Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (966) 12 | LESERFORUM Instrumententeile et cetera) oder einer Aspergillose, ein osteoplastischer Zugang über die faziale Kieferhöhlenwand tatsächlich erforderlich (siehe Therapiealgorithmus). Eine Revision am Boden einer Alveole, im vorliegenden Fall in regio 26, kann regelhaft über die Alveole oder unter umschriebener Erweiterung über einen kleinen lokalen Zugang ohne osteoplastischen Zugang erfolgen. Auch bei der plastischen Deckung einer Mund-Antrum-Verbindung als häufige Ursache einer Sinusitis maxillaris ist eine für den Patienten belastende subperiostale Darstellung der fazialen Kieferhöhlenwand mit Aussägen und Refixation eines Knochendeckels nicht erforderlich. Bereits Gundlach et al. [1989] und Portugall et al. [1989] konnten zeigen, dass allein der osteoplastische Zugang trotz Wiederherstellung der Kontinuität der fazialen Kieferhöhlenwand mit persistierenden Beschwerden im Versorgungsbereich des N. infraorbitalis assoziiert sein kann. Maßnahmen an der polypösen Schleimhaut erfolgen ohnehin nicht, diese heilt bei intakter mukoziliärer Clearance spontan. Daher sollte die Indikation zum osteoplastischen Zugang streng und kritisch geprüft werden. Im Fallbericht blieb ebenfalls unklar, um welche narbigen Schleimhautanteile es sich handelte, da am Boden der Kieferhöhle im Vorfeld keine operative Maßnahme stattgefunden hatte. Eine Ballonkathetereinlage in die Kieferhöhle sollte nicht erfolgen, die Nachblutungsgefahr bei einer FESS ist sehr gering. Zur Antibiotikatherapie liegen eine ganze Reihe von Studien vor, die zeigen, dass trotz mehrerer Zyklen einer antibiotischen Therapie eine odontogene Sinusitis maxillaris erst dann ausheilt, wenn der odontogene Focus therapiert wurde und/oder eine FESS durchgeführt wurde (Übersicht im Konsensus-Statement von Craig et al. [2020]). In Übereinstimmung mit der S2k-Leitlinie zur odontogenen Sinusitis und auch nach unserer Erfahrung bei über 400 Patienten mit durchgeführter FESS ist eine längere perioperative Antibiotika-Therapie nur bei Ausbreitungstendenz im Sinne einer seltenen akuten Sinusitis maxillaris oder bei immunkompromittierten Patienten erforderlich. In der Regel ist eine single shot-Gabe ausreichend. Es handelt sich nicht um eine Weichteilinfektion. Damit entfallen viele Unwägbarkeiten und unerwünschte Begleiterscheinungen einer längeren Antibiotikagabe. Notwendig bei Chirurgie im mittleren Nasengang ist jedoch eine Nachsorge mit Reinigung des mittleren Nasengangs. Insgesamt betrachten die Autoren zu Recht die vollständige Sanierung der odontogenen Entzündungsursache als wichtige Säule einer erfolgreichen Therapie der odontogenen Sinusitis. Die Sicherstellung der ostiomeatalen Drainage ist aus physiologischen Gründen jedoch ebenfalls ins Therapiekonzept einzubeziehen. Zur Diagnostik und OP-Planung ist in der Bildgebung eine dreidimensionale Darstellung der Kieferhöhle einschließlich ostiomeatalem Komplex durch CT oder DVT erforderlich, ein MRT ist nur im Ausnahmefall sinnvoll. Die Indikation für einen Zugang über die faziale Kieferhöhlenwand zur Behandlung der odontogenen Entzündungsursache sollte streng gestellt werden. Ist eine solche nicht gegeben, kann sich das operative Vorgehen in Übereinstimmung mit der aktuellen Literatur neben der Sanierung der odontogenen Ursache auf die Wiederherstellung der physiologischen Drainage der Kieferhöhle durch funktionell-endoskopische Sinus-Chirurgie (FESS) bevorzugt mit Drainage zum mittleren Nasengang beschränken. Prof. Dr. Dr. Siegmar Reinert Senior Consultant, Klinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie, Plastisch-ästhetische Operationen, Zentrum für Implantologie, Klinikum Stuttgart, s.reinert@klinikum-stuttgart.de Abb. 2: Chronische odontogene Sinusitis maxillaris links a: Nach Infundibulotomie im mittleren Nasengang besteht Einblick durch das Ostium maxillare in die linke Kieferhöhle, 30-Grad-Optik. Legende: sm = Sinus maxillaris, cnm = Concha nasalis media, cni = Conch nasalis inderior, s = Septum Fotos: [Reinert, 2026] b: Endoskopischer Befund nach sechs Monaten mit Blick in die linke Kieferhöhle durch das offene Ostium maxillare mit reizlosen Schleimhautverhältnissen, 30-Grad-Optik Legende: sm = Sinus maxillaris Literatur 1. Nurchis MC, Pascucci D, Lopez MA, Moffa A, Passarelli PC, Bressi F, Casale M, Damiani G. Epidemiology of odontogenic sinusitis: an old, underestimated disease, even today. A narrative literature review. J Biol Regul Homeost Agents. 2020; 34(5 Suppl. 3):195-200. 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