16 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1354) MUND-, KIEFER- UND GESICHTSCHIRURGIE Neuropathische Schmerzen nach Weisheitszahnentfernung? Samaneh Farahzadi, Paula Korn, Ivan Platzek, Günter Lauer, Adrian Franke Kommt es nach einer Weisheitszahnentfernung zu persistierenden Schmerzen, scheint es naheliegend, nach noch unentdeckten dentalen Foki zu suchen. Ist die Suche erfolglos, bleibt die Option einer symptomatischen Therapie. Spricht diese jedoch nicht an, sollte die Suche nach den Ursachen zeitnah fortgesetzt werden. Dieser Fall beschreibt die Erstmanifestation eines Vestibularisschwannoms, das sich klinisch als Trigeminusneuralgie präsentierte. Im Februar 2026 wurde ein 22-jähriger Patient erstmalig durch einen niedergelassenen Oralchirurgen in unserer Poliklinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie vorgestellt. Der Patient gab anhaltende Schmerzen nach einer operativen Weisheitszahnentfernung der Zähne 28 und 38 vor drei Monaten an. Eine bereits zuvor im Dezember aufgetretene Schwellung und Entzündung besserte sich nach antibiotischer Therapie und Wundrevision im Unterkiefer in der regio 38. Seit Anfang des Jahres verspürte der Patient starke, blitzartig auftretende Schmerzen im Bereich der linken Wange und des Unterkiefers. Die Häufigkeit dieser Schmerzen nahm im Laufe der Zeit zu und trat bei der Erstvorstellung in unserer Klinik mehrfach am Tag auf. Die selbst veranlasste Einnahme von Ibuprofen half nur mäßig. Ein extern angefertigtes OPG ergab keinen Anhalt für Osteolysen oder verbliebene Wurzelreste (Abbildung 1). Klinisch bot die regio 38 eine geschlossene und reizlose Wundheilung. Hinweise auf einen Abszess oder eine Fraktur zeigten sich nicht. Die Sensomotorik war intakt. Es bestanden keine Vorerkrankungen und keine Dauereinnahme von Medikamenten. Unter der Verdachtsdiagnose „Neuropathische Schmerzen nach Weisheitszahnentfernung“ erfolgte eine Intensivierung der analgetischen Therapie unter Hinzunahme von Novaminsulfon. Am Folgetag stellte sich der Patient auf Eigeninitiative in der Ambulanz der Klinik für Neurologie vor. Klinisch ergab sich ein unauffälliger Befund in der neurologischen Untersuchung ohne Allodynie, Hyperästhesie oder sensible Defizite. Nach intravenöser Gabe von Lacosamid trat eine deutliche Besserung der Schmerzen (NRS 9 auf 1) Abb. 1: OPG nach operativer Weisheitszahnentfernung 28 und 38 Foto: Dr. Andreas Blume, Oralchirurgie Praxis Dresden
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