Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

70 | TITEL zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1024) Nachbearbeitung. Während geschlossene Systeme eine hohe Prozesssicherheit durch vordefinierte Parameter bieten, erfordern offene Systeme ein deutlich höheres Maß an technischem Verständnis und Erfahrung. Eine gezielte Fortbildung sowie die Zusammenarbeit mit erfahrenen, digital aufgestellten Laboren oder Praxen sind daher – insbesondere in der Einstiegsphase – essenziell. Ebenso sollte im Vorfeld klar definiert werden, welche Indikationen mit der digitalen Abformung abgedeckt werden sollen. Hinsichtlich der erforderlichen Genauigkeit digitaler Abformungen fehlt bislang eine eindeutige evidenzbasierte Referenzgröße. In der klinischen Praxis dient daher weiterhin häufig die konventionelle Abformung als Vergleichsmaßstab, obwohl auch diese mit inhärenten Fehlerquellen behaftet ist. Perspektivisch sollte das Ziel darin bestehen, die Genauigkeit digitaler Verfahren über dieses Niveau hinaus zu steigern. Zukünftige Entwicklungen lassen hier weiteres Potenzial erwarten: Insbesondere der Einsatz künstlicher Intelligenz, verbesserte Matching-Algorithmen sowie die Integration weiterer Technologien könnten die Genauigkeit und Robustheit digitaler Abformungen weiter erhöhen. Damit ist zu erwarten, dass sich das Anwendungsspektrum insbesondere in der restaurativen und der prothetischen Zahnmedizin weiter ausdehnen wird. Generell werden digitale Abformungen ihre Rolle als Schlüsseltechnologie im modernen Behandlungskonzept weiter festigen – vorausgesetzt, die technologischen Innovationen gehen Hand in Hand mit der klinischen Erfahrung und einem fundierten Verständnis der digitalen Prozesskette, ohne dass dabei die hohen Qualitätsanforderungen an die Abformung verloren gehen. n Danksagung: Die Patientenfälle verdanken ihren Erfolg maßgeblich großartiger Zahntechnik, daher gilt ein großer Dank unseren Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern der Klinik für Zahnmedizinische Prothetik sowie der Zahntechnik Eisenach und der Zahntechnik Schiwek. Außerdem danken wir cand. med. dent. Louis Wartenberg und den betreuenden Kursassistentinnen und -assistenten ZÄ Sophie Übermuth und Dr. Martin Straßburger für den spannenden Fall aus dem Integrierten Behandlungskurs. TIPPS FÜR DEN INTRAORALSCAN n Auf trockenes Scanfeld achten: Parotispflaster, Speichelzieher, Holzspatel und Luftpüster halten Zahnbeziehungsweise Restaurationsoberflächen frei von Feuchtigkeit. n Weichgewebe kontrollieren: Lippen, Wangen und Zunge konsequent abhalten; Weichgewebe möglichst nicht mitscannen, um Artefakte zu vermeiden n Keine zusätzlichen Lichtquellen: Da die Umgebungsbeleuchtung die Scanqualität beeinträchtigen kann, sollten zusätzliche Lichtquellen ausgeschaltet werden. n Darstellung der Präparationsgrenzen: Eine effektive Retraktion ist entscheidend für die präzise Erfassung der Präparationsgrenzen. n Anatomische Begrenzung beachten: Eine eingeschränkte intraorale Angulation (zum Beispiel durch eine limitierte Mundöffnung) kann die Scanführung erschweren. Entscheidend ist dabei weniger die Größe als vielmehr die Form der Scanspitze. n Scanpfad einhalten: zügiges, gleichmäßiges Scannen ohne Unterbrechungen entlang des vom Hersteller empfohlenen Scanpfades n Kalibrierung: falls vorgesehen, sollte das Scannerhandstück regelmäßig kalibriert werden n Indikationsgerechter Scanbereich: Nicht jede Indikation erfordert die vollständige Erfassung aller Bereiche. Die Anzahl der Aufnahmen möglichst gering halten und gezielt nur relevante Areale scannen. n Zusatzfunktionen nutzen: Die Sperr-Funktion verwenden, um bereits gut erfasste Bereiche vor Überlagerungen zu schützen; die Ausschneide-Funktion für partielle ScanKorrekturen einsetzen sowie die Tools zur Präparationsanalyse gezielt nutzen. n Bukkalscan: die Patienten instruieren, die Zahnreihen locker zu schließen, anstatt aktiv zuzubeißen n Scananalyse: Bewertung vorzugsweise in monochromer Darstellung, da Kontraste so besser erkennbar sind n Implantatscan: frühzeitige Abstimmung aller Komponenten (Intraoralscanner, Implantatsystem, Scanbody, CAD-Software, Herstellungsprozess), gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit dem zahntechnischen Labor n Übung ist entscheidend: mit Einzelzahnrestaurationen beginnen und sich schrittweise zu größeren Versorgungen vorarbeiten. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie die Teilnahme an Fortbildungen sind empfehlenswert – die digitale Abformung ist kein „Plug & Play“, sondern erfordert Übung. n Freude am Scannen im Team: Gerade bei der Einführung der digitalen Abformung ist die Einbindung des gesamten Teams entscheidend – gemeinsames Üben fördert Routine, Qualität und Motivation.

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