zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1276) 34 | TITEL antagonistischer Zahn entfernt werden sollte. Außerdem besteht für den kieferorthopädischen Lückenschluss die Voraussetzung, dass Weisheitszähne angelegt sind, um die Elongation der Siebener im Gegenkiefer zu vermeiden. Implantation Zahnimplantate stellen eine sehr gute Behandlungsmöglichkeit dar – sobald das vertikale Wachstum des Alveolarfortsatzes abgeschlossen ist, also frühestens im Alter von 18 bis 20 Jahren [Shah et al., 2013]. Zu den klinischen Voraussetzungen für eine stabile, erfolgreiche Versorgung zählen ein adäquates Schleimhaut- und Knochenangebot, der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten sowie dessen ästhetische Erwartungen [Petersen et al., 2025]. Ein Implantat ist – genau wie der prothetische Ersatz und der kieferorthopädische Lückenschluss – teuer, therapieaufwendig und bedarf einer lebenslangen Betreuung sowie (wahrscheinlich) einer Folgeversorgung. Autotransplantation Die Autotransplantation bezeichnet die Transplantation eines eigenen Zahnes aus seiner ursprünglichen Alveole in eine andere oder neu geschaffene Alveole. Sie kann eine kosteneffektive und biokompatible Alternative zu konventionellen Versorgungsformen sein, wird jedoch häufig nicht als erste Therapieoption erwogen. Dazu haben in der Vergangenheit schwankende Überlebensraten, eine entsprechend zurückhaltende Akzeptanz sowohl bei den Behandelnden als auch bei den Patientinnen und Patienten sowie fehlende standardisierte klinische Protokolle beigetragen. Der erste Versuch einer Autotransplantation wird dem französischen Chirurgen Ambroise Paré (1509–1590) im 16. Jahrhundert zugeschrieben [Zakershahrak et al., 2017]. Die online verfügbare Publikationen reichen bis in die 1950er-Jahre zurück [Apfel, 1950; Clark, Tam and Mitchell, 1955; Tam, 1956], verzeichnen einen Anstieg in den frühen 2000er-Jahren und erreichen 2024 einen Spitzenwert. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Fortschritte im biologischen Verständnis, in der Röntgenbildgebung und bei der chirurgischen Planung die Autotransplantation weiterentwickelt. Die Überlebens- und Erfolgsraten sind vielversprechend. Für Autotransplantationen von Zähnen mit offenem Apex wurden Überlebensraten von > 95 Prozent nach fünf und zehn Jahren beschrieben [Tan et al., 2023]. Andere systematische Übersichtsarbeiten kamen nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von vier Jahren zu einem Ergebnis von 95,9 Prozent, für transplantierte Zähne sowohl mit offenem als auch mit geschlossenem Apex. Transplantierte dritte Molaren zeigten sogar eine höhere Erfolgsrate (90,6 ± 3,5 Prozent > 87,5 ± 3,2 Prozent, p = 0,534) sowie höhere Überlebensraten als Prämolaren (99,7 ± 0,8 Prozent > 95,5 ± 1,2 Prozent, p = 0,008) [Machado et al., 2016; Lucas-Taulé et al., 2022]. Langfristig zeigen transplantierte Zähne nach 16 bis 38 Jahren eine Überlebensrate von 76 Prozent [Akhlef et al., 2025]. Im besten Fall wurde bei 70 Prozent der transplantierten Prämolaren mit offenem Apex eine Revaskularisation der Pulpa beobachtet [Albalooshy et al., 2023]. Eine systematische Übersichtsarbeit konnte zeigen, dass Zähne mit offenen Apices zwar bessere Erfolgsraten (> 90 Prozent) aufweisen, während Zähne mit einem abgeschlossenen Wurzelwachstum in der Regel eine endodontische Behandlung im Zuge der Autotransplantation benötigen und damit eine geringfügig schlechtere Prognose haben [Machado et al., 2016; LucasTaulé et al., 2022; Akhlef et al., 2025]. Wichtig ist jedoch, dass diese Abb. 3: OPG der 17-jährigen Patientin mit den malformierten Zähnen 35 und 45, die eine atypische Wurzelform und -breite aufweisen: Nach der Wurzellängsfraktur von Zahn 35 war dessen Prognose infaust. Alle Weisheitszähne waren angelegt. So wurde der Zahn 28 als passender Spenderzahn identifiziert. Abb. 4: Die digitale Volumentomografie, die bei der Patientin im Alter von 15 Jahren vor der kieferorthopädischen Behandlung angefertigt wurde, zeigt eine passende Kronenbreite des Zahnes 28 und ein noch nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum. Foto: Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsmedizin Greifswald 3 4
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