Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1109) ZAHNMEDIZIN | 59 ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. je nach Belieben auch ohne Übertragung von einem anderen Programm Patientennamen und -nummern manuell eingeben kann. Aus der IOS-Serversoftware heraus lässt sich die Scansoftware (Scan Flex, Orangedental, Biberach, Deutschland) aufrufen, um die Zahnreihen oder Modelle zu scannen und die Scans zu speichern. Diese Daten kann ich nun selbst verarbeiten und unverschlüsselt oder verschlüsselt per Mail oder Stick versenden. Konstruktion und Weiterverarbeitung In meiner Praxis markieren wir die Scandaten und überführen diese ins Konstruktionsprogramm exocad (exocad GmbH, Darmstadt, Deutschland). Hiermit können unter anderem Teilkronen, Kronen, Brücken, Prothesen und Kfo-Apparaturen konstruiert und für die Produktion aufbereitet werden. Dabei ist exocad ein offenes System, das die Integration verschiedener Dentalscanner, Fräsmaschinen und 3DDrucker erlaubt. Nach der Konstruktion einer Krone können diese Daten an ein Labor zur weiteren Verarbeitung online oder per Datenträger weitergeleitet werden. In unserer Praxis wird der konstruierte Zahnersatz meist intern mit den eigenen Schleifeinheiten EASY mill 4 (4-Achs-CNC-Bearbeitungsmaschine/ Nassschleifmaschine für dichtgesintertes Zirkon und Lithiumdisilikatkeramik/e.max und anderes mehr) für Chairside-Konstruktionen und EASY mill 5 (5-Achs-CNC-Bearbeitungsmaschine/Trockenschleifmaschine für ungesintertes Zirkon und Kunststoffe) produziert. Dafür müssen die digitalen Konstruktionen noch in Position gebracht werden, um sie ihrer Bearbeitungsfolge zuzuführen. Dies geschieht mit einer speziellen Dental-CAMSoftware für die Maschinen. Die Daten gelangen per Netzwerk oder per USBStick an die Maschine. Anschließend wird der entsprechende Rohling in die Maschinen eingespannt und der Startknopf manuell betätigt. Alle zahntechnischen Konstruktionen werden im Nachgang von mir auf dem Sägemodell aufgepasst. Approximalund Antagonistenkontakte werden kontrolliert und ausgearbeitet. Danach erfolgen ein Sandstrahlen mit Aluminiumoxid sowie mehrere Malfarbenund Glasurbrände, bevor die Arbeit mit einer Abschlusspolitur versehen wird. Wie geht es weiter mit dem digitalen Workflow? Unser Ziel ist es, künftig unsere Präparationen vollständig im Mund zu scannen und digital zu verarbeiten, ohne vorher Abformungen anzufertigen. Aktuell beschäftigen wir uns außerdem mit der Herstellung von Provisorien bei größeren Versorgungen. Dabei möchten wir Zahnstellungen, Bisshebungen und Zahnformen bereits im Vorfeld an den Patienten anpassen. Mithilfe von PMMA-Multilayerkunststoffen kann der Patient so bereits einen ersten Eindruck seiner zukünftigen Versorgung erhalten. Ein weiterer Bereich ist die Implantatversorgung. Hier müssen für die digitale Planung die Daten aus dem DVT mit den IOS-Daten zusammengeführt werden. Derzeit arbeiten wir daran, Bohr- und Positionierungsschienen nach der Planung selbst auf der EASY mill 5 herzustellen. Außerdem planen wir die Herstellung hochwertiger Aufbissschienen sowie weiterer zahntechnischer Arbeiten. Wir wissen, dass wir die Möglichkeiten des Systems noch lange nicht ausgeschöpft haben. Fazit Es gibt viele Wege und Motivationen, die in den digitalen Workflow führen. Die Entscheidung für oder gegen eine Investition ist normalerweise von Nutzenerwägungen getragen. Bietet eine neue Technologie handfeste Vorteile, wird man sie gern und schnell adaptieren. Doch im Fall des digitalen Workflows war das lange Zeit nicht wirklich eindeutig zu entscheiden. Mit der herkömmlichen Abformung existierte – und existiert immer noch ein bewährtes und präzises Verfahren. Gerade im Hinblick auf die Genauigkeit konnte das digitale Pendant viele Jahre nur eingeschränkt mithalten. Aber es gab auch andere Hürden, schnell umzusteigen. Da sind vor allem die zahlreichen Geschäftsmodelle zu nennen, von denen nicht wenige vor allem den Anbietern zugute kommen und die Migrationsaufwände und Anwendungsrisiken beim Zahnarzt belassen. Auf der anderen Seite ist die Entwicklung der Technologie heute so weit fortgeschritten, dass die Genauigkeit der Intraoralscanner kaum noch ein Thema ist und der Workflow von einem großen Angebot von Scannern, Software und Ausgabegeräten unterstützt wird. So tritt der Nutzen des digitalen Workflows immer deutlicher zutage. In vielen Fällen wird mit dem digitalen Workflow bereits eine Sofortversorgung möglich und die Abhängigkeit von Laboren reduziert sich merklich. Parallel entsteht zusätzliche Wertschöpfung in der eigenen Praxis: Wenn diese Prozesse effizient aufgesetzt werden, kann sich das wirtschaftlich lohnen. Es gibt nicht den einen „richtigen“ Weg, neue Technologien in die eigene Praxis zu integrieren. Jeder Praxisinhaber wird seinen eigenen Zugang und seine eigenen Präferenzen finden müssen. Wer heute neu in den digitalen Workflow einsteigen will, dem würde ich daher empfehlen, sich neben den Anwendungsbereichen für Intraoralscanner & Co. auch mit der IT rund um die Daten (Speicher und Archivierung) und den Geschäftsmodellen der Anbieter zu beschäftigen. Nicht nur die Einsatzgebiete der Technologie selbst, sondern auch das ganze Drumherum sollte gut geplant sein. Ich gehe davon aus, dass sich der digitale Markt in den kommenden Jahren weiter stark verändern wird. Es werden weitere neue Möglichkeiten entstehen, die noch schneller und effizienter sind. Anfangs hatte ich großen Respekt davor, mich der digitalen Herausforderung zu stellen. Heute sehe ich darin jedoch vor allem neue Chancen und Erleichterungen für die Zukunft. n

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