Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

zmSTARTER | 83 gibt es aber schon, etwa beim Tag der Gesundheit. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Seniorenzahnmedizin: Unsere Prothetik ist zugleich Lehrstuhl für Seniorenzahnmedizin. Perspektivisch wollen wir die aufsuchende Behandlung weiter ausbauen, sobald wir mit der neuen Klinik mehr Kapazitäten haben. Die Hochschulambulanz versorgt bereits rund 2.500 Patientinnen und Patienten pro Jahr. Welche Rolle spielt sie für Brandenburg an der Havel und die Region? Für die regionale Versorgung spielt die Zahnmedizin bereits heute eine große Rolle. Wir behandeln schon jetzt komplexere Fälle als eine normale niedergelassene Praxis und sind damit eine universitäre Anlaufstelle für die Region. Dazu gehört zum Beispiel auch unsere Mundschleimhautsprechstunde. Mit der neuen Klinik wird sich das Gesamtvolumen in den nächsten Jahren deutlich verändern. In Brandenburg an der Havel und in der Umgebung haben Patientinnen und Patienten teilweise Schwierigkeiten, einen Behandlungsplatz zu finden, wenn Praxen schließen. Die neue Klinik wird die Situation ein Stück weit entspannen. Auch wenn wir keinen Sicherstellungsauftrag haben, werden wir mit unseren Studierenden und Mitarbeitenden faktisch einen Teil der Versorgung mit abdecken. Kann eine Hochschule dazu beitragen, dem Zahnärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken? Unsere Hochschule kann dazu beitragen, wenn die Absolventinnen und Absolventen später in der Region bleiben, um die zahnmedizinische Versorgung in Brandenburg zu stärken. Das wir dafür in Brandenburg an der Havel sind, ist kein Zufall: Gemeinsam mit der Kammer und der KZV haben wir sehr genau geschaut, welcher Standort sinnvoll ist. Brandenburg an der Havel bietet mehrere Vorteile: Wir haben dort bereits einen großen MHB-Standort, wir erwarten ein ausreichendes Patientenaufkommen für eine Zahnklinik und wir können die Ausbildung stärker auf die Versorgung im Land Brandenburg ausrichten. Aus anderen Studiengängen wissen wir, dass derzeit etwa zwei Drittel der Absolventinnen und Absolventen in Brandenburg bleiben. Diese Quote ist sehr hoch – dieses Ziel verfolgen wir nun auch in der Zahnmedizin. Wie groß der Bedarf ist, zeigte sich schon beim Start der Hochschulambulanz: Wir haben damals die Praxis eines Zahnarztes übernommen, der zwei Jahre vergeblich eine Nachfolge gesucht hatte. Zudem werden unsere Studierenden nicht nur in der Klinik ausgebildet, sondern auch in einzelnen umliegenden Praxen. Daraus können später Kontakte für eine Anstellung, die Assistenzzeit oder eine Praxisübernahme entstehen. Reicht es, Studienplätze in Brandenburg zu schaffen, um einer Unterversorgung vorzubeugen – oder braucht es zusätzliche Instrumente wie Lehrpraxen, ein Mentoring, eine Niederlassungsförderung und neue Arbeitsmodelle? Studienplätze allein werden nicht reichen. Sie sind aber angesichts einer älter werdenden Zahnärzteschaft ein wichtiger Baustein. In Regionen wie Cottbus sieht man schon heute, dass Praxissitze nicht nachbesetzt werden. Wenn dort eine Praxis schließt, entsteht eine Versorgungslücke und die Patientinnen und Patienten wissen teilweise nicht, wo sie unterkommen sollen. Deshalb braucht es parallel weitere Instrumente: Lehrpraxen, Unterstützung bei der Niederlassung, Fördermodelle und wahrscheinlich auch neue Arbeitsmodelle. Wenn wir in zehn Jahren wieder sprechen: Woran würden Sie festmachen, dass sich die Investition in die neue Universitätszahnklinik ausgezahlt hat? Zunächst daran, dass wir Studierende erfolgreich zu hervorragenden Zahnärztinnen und Zahnärzten ausbilden. Ein zweiter Punkt wäre, dass ein substanzieller Anteil von ihnen in Brandenburg bleibt oder im ländlichen Raum tätig wird. Gleichzeitig sollte sich zeigen, dass einige den Weg in die Forschung finden – bei uns oder an anderen Universitäten. Drittens muss die Universitätszahnklinik einen echten Beitrag zur Versorgung in Brandenburg leisten – auf universitärem Niveau und in einer Form, die es dort bislang so nicht gibt. Und natürlich muss sich das Modell finanziell tragen. Entscheidend bleibt aber: Das Ziel ist die Ausbildung von optimal auf die späteren beruflichen Anforderungen vorbereiteten Zahnärztinnen und Zahnärzten. Das Gespräch führte Dr. Nikola Lippe. zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1325) Zentrales Element ist eine praxisnahe Ausbildung, bei der die Patientinnen und Patienten durchgehend betreut werden. Foto: MHB / Eric Hoffmann

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