42 | GESELLSCHAFT Offenbar handelte es sich um einen Geist aus der Region, denn geflucht wurde in Mundart. „Du dei Oarsch weg, I seh ja nichts!“ mussten sich Patientinnen und Patienten anhören, wenn sie auf dem Behandlungsstuhl Platz nahmen. Oder: „Pfui Teufel, du stinkst ja aus dem Maul!“ Unangenehm. Anfangs habe sich das Gespenst nur telefonisch gemeldet und dabei den Namen Chopper verwendet, würde der 62-jährige Praxisbetreiber Bachseitz später sagen. „Anfangs“ – das war im Mai 1981. Die Anrufe dienten alle demselben Zweck: Chopper schwor Bachseitz’ Zahnarzthelferin, der 16-jährigen Claudia Judenmann, fernmündlich seine Liebe und überschüttete sie mit Komplimenten. Einige Zeit später machte sich Chopper aber auch darüber hinaus bemerkbar: Seine Stimme war mehrfach am Tag aus den Rohren, Lüftungsschächten, Steckdosen oder Spülbecken der Praxis zu hören. Nicht einmal auf der Praxis-Toilette war man vor dem Spuk sicher. So soll eine Patientin im Zuge der Spukerei schreiend aus der Toilette gestürmt sein. Chopper hatte sie via Abflussrohr gewarnt, ihm bloß nicht auf den Kopf zu sch... Generell wurden die Wortmeldungen der Geistererscheinung immer krasser. Als er im Herbst 1981 Vergewaltigungs- und Morddrohungen äußerte, erstattete Bachseitz schließlich Anzeige gegen Unbekannt. Alle Spuren verlaufen im Sand Die Beamten überprüften zunächst, ob Bachseitz und seine Helferin selbst hinter dem Spuk stecken. Unwahrscheinlich, lautete ihre erste Einschätzung. Warum sollte der Zahnarzt sich selbst schaden? Und eine so junge und zierliche Frau könne ihre Stimmer unmöglich derart verstellen. Außerdem hatte Chopper inzwischen damit begonnen, auch die Zahnarzthelferin zu beleidigen und zu bedrohen – so heftig, dass Judenmann Polizeischutz erhalten habensoll. Diese Spur verfolgten die Ermittler nicht weiter und machten sich stattdessen auf die Suche nach Personen, die einen Groll gegen Bachseitz oder seine Ehefrau hegen. Über 50 Wohnungen wurden im Zuge dieser Nachforschungen in Neutraubling durchsucht – ohne Erfolg. Dem Spuk war kein Ende zu machen. Derweil spitzte sich die Situation immer mehr zu. Bis zu über 100-mal am Tag meldete sich Chopper zu Wort. Versetzten die Bundesrepublik Anfang der 1980er-Jahre mit einer spektakulären Geistergeschichte für einige Monate in den Gruselmodus: Zahnarzt Kurt Bachseitz und seine Helferin Claudia Judenmann. zm-HISTORY „Du stinkst ja aus dem Maul!“ Vor 45 Jahren nahm ein Phänomen seinen Lauf, das die Gemeinde Neutraubling bei Regensburg, kurz darauf ganz Deutschland und schließlich den Rest der Welt in Atem hielt: In der Zahnarztpraxis von Dr. Kurt Bachseitz spukte es. Über die legendäre Jagd nach Poltergeist Chopper. Fotos: Yanukit Raiva / gettyimages, picture-alliance / dpa | DB Die Aktuelle
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