Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (962) Leserforum Im Beitrag von Dr. Helena Albrecht und Dr. Dr. Daniel Groisman, M. Sc., wird kasuistisch der Verlauf einer odontogenen Sinusitis maxillaris ausgehend von einer periapikalen Entzündung am tief kariösen Zahn 26 und einem devitalen Zahn 27 über drei Jahre beschrieben. Im Februar 2022 wurde in einer MKG-chirurgischen Praxis bei einer 46-jährigen Patientin wegen Schmerzsymptomatik im Oberkiefer links eine endodontische Therapie am Zahn 26 mit apikaler Ostitis durchgeführt und der Zahn 27 trepaniert. Bei 27 zeigte sich putrider Sekretabfluss, eine weitere Therapie erfolgte nicht. Eine spätere „Revision“ am Zahn 26 wird nicht näher beschrieben, es handelte sich jedoch offenbar nicht um eine WSR. Ein DVT im Mai 2023 ergab eine vollständige Verschattung der linken Kieferhöhle, der Zahn 27 wurde daraufhin extrahiert. Bei weiterhin bestehender Schmerzsymptomatik im Jahr 2023 zeigte eine erneute DVT-Bildgebung im Februar 2024 eine einseitige Pansinusitis links, zu einer Therapie kam es jedoch nicht. Im Jahr 2025 stellte sich die Patientin mit zunehmenden Schmerzen nach MRT-Diagnostik erstmals bei den Autoren vor. Dann erfolgten die Extraktion von 26 und die Revision der linken Kieferhöhle über einen osteoplastischen Zugang in der fazialen Kieferhöhlenwand mit Einlage eines Ballonkatheters von nasal. Postoperativ kam es zu einer eitrigen Sekretion im Bereich der intraoralen Naht, nach antibiotischer Therapie trat Beschwerdefreiheit ein. Eine endoskopische oder radiologische Befundkontrolle wird nicht beschrieben. Die Autoren schildern kritisch die über einen Zeitraum von drei Jahren nicht vollständig durchgeführte Sanierung der odontogenen Entzündungsursache, obwohl die klinische und die radiologische Symptomatik im Verlauf eindeutig für eine persistierende odontogene Ursache der Sinusitis maxillaris sprachen. In der Literatur wird die Inzidenz einer odontogenen Sinusitis maxillaris mit 10 bis 40 Prozent der Sinusitiden angegeben, bei einer einseitigen Sinusitis maxillaris mit bis zu 75 Prozent [Nurchis et al., 2020]. Nach Trepanation des Zahns 27 mit putridem Sekretabfluss wäre eine weitere Therapie erforderlich gewesen. Die erstmals circa ein Jahr nach Behandlungsbeginn erstellte Bildgebung der Kieferhöhle mit dem Bild einer Totalverschattung führte zwar zur Extraktion des Zahnes 27, der Wurzelkanal-behandelte und apikal auffällige Zahn 26 wurde jedoch belassen, eine bildgebende Verlaufskontrolle der periapikalen Aufhellung und der Sinusitis erfolgte nicht. Da die Beschwerden auch nach Extraktion von 27 progredient waren, lag es nahe, dass der Zahn 26 weiterhin als Entzündungsursache wirksam war oder sich die Sinusitis maxillaris als eigenständiges Krankheitsbild mittlerweile verselbstständigt hatte. Die Autoren haben dann die Beseitigung der odontogenen Entzündungsursache und eine Revision der Kieferhöhle durchgeführt. Zur Therapie der odontogenen Sinusitis maxillaris wurden in den letzten Jahren mehrere Studien und Reviews publiziert, ferner wurde die S2k-Leitlinie zur odontogenen Sinusitis maxillaris überarbeitet. In den meisten Arbeiten besteht Konsens darin, THERAPIE DER ODONTOGENEN SINUSITIS MAXILLARIS Die ostiomeatale Drainage muss sichergestellt sein Zum Beitrag „Der besondere Fall mit CME: Odontogene Sinusitis erkennen und richtig behandeln“, zm 6/2026, S. 48–53 Foto: ©Federico Rostagno - stock.adobe.com

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