zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (916) 58 | ZAHNMEDIZIN IN-VITRO-STUDIE ZU MILCHALTERNATIVEN So wirken Hafer-, Mandel- und Sojadrinks auf orale Biofilme Getestet wurden vier handelsübliche Produkte aus einem Schweizer Supermarkt: Kuhmilch mit 3,5 Prozent Fett sowie je ein ungesüßter Hafer-, Mandel- und Sojadrink. Der Kohlenhydratgehalt variierte deutlich: Kuhmilch enthielt laut Tabelle fünf Gramm Kohlenhydrate beziehungsweise Zucker pro 100 Milliliter, Haferdrink sechs Gramm Kohlenhydrate, davon 5,2 Gramm Zucker, Mandeldrink weniger als 0,5 Gramm Kohlenhydrate beziehungsweise Zucker und Sojadrink zwei Gramm Kohlenhydrate, davon 0,8 Gramm Zucker. Die pH-Werte lagen zwischen 6,72 bei der Kuhmilch und 7,31 bei dem Mandeldrink. Untersucht wurden verschiedene orale Bakterien, darunter Streptococcus mutans, Streptococcus gordonii und Porphyromonas gingivalis. Zusätzlich arbeiteten die Forschenden mit einem kariogenen Fünf-Spezies-Biofilm und einem parodontalen Zwölf-SpeziesBiofilm. Zum parodontalen Biofilmmodell wurden monozytäre Zellen gegeben, um die Expression von Interleukin1β und Interleukin-10 zu bestimmen. Bei P. gingivalis wurde außerdem die Aktivität argininspezifischer Gingipaine untersucht, also eines wichtigen Virulenzfaktors. Parodontales und kariogenes Biofilmmodell im Vergleich In den Einzelkulturversuchen wurde das Wachstum von S. gordonii durch Kuhmilch und drei der vier pflanzenbasierten Alternativen leicht stimuliert. Die Effekte auf S. mutans waren insgesamt begrenzt. In Ansätzen mit Saccharose sank die Zahl der koloniebildenden Einheiten von S. mutans unter den Testsubstanzen teilweise. Den niedrigsten Wert beobachteten die Wissenschaftler nach Inkubation mit niedrig dosierter Kuhmilch. Im kariogenen Biofilmmodell reduzierte der Mandeldrink die Zahl der koloniebildenden Einheiten. Kuhmilch und Sojadrink gingen in diesem Modell dagegen mit einer geringeren Biofilmmasse und metabolischen Aktivität einher. Im parodontalen Biofilmmodell reduzierten Kuhmilch und der Haferdrink sowohl die Zahl der koloniebildenden Einheiten als auch die metabolische Aktivität des Biofilms. Bei P. gingivalis fiel besonders der Mandeldrink auf: Der zehnprozentige Mandeldrink blockierte im Labor die argininspezifische Gingipain-Aktivität. Der Sojadrink zeigte zudem einen immunmodulierenden Effekt, indem er unabhängig vom Vorhandensein eines Biofilms die Freisetzung von IL-10 erhöhte. Aus den Ergebnissen der In-vitro-Studie kann nicht abgeleitet werden, dass pflanzliche Drinks pauschal als zahngesund oder zahnschädlich einzuordnen sind. Vielmehr zeigen die Daten, dass einzelne Produkte sehr unterschiedliche biologische Effekte haben können – abhängig von Zusammensetzung, Modell und untersuchtem Endpunkt. nl Die Studie: Stähli, A., Baysal, R., Sluga, A. et al. The in-vitro effect of bovine milk, and plant-based alternatives on oral microorganisms and biofilms. Sci Rep (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-49386-2; Die Arbeit wurde am 24. April 2026 in Scientific Reports als unedierte Vorabversion veröffentlicht. Foto: Helge Höpfner-stock.adobe.om Forschende der Universität Bern haben untersucht, wie sich Kuhmilch und ungesüßte pflanzliche Alternativen auf orale Mikroorganismen und Biofilme auswirken. Die getesteten Produkte hatten dabei ganz unterschiedliche biologische Effekte – abhängig von Zusammensetzung, Biofilmmodell und untersuchtem Endpunkt.
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