Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

20 | ZAHNMEDIZIN Vitamin D ist für die Regulation des Kalzium- und Phosphathaushalts, den Knochenumbau und immunologische Signalwege von zentraler Bedeutung. Diese biologischen Funktionen machen es plausibel, Vitamin D auch als potenziellen Modulator der Osseointegration, der Augmentateinheilung und der periimplantären Gewebestabilität zu diskutieren. Gleichzeitig ist Vitamin D in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem „Marker“ für Gesundheit geworden. In der zahnärztlichen Praxis führt das immer häufiger zu der Frage, ob vor implantologischen und augmentativen Eingriffen routinemäßig der Vitamin-D-Spiegel bestimmt und im Zweifel Vitamin D supplementiert werden sollte. Mit der von der AWMF registrierten S3-Leitlinie 083-055 liegt nun erstmals eine methodisch streng entwickelte, interdisziplinär konsentierte Entscheidungshilfe vor, die diese Frage auf Basis klinischer Evidenz beantwortet. Die Leitlinie kommt zu einer klaren Aussage: Routinemäßige, ungezielte Testung und Supplementierung sollen im Kontext von Implantation, Augmentation und Periimplantitistherapie nicht erfolgen; eine individualisierte Vorgehensweise kann in definierten Situationen erwogen werden [DGI und DGZMK, 2025a]. Methoden Die Leitlinie wurde federführend von der Deutschen Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich (DGI) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) unter Beteiligung weiterer Fachgesellschaften erarbeitet. Sie folgt den methodischen Standards der AWMF und integriert evidenzbasierte Bewertung mit strukturierter Konsensfindung. Die klinischen Fragestellungen wurden in der Logik Population, Intervention, Comparison, Outcome (PICO) formuliert und auf Outcomes ausgerichtet, die für Implantatprognose, Augmentationschirurgie, periimplantäre Infektion und Knochenhomöostase relevant sind. Die systematische Literaturrecherche schloss mehrere Datenbanken und eine Handsuche ein. Die Suche endete im Januar 2024. Auf Basis der eingeschlossenen Primärstudien wurden Empfehlungen und Statements verabschiedet, die mit Empfehlungsgrad und Konsensstärke ausgewiesen sind [DGI und DGZMK, 2025a; DGI und DGZMK, 2025b]. Ein zentrales Ergebnis der methodischen Aufarbeitung ist die ausgeprägte Heterogenität der verfügbaren Studien: Esfinden sich unterschiedliche Schwellenwerte für Defizienz, Insuffizienzund Suffizienz, variable Supplementationsschemata, verschiedene Messmethoden (Labor versus Chairside-Test) sowie häufig Surrogatparameter statt harter klinischer Endpunkte. Diese Limitationen prägen die Stärke der Empfehlungen [DGI und DGZMK, 2025b]. Empfehlungen Die Leitlinie formuliert ihre Empfehlungen bewusst entlang klinischer Entscheidungssituationen und nicht entlang einer generellen „Vitamin-DStrategie“. Damit trägt sie der Realität Rechnung, dass Implantatprognose, Augmentationschirurgie und periimplantäre Erkrankungen multifaktoriell geprägt sind. zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1166) ERSTE S3-LEITLINIE ZU VITAMIN D IN DER IMPLANTOLOGIE Keine routinemäßige Vitamin-D-Testung vor Implantationen Moritz B. Schlenz, Joscha G. Werny, Knut A. Grötz Mit der neuen Leitlinie möchte die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eine Entscheidungshilfe für oder gegen eine Vitamin-D-Bestimmung und -Supplementierung bei Implantationen, Augmentationen und bei Verdacht auf einen gestörten Kieferknochenstoffwechsel geben. ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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