Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

48 | NACHRICHTEN NEWS ZI-AUSWERTUNG Multimorbidität ist bereits ab 50 weit verbreitet Multimorbidität beginnt früher als vielfach angenommen wird: Fast die Hälfte aller 50- bis 59-Jährigen waren 2024 einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zufolge von mindestens zwei chronischen Erkrankungen betroffen. Besonders stark hat in den vergangenen zehn Jahren die Gruppe mit hoher Krankheitslast zugenommen: Für das gleichzeitige Auftreten von fünf oder mehr chronischen Erkrankungen wurden die größten Prävalenzanstiege beobachtet – um 12 Prozent bei Frauen und 14 Prozent bei Männern. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen regional und sozial: Versicherte in Wohnkreisen mit höherer sozioökonomischer Deprivation sind häufiger von Multimorbidität betroffen als Menschen in weniger benachteiligten Regionen. Gleichzeitig liegt ERO-FRÜHJAHRSTAGUNG 2026 Europäischer Zahnärzteverband trifft sich in Sofia Von KI-Anwendungen bis zur Mundgesundheit älterer Menschen: Die Delegierten der European Regional Organization im Weltzahnärzteverband FDI diskutierten auf ihrer Frühjahrstagung über eine Vielzahl von Themen. Im Zentrum der dreitägigen Konferenz, zu der der bulgarische Zahnärzteverband nach Sofia eingeladen hatte, standen die Berichte der acht ERO-Arbeitsgruppen. Sie befassten sich mit den Herausforderungen, denen sich Zahnärztinnen, Zahnärzte und deren Berufsorganisationen europaweit gegenübersehen und leiteten aus ihren Analysen Empfehlungen für politische Maßnahmen und strategische Initiativen ab. „Themen, die in sehr vielen Mitgliedsländern der ERO dringenden Diskussionsbedarf auslösen, sind etwa Digitalisierung und KI, Berufsanerkennungsverfahren, zahnärztliche Versorgung in strukturschwachen Regionen, präventive Maßnahmen sowie die Versorgung vulnerabler Gruppen“, berichtet Dr. Doris Seiz, Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer und seit einem Jahr Generalsekretärin der ERO. Ohne Gegenstimmen verabschiedeten die Delegierten in Sofia den über viele Jahre intensiv diskutierten „Ethic Code“ der ERO. Er regelt die Zusammenarbeit der europäischen Dachorganisation mit den nationalen Zahnärzteverbänden sowie einzelnen Zahnärzten und Zahnärztinnen. Die deutsche Delegation bei der ERO-Tagung Ende April 2026 in Bulgarien (v.l.): Dr. Doris Seiz, Dr. Michael Diercks, Florian Lemor, Prof. Dr. Thomas Wolf, Konstantin von Laffert und Roxana Dürsch. Foto: BZÄK zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (906) das Prävalenzniveau in Ostdeutschland in allen Deprivationskategorien über dem in Westdeutschland. Im Jahr 2024 variierte die Prävalenz von zwei Erkrankungen oder mehr auf Ebene der deutschen Kreise zwischen 49 Prozent in Landkreis Reutlingen und 76 Prozent im Landkreis Elbe-Elster. Die ostdeutschen Kreise fielen nahezu vollständig in den Bereich der höchsten 25 Prozent der Prävalenzwerte. Große zusammenhängende Gebiete mit Werten im Bereich der untersten 25 Prozent zeigten sich in nahezu der gesamten Fläche Baden-Württembergs, in der Region Westfalen-Lippe und im Süden Bayerns. Datengrundlage der Untersuchung waren die bundesweiten, krankenkassenübergreifenden vertragsärztlichen Abrechnungsdaten gemäß § 295 SGB V der Jahre 2015 bis 2024. Als Studienpopulation wurden alle Versicherten im Alter ab 50 Jahren mit zumindest einmaligem Vertragsarztkontakt in den Jahren 2015 bis 2024 eingeschlossen. Die jährliche Prävalenz von Multimorbidität in den Jahren 2015 bis 2024, wird auf www. versorgungsatlas.de für die deutschen Kreise und die regionalen Bereiche der Kassenärztlichen Vereinigungen dargestellt. br Die Studie: Holstiege J, Kohring C, Ivanova M, Haarmann A, Pieper D, Müller D, Akmatov MK. Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren – zeitliche Trends und regionale Variation. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). VersorgungsatlasBericht Nr. 26/01. Berlin 2026. https://doi.org//10.20364/VA-26.01. Ein wichtiger Meilenstein war zudem die Finalisierung des Fragebogens zur Bürokratielast in den Zahnarztpraxen. Vorgestellt wurde er von der AG „Dental Team“, in der Seiz Mitglied ist. „Die Fragen werden nun an die nationalen Zahnärzteverbände versandt“, kündigt die ERO-Generalsekretärin an. Man erhoffe sich detaillierte Erkenntnisse unter anderem zu Vorschriften, „die angeblich einer EU-Gesetzgebung unterliegen, aber nur in wenigen Ländern Anwendung finden“. Die Ergebnisse sollen als Basis für die politische Argumentation beim Thema Bürokratieabbau dienen. sth

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