Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

42 | ZAHNMEDIZIN STUDIEN ZU NICHT-PHARMAKOLOGISCHE STRATEGIEN So kommen die vier Jahreszeiten in die Zahnarztpraxis Haben Sie Ihren ängstlichen Patienten schon einmal die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten” vorgespielt? Sollten Sie! Denn mittlerweile ist Konsens, dass auch nicht-pharmakologische Strategien unterstützend wirken. Diese vier Studien bestätigen die Kraft von Musik- und Aromatherapie, Achtsamkeitsmeditation und Energieheilung gegen Angst und Schmerzen vor zahnärztlichen Eingriffen. zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1188) REIKI HILFT BEI POSTOPERATIVEN SCHMERZEN Reiki ist eine japanische Methode der Energiearbeit, bei der durch das Auflegen der Hände „universelle Lebensenergie“ übertragen wird. Ziel sind Entspannung und Stressabbau. Aber wirkt die Technik auch bei Angst vor einer Weisheitszahn-OP? Und kann Reiki helfen, die Schmerzen nach einer Weisheitszahnextraktion zu lindern? Das fragten sich Forschende in der Türkei und führten dazu eine einfach verblindete, randomisierte, kontrollierte Studie mit 180 Erwachsenen durch, die sich einer Weisheitszahn-OP an der Fakultät für Zahnmedizin der Ege-Universität in Izmir unterzogen. Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 45 Jahre alt, bei guter allgemeiner Gesundheit, mit Unterkieferverschluss der Klasse II-B (Pell und Gregory-Klassifikation) und ohne vorherige dritte Molarenextraktion oder Reiki-Therapie. Ausschlusskriterien umfassten systemische Erkrankungen, Schwangerschaft, akute Infektionen, pathologische Läsionen, die Einnahme von angstlösenden/antidepressiven Medikamenten und die Unfähigkeit zur Einwilligung. Frauen und Männer waren in den Gruppen gleichmäßig vertreten. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Probandinnen und Probanden einer von drei präoperativen Gruppen zugeordnet: ReikiTherapie, Schein-Reiki (eine Placebo-Kontrolle, die die Behandlung nachahmt) oder keine Intervention. Die Wissenschaftler maßen die Angst mithilfe validierter Fragebögen und zeichneten die postoperativen Schmerzen sieben Tage lang täglich mithilfe einer visuellen Analogskala auf. Zudem verfolgten sie auch den Analgetikakonsum während der ersten postoperativen Woche. Hinsichtlich der präoperativen Angst wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede im Angstniveau zwischen Patienten beobachtet, die Reiki, Schein-Reiki oder keine Intervention erhielten (mittlerer State-Trait Anxiety Inventory I: 36,6 ± 10,0; P = 0,079) im Vergleich zu Schein-Reiki (40,1 ± 10,1) und ohne Intervention (40,8 ± 10,8)). Die durchschnittlichen postoperativen Schmerzwerte waren in der Reiki-Gruppe allerdings signifikant niedriger (Mittelwert 2,7 ± 1,8) im Vergleich zu Schein-Reiki (3,0 ± 1,7) und ohne Intervention (3,5 ± 1,9) (P = 0,045). Die klinische Relevanz des vergleichsweise geringen Effekts bleibt jedoch unklar. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass zusätzliche gut konzipierte klinische Studien erforderlich sind, um die Rolle von Reiki in der oralen und maxillofazialen chirurgischen Versorgung besser einordnen zu können. Ozden Yuce M. et al., Does Reiki Therapy ReducePreoperative Anxiety and Postoperative Pain in Third Molar Surgery? A Randomized Controlled Trial. J Oral Maxillofac Surg. 2026 Jan;84(1):101-108. doi: 10.1016/j.joms.2025.09.003. Epub 2025 Sep 10. PMID: 41015064.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=