28 | PRAXIS UMGANG MIT UNTERBRECHUNGEN IM PRAXISALLTAG „Chef, können Sie mal eben?“ Nicole Gaus Ständige, selbst nur kleine Unterbrechungen im Praxisalltag können zu einem echten Organisationsproblem werden: Sie stören die Konzentration, kosten Zeit und binden ausgerechnet den wertvollsten (und teuersten) Mitarbeiter – den Chef – an falscher Stelle. Klare Zuständigkeiten, feste Regeln und Entscheidungsräume können spürbar Entlastung schaffen. Können Sie mal eben ...?“ Vier harmlose Worte, die in vielen Zahnarztpraxen regelmäßig für unzählige Unterbrechungen sorgen. Dabei ist gar nicht mal die Menge der Zurufe und Aufgaben das Problem, sondern der ständige Wechsel zwischen Behandlung, Führung und Administration. Etwa wenn während der Behandlung ständig die Tür aufgeht, ein Kopf erscheint, der kurz schaut, und die Tür wieder zugezogen wird, eigentlich eine Kleinigkeit – und doch wird die Konzentration des Behandlers unterbrochen. Oder die Chefin ist steril am Patienten, setzt gerade das Skalpell an, da steht plötzlich die Praxismanagerin im Türrahmen: „Können Sie mal kurz kommen? Ein Privatpatient am Telefon will Sie sprechen.“ Dazu kommen die vielen kleinen Zurufe des Alltags: „Schauen Sie mal kurz auf die Arbeit aus dem Labor?“, „Haben Sie kurz Zeit, das Rezept zu unterschreiben?“, „Frau Müller wartet noch auf Ihre Freigabe.“ Alle diese Störungen reißen den Behandler aus seinem Fokus. Auch die Patientinnen und Patienten dürften sich in solchen Momenten fragen, ob sie gerade die (ungeteilte) Aufmerksamkeit bekommen, die sie erwarten dürfen. Mal schnell eine Rechnung prüfen, einen Termin verschieben, Material bestellen, eine E-Mail beantworten oder eine organisatorische Entscheidung zwischen zwei Patienten treffen – für sich genommen dauern diese Vorgänge in der Regel nur wenige Minuten. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, dass eine Zahnärztin mit einem Kostenstundensatz zwischen 200 und 490 Euro all diese Verwaltungsaufgaben selbst erledigt, wird ausgerechnet die teuerste Person der Praxis zum Sachbearbeiter. Nicht der Vorgang ist teuer, sondern die Unterbrechung Aber noch gravierender ist: Jede Unterbrechung zwingt das Gehirn zum Umschalten. Jeder Wechsel kostet Konzentration. Dabei zählt die konzentrierte Fokussierung zu den wertvollsten Ressourcen im Praxisalltag. Der teuerste Mitarbeiter ist der Chef: Wenn die Praxisleitung in zahllose Kleinstvorgänge eingebunden ist, kostet das Geld, Zeit und Nerven. Foto: everypixel - stock.adobe.com zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1078)
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