GESELLSCHAFT | 75 zügigkeitsrecht und dazugehörigem Arbeitsrecht von EU-Bürgern oder der Sondersituation von Menschen ohne Papiere.“ Was alle diese Menschen gemeinsam haben, sei eine häufig über Jahre unzureichende gesundheitliche Versorgung. „Unser größtes Ziel ist es, uns selbst abzuschaffen“ Clearing – also die Rückvermittlung von Menschen ohne Krankenversicherungsschutz ins Regelsystem – sei ein enorm wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit und wäre ohne eine hauptamtliche Struktur nicht möglich. „Wir sagen aber auch: Unser größtes Ziel ist es, uns selbst abzuschaffen. Sprich, dass es einen Verein wie den AKSB nicht mehr braucht, weil alle Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation ausreichend krankenversichert sind“, erklärt von der Osten. Die Kostenübernahmen für die Behandlung von Zahnerkrankungen fallen beim AKSB jedes Jahr unter die Top 3 der höchsten Ausgaben nach Fachrichtung. „Einfach, weil es so viele sind“, erzählt von der Osten. „Wir dürfen nur Behandlungen übernehmen, die auch eine gesetzliche Krankenkasse tragen würde. Viele zahnärztliche Leistungen, die Teil einer ganzheitlichen Behandlung sind und den Leidensdruck unserer Patienten mindern würden, wie zum Beispiel Zahnschienen oder Zahnaufbau, fallen leider nicht darunter." Da Unversicherte und marginalisierte Patientengruppen zahnärztliche Leistungen häufig erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien in Anspruch nehmen, sei der Behandlungsbedarf oft höher und die Therapieverläufe komplexer, bestätigt Dr. Alexander Schafigh, Gründer des Dental EMT: „Niedrigschwellige Versorgungsangebote und interdisziplinäre Ansätze sind daher essenziell, um diese Versorgungslücken zu schließen." Der AKSB ist dem Dental Emergency Team und den dort ehrenamtlich tätigen Zahnärzten sehr dankbar. „Letztendlich sind wir aber der Meinung, dass die zahnmedizinische Versorgung eine öffentliche Aufgabe ist und nicht nur von zivilgesellschaftlichem Engagement abhängig sein sollte“, stellt von der Osten klar. „Im besten Fall engagieren sich Zahnärzte also zusätzlich politisch, zum Beispiel in ihren Berufsverbänden, und bringen Themen wie die mangelnde Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung mit auf die Agenda." LL zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (837) „Einen typischen Patienten gibt es bei uns nicht“, berichtet Angelika von der Osten, Projektkoordinatorin beim AKSB. Foto: AKSB Die Zahnärztinnen und Zahnärzte im Dental EMT arbeiten ehrenamtlich. Foto: Dental EMT „Die Kooperation beider Initiativen ist wichtig, weil sie die zahnmedizinische Akutversorgung in einer mobilen Infrastruktur mit sozialmedizinischer Vermittlung verbindet“, betont Dr. Alexander Schafigh, Gründer des Dental EMT. Foto: privat „Zu uns kommen manchmal Menschen, die noch nie in ihrem Leben beim Zahnarzt waren. Bei akuten Zahnschmerzen suchen sich die meisten irgendwann Hilfe, weil der Leidensdruck so hoch ist.“ Angelika von der Osten, Projektkoordinatorin beimAKSB
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