18 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Totaler alloplastischer Kiefergelenkersatz bei Heranwachsenden Daniel G. E. Thiem, Peer W. Kämmerer In der Behandlung schwerer Kiefergelenksarthrosen bei Heranwachsenden galt alloplastischer Kiefergelenkersatz wegen des fehlenden Wachstumspotenzials lange als relative Kontraindikation. Mit der Verfügbarkeit verbesserter Prothesensysteme wird diese Frage in Fachkreisen jedoch neu diskutiert. Der Fall zeigt die komplexen Abwägungen zwischen den Therapiealternativen. Im März 2021 stellte sich eine 15-jährige Patientin mit ihren Eltern in der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Mainz nach hausärztlicher Überweisung mit der Bitte um Abklärung einer seit mehreren Jahren zunehmend eingeschränkten Mundöffnung sowie einer progredienten Retrognathie des Unterkiefers vor. Bei der Anamneseerhebung verneinten die Eltern ein frühkindliches Trauma mit Schädelbeteiligung oder andere medizinische Auffälligkeiten. Eine vorbestehende kieferorthopädische oder kieferchirurgische Therapie lag nicht vor. Bei der klinischen Untersuchung imponierte eine hochgradig eingeschränkte Mundöffnung mit einer maximalen Schneidekantendistanz (SKD-max.) zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1260) Abb. 1: Klinische Situation bei Erstvorstellung mit Darstellung der fazialen Asymmetrie und des inkompetenten Lippenschlusses in der Frontalansicht (A) sowie der ausgeprägten Unterkieferrücklage mit verkürzter Gesichtshöhe in der rechts-lateralen Porträtaufnahme (C) und intraorale Frontalansicht mit Darstellung des frontoffenen Bisses und der Zahnfehlstellungen im Ober- und Unterkiefer (B) sowie der Angle-Klasse II mit vertikal insuffizienter Okklusion in der Seitenansicht (D) Foto: Universitätsmedizin Mainz A C D B
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