46 | POLITIK AUSWERTUNG DER FRANZÖSISCHE KRANKENVERSICHERUNG L'ASSURANCE MALADIE Mafiöse Strukturen in französischen Dentalketten Neue Krankenkassendaten zeigen: In Frankreich nutzt die organisierte Kriminalität zunehmend (auch) Dentalketten, um das Gesundheitssystem auszunehmen – mit immer ausgefeilteren Methoden. Die Zahnärztegewerkschaft Union Dentaire plädiert daher für ein Verbot von Neugründungen. Die französische Krankenversicherung (L'Assurance Maladie) hat aktuelle Zahlen vorgestellt. Demnach hat sie im Jahr 2025 Betrugsfälle im Wert von 723 Millionen Euro verhindert und 15 Prozent mehr Delikte aufgedeckt als 2024. Die Erfolgsquote bei der Betrugsbekämpfung im Krankenversicherungssektor habe sich seit 2021 somit verdreifacht. Dabei hätten sich die Betrugsmaschen in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt: Die Netzwerke seien besser organisiert, die Mechanismen ausgefeilter und man habe es zunehmend mit Playern zu tun, die nicht aus dem Gesundheitswesen stammen. Zwar wurden der Behörde zufolge mehr als die Hälfte der Betrügereien (53 Prozent) von Versicherten begangen, diese Fälle machten aber lediglich 16 Prozent (115 Millionen Euro) des Gesamtverlusts aus. Hauptsächlich ging es hier um Abzocke beim Krankengeld (Schäden in Höhe von fast 49 Millionen Euro) und Leistungsbetrug (28 Millionen Euro), insbesondere im Zusammenhang mit dem Aufenthaltsstatus. Demgegenüber gingen 28 Prozent der Machenschaften auf das Konto von Akteuren im Gesundheitswesen – sie verantworteten fast drei Viertel der Verluste. Einzelne Bereiche seien dabei für besonders hohe Schadenssummen verantwortlich, teilte die Behörde mit, darunter ganz vorne Gesundheitszentren (138 Millionen Euro), Hörgeräteakustiker (85 Millionen Euro) und Transportunternehmen (62 Millionen Euro). Wie die Behörde berichtete, habe sie durch landesweite Prüfungen und die Kündigung von Verträgen zahlreiche Missstände beseitigen können: So wurden 2025 insgesamt 23 Gesundheitseinrichtungen geschlossen (30 im Jahr 2024, 21 im Jahr 2023). Die im Jahr 2025 beobachteten Muster zeigten jedoch eine Weiterentwicklung in Art, Organisation und Geschwindigkeit der betrügerischen Aktivitäten. Dies erfordere eine erhöhte Wachsamkeit seitens der Krankenversicherung sowie der Polizei und der Justizbehörden. In den Gesundheitszentren ist Betrug allgegenwärtig Inzwischen seien für das Krankenversicherungssystem 1.700 speziell geschulte Mitarbeiter im Kampf gegen den organisierten Betrug im Einsatz. Dazu gehörten Datenwissenschaftler, Rechtsexperten, vereidigte Gutachter, beratende Fachkräfte und seit dem letzten Jahr auch 60 Justizermittler, die polizeiliche Befugnisse haben. Sie ergänzten damit die traditionellen Ressourcen der Krankenversicherung. Ziel sei, die Drahtzieher der Netzwerke zu fassen, um die Organisationen zu zerschlagen sowie präventive Kontrollen zu verstärken, um die Verbreitung neuer Betrugsmaschen zu verhindern. Nach mehrmonatiger Tätigkeit hätten die Ermittlungseinheiten (Les pôles interrégionaux d’enquêteurs, Piej) bereits Betrugsfälle in Höhe von fast 20 Millionen Euro ans Licht gebracht und gestoppt. Die Union dentaire fordert den Gesundheitsminister nun auf, Neugründungen von Zahnzentren und Dentalketten zu verbieten: Seit 15 Jahren seien Fälle, Skandale und Betrügereien, die immer von denselben Zentren ausgehen, in der Presse präsent. Dabei handele es sich um gemeinnützig deklarierte Ketten, die gemäß dem HPSTGesetz* vom 21. Juli 2009 gegründet Foto: jpgon - stock.adobe.com zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (904) „Die Zahnärzteschaft weigert sich, zuzulassen, dass Gelder, die für die Versorgung der Franzosen bestimmt sind, in den Taschen unehrlicher Organisationen verschwinden.“ L'Union dentaire (französische Zahnärztegewerkschaft) 58 MILLIONEN EURO Im Zentrum eines der größten Betrugsskandale des französischen Gesundheitssystems steht eine Dentalkette.
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