Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

24 | ZAHNMEDIZIN sowie respiratorischen Problemen bis hin zum OSAS [AWMF, 2016; Pesis et al., 2024]. Insbesondere bei pädiatrischen Patienten kann die Ankylose zu einer ausgeprägten maxillomandibulären Diskrepanz mit schwerer OSASSymptomatik führen [Adhikari et al., 2024]. Diagnostisches Verfahren der Wahl zur präoperativen Beurteilung und CAD/CAM-basierten Planung eines alloplastischen Gelenkersatzes ist das hochauflösende Dünnschicht-CT beziehungsweise das DVT [AWMF, 2020; Yadav et al., 2021]. Als Therapieziele ergeben sich in Übereinstimmung mit der S3-Leitlinie „Ankylose und Unterkieferhypomobilität" die dauerhafte Ankylosebeseitigung, die Verbesserung der Unterkiefermobilität und -funktion, die Verbesserung der Kaufunktion, die Linderung der bestehenden Schmerzen, die Ermöglichung der Mund- und Zahnhygiene, die Beseitigung von Obstruktionen der oberen Atemwege sowie die Verbesserung von Okklusion, Kommunikationsfähigkeit und Ästhetik. Das zur Verfügung stehende Therapiespektrum umfasst konservative und chirurgische Verfahren, wobei die Beseitigung fibröser oder ossärer Ankylosen nahezu ausschließlich chirurgisch erfolgt [AWMF, 2016; Upadya et al., 2021]. Die Leitlinie empfiehlt ein frühzeitiges operatives Vorgehen bei progredienten Ankylosen, da die Komplikations- und Reankyloseraten in fortgeschrittenen Stadien deutlich zunehmen. Zu den etablierten operativen Verfahren zählen das Aufdehnen in Vollnarkose, die Gap- und Interpositionsarthroplastik, der partiellautologe oder -alloplastische sowie der totale alloplastische Kiefergelenkersatz [Upadya et al., 2021]. Die computergestützte (CAD/CAM-) Planung und Fertigung patientenspezifischer Implantate (PSI) hat sich für komplexe anatomische Verhältnisse – wie ausgedehnte Fehlstellungen, Mehrfachvoroperationen und Wachstumsstörungen – als Standard etabliert; die Erstbeschreibung alloplastischer TMJ-Rekonstruktionen geht auf Hinds et al. [Hinds et al., 1974] zurück. Im direkten Vergleich zwischen patientenspezifischen und konfektionierten Komponenten („stock prostheses") zeigt sich insbesondere bei ausgeprägten anatomischen Deformitäten eine nur eingeschränkte Passung konfektionierter Systeme, so dass für komplexe Rekonstruktionen überwiegend PSI empfohlen werden [Alagarsamy et al., 2021; Rikhotso und Sekhoto, 2021]. Ein besonderes klinisches Dilemma stellt die Indikationsstellung bei zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1266) Abb. 6: Klinischer Befund zwölf Monate nach dem zweiten totalen alloplastischen CAD/CAM-Kiefergelenkersatz beidseits mit Wechsel auf all-titanium-Komponenten mit symmetrischem Gesichtsprofil und kompetentem Lippenschluss in der Frontalansicht (A) sowie ausgeglichenem Weichteilprofil in der rechtslateralen Porträtaufnahme (C), intraorale Frontal- (B) und Seitenansicht (D) mit Darstellung der regelrechten Okklusion unter laufender kieferorthopädischer Nachbehandlung A C D B Fotos: Universitätsmedizin Mainz

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