Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

44 | ZAHNMEDIZIN Grundlage für eine rationale Antibiotikatherapie sind die korrekte Diagnosestellung, die kritische Indikation zum Einsatz, die Wahl des geeigneten Antibiotikums sowie die Verlaufskontrolle mit Festlegung der Behandlungsdauer. Eine kritische Indikationsstellung dient nicht nur dem Patienten, sondern verringert auch die Kosten und reduziert die Entstehung resistenter Erreger. Um die Ursachen für Defizite im Bereich der zahnärztlichen Antibiotikatherapie verstehen zu können, und um Grundlagen für gezielte Interventionsmaßnahmen zu gewinnen, werden möglichst präzise Daten zum Antibiotikaverbrauch und zur Resistenzlage benötigt. Die folgende Übersicht präsentiert dazu aktuelle Daten. Der Anteil von zahnärztlichen Arzneimittelverordnungen am gesamten Arzneimittelmarkt für gesetzlich Versicherte beträgt nur etwa ein Prozent. Allerdings entfallen 35,5 Millionen Tagesdosen (DDD = standardisierte, durchschnittliche Erhaltungsdosis eines Wirkstoffs, die typischerweise auf die Hauptindikation bei Erwachsenen pro Tag angewendet wird), das heißt etwa 10,8 Prozent aller Antibiotikaverordnungen auf den zahnmedizinischen Sektor [Enners et al., 2025]. Anteil zahnärztlicher Arzneimittelverordnungen Ab dem Jahr 2012 liegen verlässliche Daten zu allen zahnärztlichen Arzneiverordnungen für GKV-Patienten vor. Sie werden mit den ärztlichen Verordnungszahlen regelmäßig einmal pro Jahr im Arzneiverordnungs-Report publiziert. Der letzte Report mit den Daten von 2024 wurde im Februar 2026 veröffentlicht [Ludwig et al., 2026]. Es wurden alle Antibiotikapräparate eingeschlossen, die 2024 mindestens 10.000-mal verordnet worden waren [Daubländer und Höcherl, 2026]. Betrachtet man den gesamten Zeitraum seit 2012 hat sich die Zahl der GKV-Mitglieder um sieben Prozent erhöht [Bundesministerium für Gesundheit, 2012; Statista, 2026], während sich die Gesamtzahl der Antibiotikaverordnungen gegenüber dem Jahr 2012 (372,5 Millionen DDD) um knapp elf Prozent in 2024 verringerte (332,2 Millionen DDD) [Albrecht et al., 2024; Kern, 2026]. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass dieser Rückgang ausschließlich auf die rückläufigen Verordnungen im ärztlichen Bereich (−12 Prozent) zurückzuführen ist. Im Gegensatz zu den Ärzten stiegen die zahnärztlichen Antibiotikaverordnungen (DDD) in diesem Zeitraum um 1,5 Prozent (Tabelle 1). Lediglich während der Corona-Pandemie gab es einen deutlichen Rückgang aller Antibiotikaverordnungen, allerdings im zahnärztlichen Bereich wesentlich geringer ausgeprägt als im ärztlichen Sektor, so dass der zahnärztliche Anteil an allen Verordnungen 2021 sogar auf 13,6 Prozent anstieg (Tabelle 1) [Albrecht et al., 2024]. Diese Entwicklung wurde auch in der kürzlich publizierten Studie von Cirkel bestätigt, in der die Anzahl der Patienten mit Antibiotikaverordnungen in Deutschland von 2015 bis 2024 analysiert wurden. Dabei lag der Anteil der Patienten, denen von Zahnärzten Antibiotika verschrieben worden waren, 2021 sogar bei 18,1 Prozent, 2024 waren es 13,9 Prozent [Cirkel et al., 2025]. Neben diesen allgemeinen Betrachtungen lohnt es sich, auch einen Blick auf die Struktur zahnärztlicher Antibiotikaverordnungen zu werfen (Tabelle 2). Hier haben sich seit 2012 fast schon „dramatische“ Veränderungen ergeben. Die Anzahl der Verordnungen von Penicillin V (−90,5 Prozent) zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1190) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. ANTIBIOTIKATHERAPIE IN DEUTSCHLAND UND ÖSTERREICH Mehr Amoxicillin, weniger Clindamycin – Verordnungen und Resistenzentwicklungen Frank Halling, Tim Eckmanns Odontogene Infektionen können aufgrund ihres Potenzials für lebensbedrohliche Komplikationen eine erhebliche klinische Herausforderung darstellen. Aufgrund regionaler Unterschiede in den mikrobiellen Profilen und Antibiotikaresistenzmustern sind geografisch angepasste antimikrobielle Strategien erforderlich. Diese Analyse erfasst die zahnärztlichen Antibiotikaverordnungen im deutschsprachigen Raum und beschreibt die Resistenzentwicklungen.

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