Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

36 | TITEL zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1278) Abb. 5: Chirurgisches Vorgehen: a: vorsichtige und atraumatische Extraktion des nicht erhaltungswürdigen Zahnes 35, b: extrahierter Zahn 35, c: Alveole und Gingiva der Empfängerseite wurden intakt gehalten. d: zügige und behutsame Entnahme des zu transplantierenden Zahnes 28 und Lagerung im physiologischen Medium, hier ist das noch nicht abgeschlossene Wurzelwachstum (etwa zwei Drittel) sichtbar, e: Transplantationsalveole wird mit rotierendem Instrument nur in kaudaler Richtung minimal aufbereitet, f bis h: zügige und schonende Transplantation des Zahnes in die Alveole, Einstellung in Infraokklusion und Schienung Foto: Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/ Plastische Operationen, Universitätsmedizin Greifswald systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen trotz der positiven Berichte zur Autotransplantation größtenteils auf Fallberichten sowie auf prospektiven und retrospektiven Querschnittskohorten basieren. Der deutliche Mangel an randomisierten klinischen Studien lässt sich möglicherweise aus den begrenzten Fallzahlen ableiten. Klinisches Vorgehen In der Fachliteratur werden zwei Hauptmethoden der Autotransplantation beschrieben: die verzögerte und die sofortige. Die verzögerte Autotransplantation wird bevorzugt, wenn in der Empfängerregion eine Entzündung beziehungsweise eine apikale Ostitis vorliegt und zunächst eine Ausheilung abgewartet werden soll. Dazu wird die Empfängerregion vorbereitet, gegebenenfalls zunächst durch Entfernung des nicht erhaltungswürdigen Zahnes und anschließend durch Modellierung eines geeigneten Alveolarbetts. Nach drei bis vier Wochen, spätestens jedoch nach zwei Monaten, wird der Spenderzahn transplantiert. Bei der zweiten Methode erfolgt eine sofortige Autotransplantation unmittelbar in einer Sitzung. Bei transplantierten Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum kann die endodontische Behandlung zwei bis vier Wochen nach der Transplantation begonnen werden [Tsukiboshi, Tsukiboshi and Levin, 2023]. Die einzelnen klinischen Schritte der Autotransplantation sind in Abbildung 7 dargestellt. Der vorliegende klinische Fall zeigt, dass eine Autotransplantation sehr unkompliziert sein kann. Es war keine weitere Behandlung erforderlich, was nicht immer so ist. Entscheidend ist, beim Zahnverlust bei jungen Patienten neben den klassischen Therapieoptionen stets eine Autotransplantation in Betracht zu ziehen, wie es auch die aktuelle Trauma-Leitlinie empfiehlt [DGZMK, 2022]. Oft ist ein Weisheitszahn der ideale Ersatz für Prämolaren oder andere Molaren. Unerwünschte Ereignisse wie Ankylosen, Wurzelresorptionen und Infektionen könFoto: Poliklinik für Kinderzahnheilkunde, Universitätsmedizin Greifswald a e c g d h b f Abb. 6: Die postoperative Kontrolle nach vier Monaten im Alter von 18 Jahren zeigt einen gut integrierten Zahn 28 mit positiver Sensibilität auf Kälte und negativer Perkussion ohne pathologische Mobilität, Ankylose oder Farbveränderung. In diesem Fall sind kein ästhetischer Kronenaufbau oder kieferorthopädische Therapie nötig, denn der transplantierte Zahn 28 passt nahezu perfekt in den Zahnbogen und fällt auf den ersten Blick nicht auf.

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