ZAHNMEDIZIN | 21 Kernaussagen der Leitlinie in Kürze: n Eine routinemäßige, ungezielte Vitamin-D-Bestimmung vor oder nach Implantation, Kieferknochenaugmentation oder Periimplantitistherapie soll nicht erfolgen [DGI und DGZMK, 2025a]. n Eine routinemäßige, ungezielte Vitamin-D-Supplementierung in diesen Kontexten soll ebenfalls nicht erfolgen [DGI und DGZMK, 2025a]. n Eine Vitamin-D-Bestimmung oder -Supplementierung kann individuell erwogen werden, wenn anamnestisch ein Mangel vermutet oder bereits bekannt ist, sowie bei Implantatfrühverlust unklarer Ursache [DGI und DGZMK, 2025a]. n Eine präoperative Supplementierung kann bei Patientinnen und Patienten mit niedrigem VitaminD-Spiegel zur Reduktion postoperativer Schwellung und entzündlicher Parameter erwogen werden. [DGI und DGZMK, 2025a; DVO, 2023]. n Wenn eine Bestimmung erfolgt, kann sie entweder über qualitätskontrollierte Laboranalytik oder qualitätskontrollierte In-office-Finger-prick-Schnelltests durchgeführt werden [DGI und DGZMK, 2025a]. n Die Diagnostik von Vitamin-D-Rezeptorpolymorphismen im Rahmen der präimplantologischen Therapieplanung soll nicht erfolgen [DGI und DGZMK, 2025a]. Warum kein Routine-Screening? Die Leitlinie begründet die negative Empfehlung zur routinemäßigen, ungezielten Testung nicht mit einer Irrelevanz von Vitamin D, sondern mit der derzeit unzureichenden klinischen Beweislage für einen patientenrelevanten Nutzen eines Screenings in einer unselektierten Implantatpopulation. In den verfügbaren Studien sind Assoziationen zwischen Vitamin-D-Status und Surrogatparametern wie marginalem Knochenverlust oder Implantatstabilität beschrieben, die Ergebnisse jedoch inkonsistent und methodisch heterogen [Mangano et al., 2016; Tabrizi et al., 2022; Mohsen et al., 2024]. Zusätzlich birgt ein Screening ohne klare Konsequenzen das Risiko von Überdiagnostik und einer anschließenden unkontrollierten Supplementierung. Gerade im Kontext frei verfügbarer hochdosierter Präparate ist das Risiko einer Überversorgung real und klinisch relevant [BfR, 2024]. zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1167) HINTERGRUND Vitamin D umfasst eine Gruppe fettlöslicher Secosteroide. In der klinischen Versorgung ist Cholecalciferol (Vitamin D3) die häufigste Form; gemessen wird in der Regel nicht das aktive Calcitriol, sondern 25-Hydroxy-Vitamin D (25(OH)D) als etablierter Surrogatmarker der Versorgungslage [Institute of Medicine, 2011]. Über den Vitamin-D-Rezeptor beeinflusst Vitamin D zahlreiche zelluläre Prozesse im Knochengewebe. Indirekt wirkt es über die Calciumhomöostase und die Parathormonregulation auf Osteoklastenaktivität und Knochenresorption; zusätzlich werden osteoblastäre Differenzierung und Matrixmineralisation durch Vitamin-D-abhängige Signalwege moduliert [DGI und DGZMK, 2025a]. Aus implantologischer Sicht ist diese Biologie attraktiv, weil Osseointegration und periimplantärer Knochenumbau zeitkritische, immunologisch mitgesteuerte Prozesse sind. Bei Vitamin-D-Defizienz werden in der Literatur unter anderem Veränderungen proinflammatorischer Marker, eine potenziell beeinträchtigte Knochenreifung sowie eine höhere Anfälligkeit für periimplantäre Entzündungsprozesse diskutiert [Acipinar et al., 2019; Ustaoglu und Erdal, 2020]. Für die Einordnung von 25(OH)D-Serumwerten werden international unterschiedliche Grenzwerte verwendet. In Deutschland orientieren sich Behörden und Leitlinien häufig an der Klassifikation des Institute of Medicine, die Werte unter 30 Nanomol pro Liter (12 Nanogramm pro Milliliter) als mangelhafte Versorgung und Werte ab 50 Nanomol pro Liter (20 Nanogramm pro Milliliter) als ausreichende Versorgung im Hinblick auf die Knochengesundheit beschreibt [Institute of Medicine, 2011; BfR, 2024]. MERKE: Nicht nur ein Mangel, sondern auch eine Überversorgung ist klinisch relevant. Eine unkontrollierte hochdosierte Supplementierung kann zu Hypervitaminose D und in der Folge zu Hyperkalzämie und weiteren Komplikationen führen; zudem mehren sich Hinweise, dass sehr hohe Spiegel auch im periimplantären Kontext ungünstig sein könnten [BfR, 2024; Cheng et al., 2024]. Blutentnahme zur Vitamin-D-Bestimmung in externem Labor Foto: MKG Burgstraße GbR, Wiesbaden Foto: FotoHelin-stock.adobe.com
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