ZAHNMEDIZIN | 65 und deren ökologische Unbedenklichkeit nach Freisetzung in die Umwelt. Nanopartikel weisen ein hohes Oberflächen-Volumen-Verhältnis auf, was zu einer erhöhten Oberflächenreaktivität und einem erhöhten Potenzial zur Freisetzung potenziell toxischer Substanzen führen kann. Verschiedene Autoren haben bereits konzentrationsabhängige toxische Wirkungen von Komposit-Eluaten auf Bakterien und menschlichen Zellen nachgewiesen, allerdings gibt es bisher keine Daten zu Umweltauswirkungen von Kompositmaterialien und deren Abbauprodukten. Ziel der Freiburger Studie war es daher, das ökotoxische und genotoxische Potenzial von Komponenten zu bewerten, die aus Kompositen in der Zahnarztpraxis freigesetzt werden und dann ins Abwasser und letztendlich in die Umwelt gelangen. Konkret wurde die folgende Hypothese experimentell untersucht: Komponenten, die bei der Bearbeitung von Komposit-Materialien freigesetzt werden und in Abwasser gelangen, induzieren keine toxischen Wirkungen in aquatischen Organismen und zeigen keine genotoxischen Wirkungen in einem In-vitro-Epithelzellmodell. Methoden Proben von zwei Kompositmaterialien wurden in einer Plexiglasbox mit einem Standard-Diamantschleifer (Korngröße: 106 μm) zu Staub zermahlen. Daraus wurden wässrige (≤ 5 mg/ml) und organische (≤ 790 mg/ml) Extrakte zur Nachahmung von Abwasserproben hergestellt. Die Ökotoxizität wurde bei lumineszierenden Bakterien (Vibrio fischeri), Algen (Desmodesmus subspicatus), am Wasserfloh (Daphnia magna) und bei Fischembryonen (Danio rerio) untersucht. Die Genotoxizität wurde an humanen Lungenzellen (A459) mit dem Comet-Assay untersucht. Ergebnisse Wässrige und organische Eluate beider Materialien inhibierten die V.-fischeriBiolumineszenz. Auch bei Algen verursachten beide Eluate eine signifikante Wachstumshemmung. In Daphnia verursachten wässrige Eluate eines der beiden Komposite eine 100-prozentige Immobilisierung, während das andere Material keine Wirkung zeigte. Bei Fischembryonen induzierten die wässrigen Eluate des einen Komposits bis zu 100 Prozent Mortalität, während das andere keine Mortalität verursachte, sondern ausschließlich die Pigmentierung beeinträchtigte. Organische Extrakte beider Materialien induzierten die Embryonensterblichkeit bis zu 100 Prozent bei 2 mg/ml. Es wurde keine biologisch relevante Genotoxizität festgestellt. Fazit für die Praxis Die direkte Zelltoxizität von Kompositbestandteilen war schon Gegenstand zahlreicher Untersuchungen – aktuell wieder in einer Publikation von Shuoqiu Bai et al. im Journal of Functional Biomaterials [Shuoqiu Bai et al., 2026]. Die Auswirkungen der aus der Zahnarztpraxis ins Abwasser gelangenden Kompositbestandteile hingegen sind weitestgehend unbekannt. In der vorliegenden Untersuchung zeigten beide Kompositmaterialien konzentrationsabhängige ökotoxische Effekte bei den gewählten Organismen. Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen, dass man bei der Anwendung von Kompositmaterialien in eine ähnliche Diskussion gelangen könnte wie bei Amalgamrestaurationen, wobei sich aufgrund der Komplexität der Erforschung toxischer Wirkungen am Menschen noch keine abschließenden Schlussfolgerungen ziehen lassen. In erster Linie sind hier die Hersteller von Kompositmaterialien herausgefordert, ihre Produktrezepturen auch in ökologischer Hinsicht sorgfältig und zukunftsweisend zu entwickeln. Die Studie: Ecotoxic and genotoxic potential of eluates from dental composite dust – an in vitro study. Cosima Reidelbach et al. Dent Mat in press, 2026. zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1307) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. Entdecken Sie unsere weiteren Marken unter orthos.de Eine Marke von Stärker als jeder Bruxer •Adjustiert, als Michigan-Schiene, mit Front-/ Eckzahnführung und mehr – alles ist möglich •100% med. Nylon, 0% PMMA •Flexibel + extrem robust Video anschauen + gratis Musterschiene bestellen! orthos.de/auraschiene Mehr Gelassenheit im Praxisalltag. Weniger Reparaturaufwand. Hergestellt in Frankfurt/Main KI-generiert
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