Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

Das Rauchen und alternative Formen des Nikotinkonsums sind für uns Zahnärztinnen und Zahnärzte von besonderer Bedeutung – denn beides wirkt sich auch direkt auf die Mundgesundheit aus. So ist das Rauchen in Deutschland glücklicherweise rückläufig. Anstelle von Zigaretten oder Zigarillos treten aber zunehmend E-Zigaretten und Tabakerhitzer. Neben diesen Konsumformen, bei denen austretender oder abgeatmeter Dampf für Außenstehende sichtbar werden, richtet sich das Interesse, gerade bei jüngeren Konsumenten, verstärkt auf gänzlich rauch- beziehungsweise emissionsfreie Produkte, wie Tabak- oder Nikotinbeutel für den oralen Konsum – „Snus“. Der ursprünglich aus Skandinavien stammende Snus darf zwar in Deutschland nicht in Verkehr gebracht werden; Besitz und Konsum sind hingegen legal und die Produkte über das Internet problemlos und häufig trotz der Gesetzeslage auch an Kiosken erhältlich. Snus wird entweder lose oder in kleinen Beuteln portioniert angeboten und ist in vielen Geschmacksrichtungen erhältlich. Die Zellulose-Beutel oder kleine, geformte Portionen des losen Snus werden unter die Oberlippe geschoben und geben dort das Nikotin und die Aromen an die umliegenden Schleimhäute ab. Was seitens der Hersteller als vermeintlich gesündere Alternative zum Rauchen dargestellt wird, birgt jedoch gerade für die Mundgesundheit erhebliche Risiken. So kann der Konsum zu Gingivitis und Gingivaveränderungen führen. Je intensiver die Nutzung ist, und damit einhergehend die lokale Exposition von Schadstoffen,umso größer sind die Risiken einer krankhaften Schleimhautveränderung. Der Übergang zu oralen Präkanzerosen ist fließend. Zu der Gefahr einer nachhaltigen Schädigung des Gewebes im Mund kommen die negativen Wirkungen des stark suchterzeugenden Nervengifts Nikotin, das sowohl in tabakhaltigen wie auch in tabakfreien Varianten enthalten ist. Dazu zählen Nervosität, Störungen der Schlafqualität, ein erhöhter Blutdruck sowie eine generell verlangsamte Wundheilung. Gerade bei jungen Erwachsenen und Studierenden wird der Konsum von Snus immer verbreiteter. Und obwohl ambitionierter Sport und Rauchen in keiner Weise zusammenpassen, ist Snus auch bei Sportlern, etwa bei Eishockey- und Fußballspielern, beliebt. Nikotin steigert die Aufmerksamkeit, macht vermeintlich wach und konzentriert, ohne dabei zu den im Sport verbotenen Stimulanzien zu zählen. Wegen der vielfältigen gesundheitlichen Risiken ist es aber wichtig, dass wir die Aufmerksamkeit auf die negativen Aspekte des Snus-Konsums richten. Die Studienlage zu Mundhöhlenkarzinomen durch Snus ist noch nicht eindeutig. Die zuvor geschilderten Folgen für die Mundschleimhaut sind jedoch bedenklich, hier sollte die Aufklärung verbessert werden und eine stärkere Regulierung – gerade bezogen auf den Online-Handel und den Besitz – greifen. Aktuell haben Forschende der Universität Göteborg die Auswirkungen von Snus auf die Mundgesundheit untersucht (siehe QR-Code). Die größte Wissenslücke sehen sie bei den neuen, tabakfreien Nikotinbeuteln, die auch als „weißer Snus” bezeichnet werden. Wir als Bundeszahnärztekammer stehen beim Thema Rauchen und seinen Alternativformen in engem Austausch mit dem Bundesdrogenbeauftragten Prof. Hendrik Streeck. So arbeiten wir bei der Forderung nach einem Verbot bestimmter Zusatzstoffe inVapes Hand in Hand. Unter Jugendlichen wird „vapen“ immer beliebter – nicht zuletzt durch die verharmlosende Berichterstattung und die süßlich schmeckenden Aromastoffe, zum Beispiel Menthol, das beim Inhalieren schmerzlindernd wirkt und den Hustenreiz unterdrückt. Dadurch erleichtert dieser Stoff den Einstieg in das Dampfen und die Verwendung von Produkten mit hohem Nikotingehalt – und macht süchtig. Aber natürlich haben wir auch das klassische Zigarettenrauchen weiter im Blick. Die BZÄK hat deshalb im Januar ein aktualisiertes Positionspapier zur Rolle des Rauchens für die Mundgesundheit vorgelegt. Unser Ziel ist, Rauchen als bedeutenden Risikofaktor für die Mund- und Allgemeingesundheit stärker in den Fokus der präventions- und gesundheitspolitischen Diskussionen zu rücken, um dadurch den Tabakkonsum zu senken und auf die Risiken der derzeit angesagten Produkte hinzuweisen. Dazu brauchen wir Ihre Unterstützung in den Praxen. Dr. Doris Seiz Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer Der QR führt zur Studie der Universität Göteborg. Weitere Infos: https://www.bzaek.de/ praevention/rauchen-und-mundgesundheit.html Rauchalternativen, die keine sind 6 | LEITARTIKEL Foto: BZÄK / Nürnberger

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=