Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

24 | POLITIK zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1074) POSITIONSPAPIER DES WELTZAHNÄRZTEVERBANDS FDI fordert mehr Prävention am Arbeitsplatz In Betrieben und Unternehmen könnte wesentlich mehr unternommen werden, um die Mundgesundheit zu stärken. Zu diesem Schluss kommt der Weltzahnärzteverband FDI in seinem Bericht „Mundgesundheit am Arbeitsplatz: Ein Leitfaden für Prävention, Produktivität und das Wohlbefinden der Belegschaft“. Arbeitsplätze seien eine große, aber auch „verpasste Chance“, Mundgesundheitsprobleme anzugehen, heißt es in dem 54-seitigen Positionspapier, das die FDI (Fédération Dentaire Internationale) am Rande der 79. Weltgesundheitsversammlung der WHO in Genf vorstellte. Der Bericht sieht in Arbeitsstätten die „vielversprechendsten und gleichzeitig am wenigsten genutzten Plattformen“ zur Verbesserung der Mundgesundheit, zur Steigerung der Produktivität und zur Stärkung des Wohlbefindens der Belegschaft. Erkrankungen des Mundraums betreffen nach FDI-Angaben weltweit 3,7 Milliarden Menschen und kosten die Wirtschaft jährlich schätzungsweise 710 Milliarden US-Dollar (612 Milliarden Euro), darunter 323 Milliarden US-Dollar (278 Milliarden Euro) an Produktivitätsverlusten. Mit Blick auf diese Zahlen sei es unverständlich, dass die Mundgesundheit in betrieblichen Gesundheitsstrategien nach wie vor kaum eine Rolle spielt. Erwachsene würden etwa ein Drittel ihres Lebens am Arbeitsplatz verbringen. Das stellt aus Sicht des Weltzahnärzteverbands eine einzigartige Chance dar, Bevölkerungsgruppen, die von präventiven Angeboten nur unzureichend erreicht werden, einzubinden. Um die Zahnmedizin flächendeckend in betriebliche Gesundheitsprogramme zu integrieren, fordert der Weltzahnärzteverband ein koordiniertes Handeln aller beteiligten Stakeholder: „Durch eine engere Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern, Arbeitgebern, Versicherern, Berufsverbänden und Arbeitnehmervertretern können Arbeitsplätze zu einer wichtigen Plattform für Prävention, Früherkennung und integrierte Gesundheitsförderung werden.“ Es gibt strukturelle Hürden Die Umsetzung von Initiativen zur Mundgesundheit am Arbeitsplatz wird von einer Reihe struktureller und häufig erschwerender Faktoren bestimmt, betont die FDI in dem Papier. So könnten kleinen und mittleren Unternehmen „möglicherweise die Infrastruktur, die Kaufkraft oder die arbeitsmedizinischen Kapazitäten fehlen, um umfassende Gesundheitsleistungen oder Vorsorgeprogramme anzubieten“. Große Organisationen mit etablierten arbeitsmedizinischen Systemen seien da im Vorteil. Der deutsche Arbeitsmarkt teilt sich wie folgt auf: Hier waren 2023 nach Angaben des Statistischen Bundesamts über 6,8 Millionen Menschen in Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden tätig. Kleinunternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden beschäftigten 7,5 Millionen Deutsche. In Großunternehmen mit über 249 Mitarbeitenden arbeiteten 17,8 Millionen Menschen. Die Frage, wie sich strukturelle Ungleichheiten überwinden lassen, beantwortet der FDI-Bericht allerdings nur sehr allgemein: „Um neue Modelle in eine inklusive und nachhaltige Praxis umzusetzen, wird es von entscheidender Bedeutung sein, sicherzustellen, dass Initiativen zur Mundgesundheit am Arbeitsplatz die öffentlichen Gesundheitssysteme ergänzen und einen gerechten Zugang für alle Arbeitnehmergruppen fördern.“ sth Die Zahnmedizin ist nicht ausreichend in Programme zur Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz integriert, kritisiert der Weltzahnärzteverband in einem aktuellen Bericht. Foto: FDI World Dental Federation

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