin an der MHB  2009: außerplanmäßige Professorin Universität Leipzig  seit 2000: Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin e.V.  seit 2010: 2. Vorsitzende des Arbeitskreises Ethik in der Zahnmedizin der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Prof. Dr. Ina Nitschke Universität Leipzig, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde, Bereich Seniorenzahnmedizin Liebigstr. 12, 04103 Leipzig Foto: privat Prof. Dr. Julia Jockusch, M.Sc. Direktorin der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Seniorenzahnmedizin Medizinische Hochschule Brandenburg, Campus Brandenburg an der Havel Geschwister-Scholl-Str. 36, 14776 Brandenburg an der Havel Foto: privat Dr. Elmar Ludwig niedergelassener Zahnarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Ulm mit Kooperationsvertrag, Referent für Geriatrische Zahnmedizin der Landeszahnärztekammer BadenWürttemberg sowie stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Alterszahnmedizin der BZÄK Foto: Privat

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