Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

66 | GESELLSCHAFT ZM-HISTORY Nach dem Spiel ist vor dem Zahnarzt „Ro!“ (sprich: Ruh!). Jede Fußball-WM schreibt ihre Geschichten. Die Norweger – Fans und Spieler, und auch deren PolitikerInnen – haben sich ins kollektive Gedächtnis gerudert. Egal, wie weit es nach dem Sieg gegen Brasilien im Achtelfinale letztlich geht. „Ro!“ Für Deutschland war das (schon wieder) eine WM zum Vergessen, Alptraum statt Sommermärchen. Verklären wir lieber die Zeiten, als wir Elfmeterschießen noch gewonnen haben und das Finale abonniert war. „Ro! Ro! Ro!“ Für Fußball-Nostalgiker braucht es nur ein paar Schlagworte: Die Nacht von Sevilla! Das Halbfinale gegen Frankreich: der amtierende Europameister Deutschland gegen den nächsten zwei Jahre später. Rummenigge, Breitner, der junge Littbarski, KlausFallrückzieher-Fischer, Briegel, Kaltz und „das Kopfballungeheuer“ Horst Hrubesch hier, das legendäre Mittelfeld um Michel Platini, Alain Giresse und Jean Tigana dort. Und dann ja noch Schumacher und Battiston. Der Spielverlauf selbst war schon spektakulär. 1:1 nach 90 Minuten, Verlängerung. Nach acht Minuten liegen die Franzosen mit 3:1 vorn, alles vorbei, zehn Minuten später macht das deutsche Team durch einen Fischer-Fallrückzieher das 3:3, es folgt das erste Elfmeterschießen der WM-Geschichte. Erst hält der französische Torwart einen, dann der deutsche, und dann noch einen. Dann kommt Hrubesch, zieht sich auf dem Weg zum Punkt die Hose zurecht, legt sich – als vermutlich einziger Schütze ever – nicht einmal den Ball selbst hin und ... schiebt ihn rein. Finale. Ein Jahrhundertspiel. Fußballerisch war's das. Aber dann war da ja noch die 57. Minute. Denn die andalusische Nacht bleibt auch (oder vor allem) in Erinnerung wegen des Zusammenpralls/Brutalo-Fouls des deutschen Torwarts Harald „Toni“ Schumacher mit dem Franzosen Patrick Battiston: Nach einem Steilpass von Platini läuft Battiston allein auf das deutsche Tor zu und kommt an der Strafraumgrenze an den Ball. Schumacher stürmt ihm entgegen, der Franzose spitzelt den Ball vorbei, Schumacher kann nicht mehr bremsen, springt hoch, dreht sich in der Luft und trifft Battiston in vollem Schwung mit seiner Hüfte am Kopf. Dieser geht zu Boden und bleibt regungslos liegen. „Dann bezahle ich ihm halt die Jacketkronen“ Battiston war mehrere Minuten bewusstlos, wurde lange behandelt und musste mit angebrochenem Halswirbel und einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Währenddessen steht Schumacher Kaugummi-kauend vor seinem Tor, jongliert mit dem Ball, dehnt sich und wartet darauf, dass es Spieler rammt Spieler, Sevilla, 8. Juli 1982, Deutschland – Frankreich 8:7 n. E. Fotos: Yanukit Raiva / gettyimages, picture-alliance / dpa, picture-alliance / Sven Simon

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