Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

ZAHNMEDIZIN | 45 und Tetrazyklinen (−85,7 Prozent) hat sich auf einem sehr niedrigen Niveau von 1,1 Prozent beziehungsweise 0,5 Prozent (2024) aller Verordnungen eingependelt [Albrecht et al., 2024; Daubländer und Höcherl, 2026]. Amoxicillin ist mittlerweile das Antibiotikum, das in Deutschland mit einem Anteil von 55,4 Prozent am häufigsten von Zahnärzten verordnet wird. 2012 lag der Anteil „nur“ bei etwas mehr als einem Drittel [Albrecht et al., 2024]). Im Übrigen ist dieser Wirkstoff auch bei Ärzten führend, allerdings nur mit einem Anteil von 21,1 Prozent aller verordneten Tagesdosen [Kern, 2026]. In diesem Zusammenhang soll darauf verwiesen werden, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die AWaRe-Klassifikation zur Einteilung von Antibiotika in drei Kategorien entwickelt hat: Access, Watch und Reserve [WHO, 2023]. Antibiotika aus der „Access“-Gruppe sollen breit verfügbar sein und bevorzugt eingesetzt werden, da sie sich durch ein schmales Wirkspektrum und ein geringes Risiko der Resistenzbildung auszeichnen. Sie gelten als erste Wahl bei unkomplizierten Infektionen. Penicillin V, Amoxicillin und Amoxicillin-Clavulansäure, Clindamycin, Metronidazol und die Tetrazykline gehören zu dieser Gruppe. In die Kategorie „Watch“ fallen spezifische Wirkstoffe für häufige Infektionen, die jedoch ein erhöhtes Resistenzrisiko bergen. Im zahnmedizinischen Bereich finden sich in dieser Gruppe insbesondere die Makrolide und Moxifloxacin. Sie sollten nur verwendet werden, wenn Mittel der „Access-Klasse“ nicht wirken oder nicht infrage kommen. In der EU-Regulation 2023/C 220/01 und in der DART 2030 wird empfohlen, dass der Anteil der „AccessAntibiotika“ mindestens 65 Prozent am gesamten Antibiotikaverbrauch betragen soll [Bundesministerium für Gesundheit, 2023; European Union, 2023; RKI, 2025]. Während dieser Wert für Deutschland insgesamt im Jahr 2024 erst bei 62,8 Prozent lag [RKI, 2025], sind es im zahnmedizinischen Bereich bereits mehr als 75 Prozent (Tabelle 2). Sehr auffällig ist die Entwicklung bei den Amoxicillin-Kombinationen mit einem Betalaktamasehemmer, wobei es sich fast ausschließlich um Clavulansäure handelt. Hier sind die Verordnungen um den Faktor 9 angestiegen und liegen jetzt mit 20,1 Prozent bei einem Fünftel aller zahnärztlichen Antibiotikaverordnungen. Somit wird diese Antibiotikagruppe, die 2012 noch auf dem fünften Rang lag, mittlerweile am zweithäufigsten verordnet. Auch bei den Ärzten hat sich der Anteil dieser Präparategruppe seit 2019 mehr als verdoppelt [Kern, 2026]. In einer aktuellen indischen Studie bei über 4.400 Patienten zeigte AmoxiClavulansäure bei der Behandlung zahnärztlicher Infektionen eine robuste klinische Wirksamkeit sowie ein günstiges Sicherheitsprofil [Kumar et al., 2025]. Allerdings sollte auch die erhöhte Inzidenz von Leberschädigungen durch dieses Kombinationszm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1191) ENTWICKLUNG DER ANTIBIOTIKAVERORDNUNGEN Anzahl GKVVersicherte in Deutschland (inMio.) Antibiotikaverordnungen Ärzte + Zahnärzte (DDD in Mio.) Ärztliche Verordnungen (DDD in Mio.) Zahnärztliche Verordnungen (DDD in Mio.) Anteil zahnärztlicher Verordnungen an allen Verordnungen (in%) 2012 69,7 372,5 338,4 34,1 9,1 2021 73,3 217,6 188,1 29,5 13,6 2024 74,5 332,2 297,7 34,5 10,4 Veränderungen 2012–2024 (in %) +7,0 −10,8 −12,0 +1,5 +1,3 Quelle: mod. nach Albrecht et al., 2024; Daubländer und Höcherl, 2026; Kern, 2026 Tab.1: Entwicklung der ärztlichen und zahnärztlichen Antibiotikaverordnungen im GKV-Bereich in Deutschland (2012 – 2024). Tab.2: Anteile der fünf meistverordneten zahnärztlichen Antibiotika-Gruppen an allen zahnärztlichen Antibiotikaverordnungen (in DDD, 2012 – 2024) ANTEILE DER ZAHNÄRZTLICHEN ANTIBIOTIKA-GRUPPEN Antibiotikum 2012 (Anteil in %) 2021 (Anteil in %) 2024 (Anteil in %) Differenz relativ (in%) Penicillin V 11,6 5,4 1,1 −90,5 Amoxicillin 35,6 49,4 55,4 55,6 Amoxicillinkombinationen 2,1 12,2 20,1 857,1 Clindamycin 37,8 23,4 17,5 −53,7 Tetrazykline 3,5 1,5 0,5 −85,7 Quelle: Albrecht et al., 2024; Daubländer und Höcherl, 2026 Fotos: New Africa – stock.adobe.com

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