zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1212) 66 | GESELLSCHAFT heit oder parodontale Bakterien. Ich habe den Eindruck, dass Allgemeinmedizin und Zahnmedizin immer stärker interdisziplinär zusammenarbeiten. Das befürworte ich sehr. Gibt es konkrete orale Probleme, die sich aus Ihrer Sicht besonders auf die Leistungsfähigkeit auswirken können? Bei Profisportlern ist die Kaufunktion meist nicht das Problem. Relevant sind eher endodontisch behandelte oder avitale Zähne mit apikalen Aufhellungen, teilretinierte oder retinierte Weisheitszähne und parodontale Erkrankungen. Das sind Bereiche, die Entzündungswerte erhöhen und damit potenziell Leistung minimieren können. Wie ausgeprägt ist das Bewusstsein der Spieler dafür, dass orale Erkrankungen oder Verletzungen Training und Wettkampf beeinträchtigen können? Bei den Spielern würde ich sagen: teils, teils – aber mit klarer Tendenz zu ja. Viele haben in der vergangenen Saison eine oder zwei Zahnreinigungen machen lassen, weil ihnen eine gute Mundgesundheit wichtig ist. Die Mundhygiene ist bei den meisten gut, mit einzelnen Ausnahmen – wie bei anderen Patientinnen und Patienten auch. Sehr präsent ist das Bewusstsein vor allem in akuten Situationen. Die häufigsten Fragen nach einem Trauma sind: „Kann ich sofort weiterspielen?“ beziehungsweise „Wann kann ich wieder trainieren?“. Gibt es Situationen, in denen zahnmedizinische Probleme kurzfristig über Einsatzfähigkeit oder Nicht-Einsatzfähigkeit entscheiden? Ja. Ein Trauma ist die eine Sache. Bei allgemeinen zahnmedizinischen Problemen versuchen wir, größere Behandlungen möglichst in die Sommerpause zu legen: Weisheitszahnentfernungen, endodontische Behandlungen oder andere Eingriffe, die Schwellungen oder Schmerzen verursachen könnten. Ziel ist, das Risiko für akute Beschwerden während der Saison möglichst gering zuhalten. Wie unterscheidet sich die zahnmedizinische Betreuung von Profisportlern darüber hinaus von der normaler Patienten? Vor allem im Zeitmanagement: Während der Saison stehen eher kleinere Füllungen, Zahnreinigungen und natürlich die Traumatologie im Vordergrund. Bei Traumata ist die besondere Herausforderung der Spagat: Der Spieler will meist sofort wieder aufs Eis, das Spiel bei möglichst maximaler Leistungsfähigkeit zu Ende bringen und sich erst danach um die Verletzung kümmern. Gleichzeitig soll die definitive Versorgung anschließend funktionell und ästhetisch gut sein. Es geht also zunächst um schnelle Spielbereitschaft und danach um eine saubere, nachhaltige Versorgung. Welche Rolle spielt es, dass der Verein einen Teamzahnarzt hat? Eine große. Wenn jemand vor Ort ist, der sich um zahnbezogene Themen kümmert, schärft das automatisch das Bewusstsein. Sobald die ersten Spieler einen Mundschutz hatten, kamen weitere und fragten, ob sie auch einen bekommen können. Präsenz und Betreuung fördern also die Traumaprophylaxe. Ich würde mir wünschen, dass jeder Profiverein einen Mannschaftszahnarzt hat. Gerade wenn junge Spieler ihren Mundschutz selbst bezahlen müssten, kann das eine Hürde sein. Wenn ein Verein solche Strukturen schafft, in denen die Kosten dafür übernommen werden, nimmt das der Sache viel Druck. Was können Amateur- und Nachwuchssportler von der Betreuung im Profisport lernen? Dass Schutzmaßnahmen selbstverständlich werden sollten. Ich würde mir wünschen, dass Traumaprophylaxe im Eishockey insgesamt stärker in den Vordergrund rückt – im Profisport, aber auch im Amateur- und Nachwuchsbereich. Dazu gehören Mundschutz, gegebenenfalls Vollgitter und eine gute ärztliche und zahnärztliche Betreuung. Außerdem sollte klar sein: Mundgesundheit ist ein Teil der Leistungsfähigkeit. Das Gespräch führte Dr. Nikola Lippe. Dr. Alexander Dorschner (rechts) spielt selbst Eishockey in der zweiten Mannschaft der Saale Bulls. Foto: privat
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=