56 | ZAHNMEDIZIN diesem neuen digitalen Ökosystem. Das hing wesentlich damit zusammen, dass die Möglichkeiten der Technologie zwar faszinierend klangen, aber der konkret erwartbare Nutzen immer etwas nebulös blieb. Also habe ich mit zahlreichen „Scanner-Profis“ gesprochen, die mir in wenigen Minuten die Vor- und Nachteile der gängigsten Modelle auf dem Markt vortragen konnten. Leider war auch danach für mich zunächst noch nicht klar, welchen konkreten Mehrwert die Digitalisierung für meine Praxis haben könnte. Vielmehr hatte ich damals den Eindruck, dass weniger die Anwender, sondern zunächst eher die Anbieter von der Entwicklung profitieren. Da ging es um Dongles, Bindungen an zahntechnische Labore mit Mindestumsatz oder zahlreiche kostenpflichtige Lizenzen für die Eigennutzung. Scanner inklusive Kart im Praxistest So vergingen mehrere Monate, bis ein Maschinenbauer der Firma MBMaschinen mich anrief und mich in die Firmenzentrale nach Biebergmünd einlud. Gemeinsam mit einem befreundeten Zahntechniker, der im Bereich der digitalen Zahntechnik seit Jahren gut aufgestellt ist, bin ich hingefahren, und wir haben uns die Maschinen und Möglichkeiten zeigen lassen. Die Vorführung war interessant, dennoch war ich zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht ganz überzeugt. Was ich damals nicht wusste: Ich gehörte zu den ersten Kunden der Firma und hatte das Privileg, dass man sich mit mir viel Mühe gab. Dabei ging es gar nicht mal um den schnellen Umsatz, die Firma wollte mit ihren Kunden ins Gespräch kommen, deren Gedanken und Ansprüche kennenlernen – und ich profitierte von diesem intensiven Kontakt. Eine echte Win-win-Situation also. Die Abwesenheit glamourösen Marketings machte mich zwar einerseits skeptisch, weckte andererseits aber auch mein Interesse. Überzeugt hat mich schließlich, dass bei diesem Termin auch der Geschäftsführer von Orangedental anwesend war und mir anbot, einen Scanner inklusive Kart zu Testzwecken in meine Praxis zu schicken. So konnte ich den Scanner direkt am Patienten ausprobieren und bei Gefallen behalten beziehungsweise kaufen. Nach einer kurzen Testphase, die mich überzeugt hat, habe ich mich für den Scanner der Firma FUSSEN (Fussen IO-Scanner S6500, vertrieben über Orangedental) entschieden sowie für zwei Schleifeinheiten von MB-Maschinen (EASY mill 4, EASY mill 5) – eine vierachsige und eine fünfachsige CNCBearbeitungsmaschine. Ich will ohne Vorgaben von Firmen arbeiten Für mich war der wirtschaftliche Faktor ausschlaggebend für die Entscheidung zur Digitalisierung in meiner Praxis mit Scanner und CNC-Bearbeitungsmaschinen. Gleichzeitig war es mir wichtig, meine Unabhängigkeit zu bewahren. Daher habe ich darauf geachtet, Systeme zu wählen, die mir möglichst viel Flexibilität in der Zusammenarbeit mit zahntechnischen Laboren und Herstellern sowie in meinen eigenen Arbeitsabläufen lassen. Ich möchte frei sein in meiner Preisgestaltung, meinem Handeln und meinen Entscheidungen. Deshalb achte ich darauf, mir von Firmen keine Vorgaben aufdrängen zu lassen, wohin ich meine Daten zu versenden habe oder an wen – schon gar nicht, wenn ich dafür bezahlen muss. Auch die Datenübertragung auf fremde Server, zu denen ich keinerlei Bezug habe, wollte und will ich vermeiden. Im technischen Bereich war und ist es mir wichtig, mit einem Scanner zu arbeiten, der schnell und präzise ist und einen möglichst großen Bereich der Zahnmedizin abdecken kann. Mein Scanner und die Schleifeinheiten funktionieren ohne Bindung an Dongles oder verpflichtende Systeme. Unser Arbeitsalltag mit dem IOS Mittlerweile haben wir in der Praxis gelernt, dass die digitalen Möglichkeiten weitreichend sind. Jeden Tag lernen wir mit den Geräten Neues dazu. In meinem Arbeitsalltag eröffnen sich immer wieder Möglichkeiten, die ich in diesem Umfang zunächst gar nicht erwartet hatte. Ursprünglich war lediglich eine digitale Abformung mit anschließender Kronenherstellung – eventuell im Chairside-Verfahren – angedacht. Begonnen haben wir mit Einzelkronen und wollten uns anschließend mit kleineren Brücken beschäftigen. Nun haben wir zusätzlich einen 3D-Drucker angeschafft, um bei Bedarf Modelle herstellen zu können. Darauf lassen sich Gerüste aus Zirkonoxid und Kronen übertragen und keramisch verblenden, außerdem können Nachbarstrukturen und Formen besser berücksichtigt werden. Mittlerweile stellen wir auch größere Arbeiten mit bis zu 14 Gliedern pro Kiefer her, die wir selbst verblenden. Auch die Materialien im Bereich der Zirkonversorgungen haben sich qualitativ und farblich deutlich weiterentwickelt. Daher kann ich heute guten Gewissens sagen, dass wir qualitativ sehr gut aufgestellt sind und diese Arbeiten in unserer Praxis erfolgreich einsetzen. Bei entsprechender Pflege können unsere Patientinnen und Patienten von zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1106) n 1991–1995: Ausbildung zum Zahntechniker n 1995–2001: Beschäftigung als angestellter Zahntechniker n 2006: Staatsexamen Zahnmedizin (Philipps-Universität Marburg) n 2008: Promotion n Seit 2010: Selbstständig in eigener Praxis in Lollar n 2018, 2021: Präventionspreis der Bundeszahnärztekammer undCPGABA n Tätigkeitsschwerpunkt: Implantologie Dr. Boris Jablonski Zahnarztpraxis Dr. Jablonski Kirschgarten 20a, 35457 Lollar Foto: Fotostudio-Sandha
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