Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

58 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1300) präsentierte STRADA-Studie für die Kombination aus Doxorubicin und Dacarbazin keine objektiven Remissionen, sondern lediglich eine Krankheitsstabilisierung [Stacchiotti et al., 2023]. Demgegenüber weisen prospektive Untersuchungen auf eine relevante Aktivität antiangiogener Therapieansätze, beispielsweise mit Tyrosinkinase-Inhibitoren, hin [Martin-Broto et al., 2020]. Im vorliegenden Fall konnte jedoch auch eine spätere systemische Therapie mit Dacarbazin und Pazopanib die Metastasierung nicht suffizient eindämmen, was im Kontext begrenzter Therapieoptionen und einer begrenzten Evidenzlage interpretiert werden sollte. Auch prognostisch ist bei SFT Zurückhaltung geboten. Der Verlauf zeigt nicht nur eine lokale Progression/Rezidivierung, sondern auch die Möglichkeit der systemischen Metastasierung. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer interdisziplinären, verlaufsorientierten Therapieplanung bei malignem SFT, sowie einer langfristigen klinischen und bildgebenden Nachsorge, insbesondere bei atypischen Verläufen [Kazazian et al., 2022]. Relevanz für die zahnärztliche Praxis Für die zahnärztliche Praxis ist besonders bedeutsam, dass sensible Störungen im Bereich der Kopf-Hals-Region, unklare intraossäre Läsionen oder persistierende Beschwerden der Kiefer bei entsprechender Vorgeschichte frühzeitig weiter abgeklärt werden sollten. Der beschriebene Fall zeigt darüber hinaus, dass auch bei initial günstiger Risikokonstellation nicht nur eine spätere intraossäre Manifestation, sondern auch ein Lokalrezidiv mit aggressiverem Infiltrationsverhalten und schließlich eine systemische Metastasierung möglich sind. Darüber hinaus unterstreicht der Fall die Bedeutung einer langfristigen strukturierten Nachsorge. Gerade seltene Tumorentitäten im Kopf-HalsBereich können sich im Verlauf durch diskrete, zunächst unspezifische Symptome bemerkbar machen [Smith et al., 2015]. Die Schwelle zur weiterführenden Bildgebung und zur interdisziplinären Abklärung sollte daher niedrig sein. Zusammenfassung Solitäre fibröse Tumoren des Mundbodens sind seltene Neoplasien mit potenziell schwer vorhersagbarem biologischem Verhalten. Der vorliegende Fall zeigt, dass auch ein initial vollständig resezierter und histologisch als Low-Risk eingestufter Tumor im weiteren Verlauf maligne entarten und sowohl lokal als auch systemisch metastasieren kann. Die Entwicklung von der intraossären Unterkiefermanifestation über das ausgedehnte Lokalrezidiv bis hin zu Metastasen in der Lunge, der Leber und im Skelett unterstreicht die prognostische Unsicherheit dieser seltenen Entität. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer konsequenten langfristigen Nachsorge und einer interdisziplinären Therapieplanung. „ FAZIT FÜR DIE PRAXIS „ Seltene Differenzialdiagnose mitdenken! Solitäre fibröse Tumoren sollten bei länger bestehenden Raumforderungen des Mundbodens differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden. „ Neurologische Symptome ernst nehmen! Dysästhesien der Kopf-Hals-Region oder unklare intraossäre Läsionen der Kiefer bedürfen einer frühzeitigen weiterführenden Abklärung. „ Auch Low-Risk-Verläufe bleiben relevant! Initial günstig eingestufte Befunde können im Verlauf malignisieren und lokal wie systemisch metastasieren. „ Langfristige Nachsorge einplanen! Bei atypischem Verlauf oder erneuter Manifestation ist eine strukturierte klinische und bildgebende Kontrolle essenziell. Dr. med. Doha Revend Klinik V Hals-, Nasenund Ohrenheilkunde, Bundeswehrkrankenhaus Berlin Foto: privat Dr. med. Florian Dudde Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek Lesserstr. 180, 22049 Hamburg Foto: privat Lawik Revend Klinik XIV Orthopädie, Unfallchirurgie und Septisch-Plastische Chirurgie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin Foto: privat Dr. med. Dr. med. dent. Manfred Giese Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek Lesserstr. 180, 22049 Hamburg Foto: Bundeswehrkrankenhaus Hamburg

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