Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

GESELLSCHAFT | 67 weiter geht. Als er nach dem Spiel von einem Reporter erfährt, dass Battiston zwei Zähne verloren hat, antwortet er scheinbar lässig: „Wenn es nur die Jacketkronen sind, die bezahle ich ihm gerne.“ Den Spruch hat Schumacher hinterher bereut. Er erklärte ihn später mit der emotionalen Überdosis eines Jahrhundertspiels, in dem er vom absoluten Buhmann zum Elfmeter-Helden avancierte. Und auch während der Behandlung von Battiston sei er aus Angst und Unsicherheit im Tor geblieben, um die Situation nicht noch mehr aufzuheizen. Das misslang. Die ausgeschlagenen Zähne und die flapsigen Worte belasten die noch zarte deutsch-französische Freundschaft. Der „böse Deutsche“ war wieder da, die französische Presse kramte die alten Ressentiments gegen den Kriegsgegner hervor, schrieb von „Mörder“, „Nazi“, „Schuhmacher SS“, um das „Attentat sur Battiston“ (und das Ausscheiden?) zu verarbeiten. Die Sportzeitschrift L’Équipe soll „Toni Schumacher, Beruf Unmensch“ getextet haben. Der Focus hat den Zusammenprall in seine Liste der „elf unfairsten und unsportlichsten Fußball-Momente“ aufgenommen, die Zeit schrieb: „Dieses Foul schmerzt noch heute.“ Eine Woche nach dem Spiel heiratete Battiston mit Halskrause, sechsmal mussten ihm die verlorenen Schneidezähne ausgetauscht werden. Er könne jetzt mit den Zähnen das Wetter fühlen, hat er mal gesagt. „Beckenbauer? Können Sie das buchstabieren?“ Beim zweiten Zahnunfall derselben WM war ein deutscher Schiedsrichter das Opfer. Walter Eschweiler leitet das Gruppenspiel zwischen Italien und Peru, als sich in der ersten Halbzeit der Laufweg des Peruaners Jose Velasquez mit seinem kreuzt. Frontal stoßen beide zusammen, „die Mutter aller Schiedsrichter-Kollisionen“ (Elf Freunde). Eschweiler macht eine plumpe Rolle rückwärts und muss sich kurz berappeln. Neben den Karten und der Pfeife liegt ein Schneidezahn auf dem Rasen. Er unterbricht das Spiel, Schiedsrichterball, dann geht es weiter. „Eine deutsche Eiche wankt, aber sie fällt nicht“, kommentiert er die Szene hinterher. Noch in der Halbzeitpause bekommt er einen Anruf von seinem besorgten Chef. Da er hauptberuflich als Diplomat im Auswärtigen Amt arbeitet, ist Außenminister Hans-Dietrich Genscher am Apparat. Überliefert ist Eschweilers Antwort: „Lieber Herr Minister, außer dem angeborenen Dachschaden liegt keine nennenswerte Beschädigung vor.“ Eschweiler steht für einen damals neuen Typus Schiedsrichter. Er regelte die Dinge auf dem Platz häufiger mal rheinisch-fröhlich mit einem flotten Spruch, er selbst nannte es „eine entspannte Kommunikation“, ntv nannte ihn „den Grandseigneur des gepflegten Herrenwitzes“. Urteilen Sie selbst. Weit nach seiner Karriere war Eschweiler zum 10. Internationalen Fußballfilmfestival in Berlin eingeladen, vorgestellt wurde er mit einem Kurzfilm. Als das Licht ausging, sagte er zum ARD-Reporter Heribert Faßbender: „Sag mal, Heribert, hast du Make-up aufgetragen? Deine Wangenknochen leuchten ja selbst in der Dunkelheit!“ Eschweiler brachte seinen Humor aber auch mit auf den Platz. Irgendwann Mitte der 1970er-Jahre schiedste er ein Spiel von Rot-Weiß Essen, in dem er der RWE-Legende Willi „Ente“ Lippens zurief: „Willi, ich glaube, deine Frau betrügt uns!“ Überliefert ist auch eine Anekdote mit dem allergrößten deutschen Fußballer. Als Franz Beckenbauer in einem Zweikampf mal zu spät (sic!) kam und wenig kaiserlich hinlangte, bestellte Eschweiler ihn zum Rapport: „Wie ist der Name?“ Der Kaiser winkte nur verdutzt ab und trollte sich. Doch Eschweiler insistierte und fragte noch zweimal nach dem Namen. „Na, Beckenbauer. Was denn sonst?“ Doch der Schiedsrichter hatte scheinbar nicht genau verstanden. „Können Sie das bitte buchstabieren, junger Mann?“ Später kommentierte Eschweiler die Szene so: „Da brauchte ich gar keine Gelbe mehr zu zeigen, der war konsterniert genug.“ Unsere neue beste Freundin, die KI, weiß auch nicht mehr zur Zahn-Restauration nach dem Spiel, weist aber darauf hin, dass der Vorfall sich in diversen Foren als Quizfrage etabliert hat. Frage: Bei der Fußball-WM 1982 verlor der deutsche Schiedsrichter Walter Eschweiler nach einem Zusammenstoß einen Zahn – welchen? Antwort: A) Backenzahn B) Eckzahn C) Schneidezahn D) Weisheitszahn. An der Stelle können Sie nun zukünftig glänzen. mb zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1117) ZAHNMEDIZIN SCHREIBT GESCHICHTE(N) Sie kennen die Geschichte der Zahnmedizin? Dann lassen Sie sich überraschen! Denn in zm-History geht es nicht um die Meilensteine in Forschung und Lehre – in unserer neuen Reihe erinnern wir an Zahnärztinnen und Zahnärzte, deren einzigartige Storys es um die Welt geschafft haben und die heute trotzdem niemand mehr kennt. Spieler rammt Schiedsrichter, Vigo, 18. Juni 1982, Vorrunde: Italien – Peru 1:1

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