74 | zmSTARTER zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1316) der Praxisinhaberin meine Situation offen geschildert – und sie hat mich genommen, war super kulant und hat meine Probezeit auf drei Monate verkürzt, damit ich auf dem Amt eine Festanstellung vorweisen konnte. In der Assistenzzeit sind Sie dann getrennte Wege gegangen. Polina: Direkt. Das wollten wir unbedingt. Wir sind zwar beide in Köln geblieben, aber in unterschiedliche Praxen gegangen und haben unterschiedliche Spezialisierungen gewählt. Erst in diesem Jahr sind wieder beruflich zusammengekommen. Wie haben Sie sich spezialisiert? Evgenia: Meine Schwester auf Kinderzahnheilkunde und ich habe zunächst ein Curriculum für Implantologie gemacht. Ich schätze aber die Vielfalt der Zahnmedizin und die Möglichkeit, Patienten in derselben Praxis von A bis Z zu versorgen. Wir arbeiten jetzt in solch einer Praxis, die wirklich alles abdeckt, inklusive Kieferorthopädie mit Alignern. Wenn Sie beide in derselben Praxis arbeiten, sorgt das manchmal auch für Verwirrung bei den Patienten? Polina: Na klar. Dafür sorgen wir manchmal absichtlich (lacht). Jede von uns hat sich ja einen Patientenstamm aufgebaut und zum Teil auch mitgebracht in die jetzige Praxis. Und da ist es natürlich ein Heidenspaß zu sagen: „Warten Sie kurz, ich möchte Ihnen jemanden vorstellen.“ Und wenn dann meine Schwester reinkommt, werden die Augen auf jeden Fall groß – vor allem bei den Kindern. Evgenia: Besonders krass war es in der Anfangszeit. Als meine Schwester neu in unsere jetzige Praxis kam, war ich schon eine Weile Teil des Teams, aber gerade im Urlaub. Polina: ... da haben mich dann ständig Patienten auf dem Flur gegrüßt und angesprochen. Das war lustig. Kann das Team Sie auseinanderhalten? Polina: Ja, die machen das an Details fest, die einem nach einer Weile mit uns auffallen. Denn so gleich sind wir gar nicht. Als ich in die Praxis gekommen bin, habe ich mir extra Schuhe gekauft, die mich unverwechselbar machen: knallig pink, mit Zähnen und Brackets darauf. Tatsächlich haben sich dann alle zuerst meine Schuhe gemerkt. Am Anfang ging der Blick jedes Mal, wenn jemand einem von uns Zwillingen begegnet ist, erst einmal auf die Schuhe (lacht). Diskutieren Sie Patientenfälle? Evgenia: Ja, auf jeden Fall. Das ist das Beste. Diesen Austausch gibt es im gesamten Team, aber ich muss sagen, ich genieße das besonders mit meiner Schwester. Als Zwillingsschwestern zusammen in derselben Praxis zu arbeiten muss aber nicht nur entspannt und toll sein. Polina: Stimmt. Für mich war es eine besondere Situation, weil ich als Letzte ins Team gekommen bin. Ich habe mir riesigen Druck gemacht. Wahrscheinlich hatte ich Angst, dass ich die schwächere Zwillingsschwester bin. Dass jemand sagt, „die Evgenia macht das anders“ oder „Evgenia macht das besser“. Am Anfang hatte ich wirklich Angst davor. Das ist so ein Zwillingsthema. Ich würde das nicht als Konkurrenz bezeichnen, aber trotzdem vergleicht man sich immer. War natürlich unbegründet. Ich komme super klar. Evgenia: Das ist eine natürliche Konkurrenz unter Geschwistern. Aber die Praxis ist groß genug, dass sich jede in ihrem Bereich entwickeln kann. Polina: Wir bringen einfach sehr unterschiedliche Erfahrungen mit und ergänzen uns. Ich genieße das wirklich, dass wir jetzt zusammenarbeiten. Was wäre da naheliegender, als sich zusammen niederzulassen? Polina: Ui, nein. Noch sehen wir uns nicht in der Selbstständigkeit. Dazu gehört ja doch viel mehr als nur Bohren. Und leider wird im Studium sehr wenig Praxiswissen vermittelt – egal, ob es Chefsein, BWL oder Personalführung betrifft. Evgenia: Da haben wir auf jeden Fall noch riesige Lücken. Aber klar, jetzt können wir schon einmal sehen, wie wir zusammenarbeiten, wie wir auf die Patienten und auf das Team wirken. Polina: Und falls wir uns irgendwann einmal niederlassen, dann auf jeden Fall zusammen. Das Gespräch führte Marius Gießmann. Nach ihrer Einwanderung nach Deutschland meisterten die Zwillingsschwestern Studium, Berufseinstieg und Integration – heute profitieren sie täglich vom fachlichen Austausch miteinander. Foto: Sandra Stein „Als ich in die Praxis gekommen bin, habe ich mir extra Schuhe gekauft, die mich unverwechselbar machen: knallig pink, mit Zähnen und Brackets darauf. Tatsächlich haben sich dann alle zuerst meine Schuhe gemerkt.” Polina
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