82 | GESELLSCHAFT „ZAHNÄRZTE OHNE GRENZEN“ IN SAMBIA Zusammenhalt in Twikatane Sybille Keller Gemeinsam sind wir stärker! Deshalb haben wir, die Zahnärzte ohne Grenzen – die „Dentists Without Limits Federation“ (DWLF) – uns mit dem Verein „Twikatane“ zusammengeschlossen. Seit über einem Jahr setzen wir uns in Sambia für die Bildung von Schulkindern und ihre Zahngesundheit ein. Vor knapp zehn Jahren konnte dank der privaten Initiative der rheinischen Familie Deinert in Kabwe, Sambia, die Twikatane-Schule gebaut werden. Seit 2017 findet dort Unterricht statt. Was einst mit zwei ersten Klassen begann, hat sich inzwischen zu einem lebendigen Bildungszentrum entwickelt. Seit Beginn des Schuljahres 2026 lernen dort rund 660 Schülerinnen und Schüler – in vier Vorschulklassen sowie in den Klassenstufen 1 bis 8. Wir von „Zahnärzte ohne Grenzen“ unterstützen dieses Projekt mit der kostenlosen zahnmedizinischen Betreuung der Schulkinder und ihrer Familien. Dafür stehen in der „Dental Clinic“ im „Twikatane House“ neu errichtete Praxisräume und Unterkünfte zur Verfügung, die europäischen Standards in nichts nachstehen. Die DWLF stellt sowohl die Behandlungseinheiten als auch das zahnmedizinische Fachpersonal vor Ort. Jeden Monat kann sich ein vierköpfiges Team im Rahmen eines 14-tägigen Hilfseinsatzes engagieren – ehrenamtlich und weitgehend auf eigene Kosten. Ein Reisekostenzuschuss ist jedoch möglich, und auch die Einsatzzeiträume sind flexibel gestaltbar. Füllungen gehören endlich zum Standard Zuletzt reisten Mitte April vier Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland nach Kabwe. Sie kontrollierten die Zähne der Kinder, führten Weiterbehandlungen und professionelle Zahnreinigungen durch, legten Füllungen und versiegelten Kinderzähne. Die Kinder begegneten den Helferinnen und Helfern mit großer Neugier und suchten beim gemeinsamen Mittagessen – einem traditionellen Maisbrei mit Gemüse, Bohnen und Würstchen – begeistert den Kontakt. „Twikatane“ aus der Bantusprache Bemba bedeutet „Zusammenhalt“ und steht für uns sinnbildlich für unsere seit über einem Jahr bestehende Kooperation mit dem Verein „Twikatane“ aus Köln. Fotos: DWLF zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1036) WARUM SAMBIA? Sambia gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Rund 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze, legt man den internationalen Maßstab von 5,50 US-Dollar pro Tag an, sind es über 90 Prozent. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Der Schulbesuch an staatlichen Grundschulen ist seit 2002 offiziell kostenlos. Doch indirekte Kosten – Uniformen, Schulmaterialien, Transport – bleiben für viele Familien unüberwindbare Hürden. Die Folgen sind gravierend: Nur vier Prozent der Zweitklässler erreichen die staatliche Mindest-Lesekompetenz. 42 Prozent der Mädchen im Sekundarschulalter gehen nicht zur Schule, häufigwegen früher Heirat oder Schwangerschaft. Kabwe, die zweitgrößte Stadt des Landes und Standort der TwikataneSchule, ist von extremer Armut geprägt. Die Kinder kommen größtenteils aus den umliegenden Compounds – informellen Siedlungen mit Lehmhäusern, ohne fließendes Wasser und oft ohne Stromanschluss.
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