Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

64 | ZAHNMEDIZIN AUS DER WISSENSCHAFT Sind Kompositbestandteile ökologisch bedenklich? Elmar Hellwig Wegen toxikologischer und ökologischer Bedenken dürfen Amalgamrestaurationen in der EU nur noch in Ausnahmefällen angefertigt werden. Aufgrund ihrer guten Ästhetik und ihrer funktionellen Eigenschaften kommen bei direkten Restaurationen daher vermehrt Kompositmaterialien zum Einsatz. Allerdings stellt sich auch bei der Anwendung von Kompositen die Frage nach ihrer Biokompatibilität. Eine Arbeitsgruppe der Universitätsmedizin Freiburg hat jetzt eine Untersuchung dazu publiziert. Die Frage, ob ein am Menschen eingesetztes Medizinprodukt ausschließlich erwünschte therapeutische Wirkungen zeitigt und schädliche Wirkungen mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden können, beschäftigt die medizinische und auch die zahnmedizinische Forschung immer wieder. Ein viel zitiertes Beispiel ist Amalgam, für dessen Einsatz am Menschen über die gesamte Verwendungszeit hinweg kaum direkte Gewebeschädigungen nachgewiesen werden konnten. Das schlussendlich EU-weit beschlossene De-facto-Amalgamverbot wurde hauptsächlich mit den möglichen Umweltschädigungen durch das im Amalgam enthaltene Quecksilber begründet. Denn in der Forschung stehen heute verstärkt nicht nur die direkten gesundheitlichen Auswirkungen von zahnärztlichen Materialien auf den Menschen, sondern auch die ökologischen Konsequenzen des Eintrags in die Umwelt im Fokus. Im Unterschied zur Forschung am Menschen sind die dazu notwendigen wissenschaftlichen Studien weitgehend ohne ethische Einschränkungen möglich, was nicht zuletzt Zeitaufwand und Kosten spart. Die hier besprochene Studie untersuchte zum überwiegenden Teil die ökologischen Implikationen von Kompositen. In Bezug auf die menschliche Gesundheit wurden ergänzend mögliche genotoxische Wirkungen in vitro geprüft. Komposite bestehen hauptsächlich aus einer organischen Matrix und anorganischen Füllstoffpartikeln. Um die mechanischen Eigenschaften zu verbessern, werden modernen Kompositen immer kleinere anorganische Füllstoffe bis in den Nanometer-Bereich zugesetzt. Trotz der weit verbreiteten Verwendung in der Medizin und Zahnmedizin bestehen allerdings nach wie vor erhebliche Wissenslücken in Bezug auf die Toxizität von Nanopartikeln zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1306) Abb. 1: Komposit hat sich über die klassische Füllungstherapie hinaus zu einem vielseitig einsetzbaren Material in der Zahnmedizin entwickelt. (Im Bild: Eckenaufbauten mit Komposit) Fotos: Elmar Hellwig Univ.-Prof. (a.D.) Dr. med. dent. Elmar Hellwig Erzherzogstr. 8, 79102 Freiburg Foto: privat

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