76 | zmSTARTER zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (934) Für diesen Beitrag wurden insbesondere die Befragungsergebnisse von 622 Personen ausgewertet, die ihre Praxis in den Jahren 2021 und 2022 neu gegründet haben. Der Entscheidungsprozess Die Entscheidung für oder gegen eine Niederlassung entwickelt sich oft über einen längeren Zeitraum und ergibt sich aus einem Zusammenspiel persönlicher, beruflicher und struktureller Überlegungen. Dabei prägen drei übergeordnete Bereiche den Entscheidungsprozess: 1. Lebensplanung: Dazu gehört etwa die Vereinbarkeit mit familiären Zielen, ein Kinderwunsch oder die Berufstätigkeit des Partners beziehungsweise der Partnerin. 2. Wirtschaftliche und organisatorische Rahmenbedingungen: Dies können beispielsweise Absicherung, Verdienstmöglichkeiten oder Personalverfügbarkeit sein. 3. Selbstverwirklichung und Autonomie: Beispielsweise der Wunsch, eigene Chefin oder eigener Chef zu sein oder ein individuelles Praxiskonzept umzusetzen. Zu Beginn des Berufslebens bewerten die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte nahezu alle dieser Einflussfaktoren als gleichermaßen wichtig für eine Niederlassung. Mit zunehmender Berufserfahrung lernen sie jedoch, diese Faktoren stärker zu gewichten und klare Prioritäten zu setzen, was die Entscheidungsfindung erleichtert. Welche Faktoren letztlich den Ausschlag geben, unterscheidet sich dabei stark von Person zu Person und erklärt die Vielfalt der Wege in die Niederlassung. Die überwiegende Mehrheit entscheidet sich aus Überzeugung für die Selbstständigkeit. Sie wird vor allem als Chance empfunden, eigene Vorstellungen von Praxisorganisation, medizinischen Abläufen und Führung umsetzen zu können. In lediglich zehn Prozent der Fälle resultiert die Niederlassung aus einer Abwendung von der Anstellung. Ein bewusster Priorisierungsprozess der eigenen Vorstellungen von Niederlassung hilft, die Entscheidung strukturiert und zielgerichtet treffen zu können. Wer gründet wann? Das mittlere Niederlassungsalter der Befragten liegt bei 36,3 Jahren. Zwischen Approbation und Niederlassung vergehen im Durchschnitt 8,7 Jahre, in denen zunächst mehrere Jahre Berufserfahrung in der Anstellung gesammelt werden. Berufliche Auszeiten können diese Phase verlängern. Eine vorangegangene Befragung ergab, dass über 99 Prozent der Auszeiten während der Anstellung aufgrund von Schwangerschaften und Kinderbetreuung genommen werden. Zahnärztinnen und -ärzte mit unternehmerischem oder zahnärztlichem Familienhintergrund lassen sich deutlich früher nieder. Ihnen vermitteln biografische Erfahrungen mit Praxisführung Sicherheit und erleichtern den Schritt in die Selbstständigkeit. Foto: Gpoint Studio - stock.adobe.com STUDIE „BERUFSBILD ANGEHENDER UND JUNGER ZAHNÄRZTINNEN UND ZAHNÄRZTE“ – TEIL 1 Der Weg in die Niederlassung Nele Wicking Die Entscheidung für die eigene Praxis ist für viele Zahnärztinnen und Zahnärzte ein bedeutender beruflicher Schritt. Sie markiert den Übergang zu mehr Eigenständigkeit und eröffnet neue Gestaltungsspielräume. Welche Erwägungen dabei eine Rolle spielen, wie sich der Weg zur eigenen Praxis konkret gestaltet und welche individuellen Pfade eingeschlagen werden, zeigt der erste Beitrag der vierteiligen Serie zur Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ).
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