Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1304) 62 | GESELLSCHAFT TERMINANGEBOTE FÜR GKV- UND PKV-VERSICHERTE IM VERGLEICH GKV-Versicherte haben schlechteren Zugang zu online buchbaren Facharztterminen Eine neue Studie des Fachzentrums Finanzen zeigt deutliche Unterschiede beim Zugang zu Facharztterminen in Deutschland. Auf Basis von rund 26.000 ausgewerteten Facharztpraxen wird sichtbar, dass Unterschiede in der medizinischen Versorgung nicht erst bei den Wartezeiten entstehen, sondern bereits beim Zugang zu verfügbaren Terminen beginnen. Von insgesamt 25.971 ausgewerteten Ärztinnen und Ärzten boten lediglich 11.297 (43,5 Prozent) mindestens einen online buchbaren Termin für gesetzlich Versicherte an. Bei 56,5 Prozent der online sichtbaren Terminangebote war keine Buchung durch GKV-Versicherte möglich. Auch bei den Wartezeiten zeigen sich deutliche Unterschiede: Während privat Versicherte im Durchschnitt 29,7 Tage auf einen online buchbaren Facharzttermin warten, beträgt die durchschnittliche Wartezeit für gesetzlich Versicherte 49,1 Tage. Das entspricht einem Unterschied von 19,4 Tagen. Die Unterschiede variieren dabei erheblich je nach Fachrichtung. Besonders groß sind sie in der Neurologie (+44,7 Tage) und Urologie (+41,5 Tage). Deutlich geringer fallen sie in der Inneren Medizin (+7,2 Tage) und Augenheilkunde (+6,8 Tage) aus. Die Studie „Zugang zu ambulanten Facharztterminen nach Versicherungsstatus“ untersucht nach eigenen Angaben erstmals systematisch den digital sichtbaren Zugang zu ambulanten Facharztterminen in Deutschland. Für die Untersuchung wurden ausschließlich tatsächlich online buchbare Ersttermine ausgewertet. Analyse basiert auf tatsächlich verfügbaren Erstterminen Anders als bei vielen früheren Untersuchungen basiert die Analyse nicht auf Befragungen, Selbstauskünften oder Testanrufen, sondern ausschließlich auf tatsächlich verfügbaren und buchbaren Erstterminen auf einer der größten Terminplattformen in Deutschland. Ergänzende Stichproben im Jahr 2026 bestätigten nach Angaben der Autoren die Stabilität der beobachteten Muster. „Unser Ziel war nicht, politische Forderungen aufzustellen oder einzelne Akteure zu kritisieren“, stellt Dieter Homburg, Versicherungsexperte und Leiter der Analyse klar. „Wir wollten zunächst eine Datengrundlage schaffen. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion darüber leisten, wie der Zugang zur ambulanten Versorgung in Deutschland organisiert ist.“ Die Autoren weisen darauf hin, dass ausschließlich der digital sichtbare Zugang zu ambulanten Facharztterminen untersucht wurde. Telefonische Terminvergaben, Wartelisten, interne Praxisvergaben sowie Akut- und Notfalltermine konnten methodisch nicht berücksichtigt werden. Die Ergebnisse erlauben daher keine Aussagen über die vollständige ambulante Versorgung in Deutschland. LL Studie „Zugang zu ambulanten Facharztterminen nach Versicherungsstatus“, Dieter Homburg / Fachzentrum Finanzen Lippstadt; Auswertung von 25.971 Ärztinnen und Ärzten Der Versicherungsstatus von Patienten hat bereits Einfluss darauf, ob sie online überhaupt einen buchbaren Facharzttermin finden. Nur 43,5 Prozent der untersuchten Facharztpraxen boten online überhaupt Termine für gesetzlich Versicherte an. Foto: Dilok - stock.adobe.com

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