Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

16 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (874) Auswertung erfolgte mittels multivariater Regressionsanalysen. Ergebnisse Ein signifikanter Zusammenhang zeigte sich zwischen dem koronalen Emergenzwinkel (Level 2, siehe Abbildung 3) und periimplantären Erkrankungen: Mit zunehmendem Winkel stieg die Prävalenz von Mukositis. Zudem waren Emergenzwinkel von mehr als n 30° bei Bone-Level-Implantaten und n 48° bei Tissue-Level-Implantaten konsistent mit periimplantären Erkrankungen assoziiert. Ein größerer Implantatdurchmesser stellte einen unabhängigen Risikofaktor für Periimplantitis dar (OR 3,82). Das krestale Knochenniveau war signifikant günstiger bei Tissue-Level-Implantaten sowie bei größerer Plattformhöhe. Diskussion Die Ergebnisse unterstreichen die klinische Relevanz der prothetischen Gestaltung im transmukosalen Bereich, deren Einfluss möglicherweise bislang unterschätzt wurde. Während der Emergenzwinkel klar mit entzündlichen Veränderungen assoziiert war, zeigte sich im multivariaten Modell kein unabhängiger Zusammenhang mit dem krestalen Knochenverlust. Dies spricht dafür, dass die Emergenzgeometrie primär die Biofilmakkumulation und damit entzündliche Prozesse beeinflusst. Bemerkenswert ist zudem der signifikante Einfluss des Implantatdurchmessers. Größere Durchmesser gingen mit einer erhöhten Periimplantitisprävalenz einher. Dies unterstützt die Hypothese, dass die Dimension und die Qualität des periimplantären Weichund Hartgewebes entscheidend für die biologische Stabilität sind – bei gleichzeitig notwendiger Berücksichtigung mechanischer Anforderungen. Die besseren Knochenniveaus bei Tissue-Level-Implantaten und größerer Plattformhöhe könnten durch einen größeren Abstand des Implantat-Abutment-Interfaces zum krestalen Knochen sowie eine stabilere Weichgewebsbarriere erklärt werden. Die Ergebnisse sind jedoch vor dem Hintergrund des retrospektiven Designs und der Durchführung in einem hochspezialisierten universitären Setting vorsichtig zu interpretieren. Was bedeuten die Ergebnisse für die tägliche Praxis? Die Studie verdeutlicht die zentrale Rolle der prothetischen Gestaltung für den Langzeiterfolg implantologischer Versorgungen: n Große Emergenzwinkel sollten vermieden werden. n Eine flache, kontrollierte Emergenz ist biologisch günstiger. n Die vertikale Dimension (Plattformbeziehungsweise Abutmenthöhe) sollte gezielt berücksichtigt werden. n Große Implantatdurchmesser im Front- und im Prämolarenbereich sind kritisch zu hinterfragen. Die Studie: Raabe C, Fonseca M, Chappuis V, Avila-Ortiz G, Rodrigues DM, Galindo-Moreno P, Couso-Queiruga E. Association of Transmucosal Emergence Geometry and Peri-Implant Diseases Prevalence Around Boneand Tissue-Level Implants: A Cross-Sectional Study. Clin Oral Implants Res. 2026 Apr 12. doi: 10.1111/ clr.70131. Abb. 3: Schematische Darstellung der untersuchten Implantate: BL (Bone-Level), TL (TissueLevel), L 1 (Emergenzwinkel apikal), L 2 (koronaler Emergenzwinkel), 4,1 und 3,3 sind die unterschiedlichen Durchmesser Foto: [Raabe et al., 2026] Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, MME CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre Charité – Universitätsmedizin Berlin Campus Benjamin Franklin Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin Foto: Privat AUS DER WISSENSCHAFT In dieser Rubrik berichten die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der zm regelmäßig über interessante wissenschaftliche Studien und aktuelle Fragestellungen aus der nationalen und internationalen Forschung. Die wissenschaftliche Beirat der zm besteht aus folgenden Mitgliedern: Univ.-Prof. (a.D.) Dr. Elmar Hellwig, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (bis 31.12.2023) Univ.-Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen, Universitätsklinikum Bonn Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, Charité – Universitätsmedizin Berlin Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, Universitätsmedizin Mainz

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