zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1358) 20 | ZAHNMEDIZIN schieden [Goßrau et al., 2023; International Headache Society, 2018; Shankar Kikkeri et Nagalli, 2024]. Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie ist eine neurovaskuläre Kompression des Nerven im Abschnitt der Cisterna pontocerebellaris, dort wo der Nerv aus dem Pons austritt und „frei“ im Liquor verläuft. Der alleinige Nachweis eines Gefäß-Nerven-Kontakts ist nicht ausreichend, sondern mittels spezieller MRT-Sequenzen der Nachweis einer Atrophie beziehungsweise einer Verdrängung erforderlich [DeSouza et al., 2016; Goßrau et al., 2023]. Die Ursachen der sekundären Trigeminusneuralgie sind auf andere Prozesse als einen Gefäß-Nerven-Konflikt zurückzuführen. Häufig zu finden sind arteriovenöse Malformationen, multiple Sklerose oder Tumoren des Kleinhirnbrückenwinkels [International Headache Society, 2018], wie im hier geschilderten Fall. Lassen sich in der Umfelddiagnostik sowohl eine klassische als auch eine sekundäre Form ausschließen, liegt eine idiopathische Form der Trigeminusneuralgie vor [Goßrau et al., 2023]. Vestibularisschwannome sind gutartige, langsam wachsende Tumoren am Hör- und Gleichgewichtsnerv. Sie repräsentieren die häufigste Tumorart, die zu einer sekundären Trigeminusneuralgie führen kann [Carlson et Link, 2011]. Die Häufigkeit Vestibularisschwannom-assoziierter Nervenstörungen wird mit etwa 12 bis 45 Prozent beziffert [Ananthan et al., 2024]. Vergleichbar mit dem hier geschilderten Fall finden sich in der Literatur weitere Fallberichte, in denen sich die Erstmanifestation eines Vestibularisschwannoms als Trigeminusneuralgie präsentierte [Ananthan et al., 2024; Matsuka et al., 2000]. Patientenfälle wie dieser unterstreichen die Relevanz einer differenzierten klinischen Diagnosestellung sowie die Notwendigkeit, frühzeitig eine weiterführende Diagnostik einzuleiten. Die Leitlinien geben uns dazu konkrete Empfehlungen [Goßrau et al., 2023]. Der zeitliche Ablauf diagnostischer Maßnahmen sollte sich wie im geschilderten Fall an der individuellen Dynamik und der Schwere des klinischen Krankheitsbildes orientieren. FAZIT FÜR DIE PRAXIS Kurze, einschießende und hochintensive Schmerzattacken im Versorgungsgebiet des N. trigeminus sind richtungsweisend für eine Trigeminusneuralgie. Vor Diagnosestellung sollten häufige odontogene Ursachen wie zum Beispiel eine Pulpitis, apikale Parodontitis oder CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) ausgeschlossen werden. Eine Abgrenzung zur Trigeminusneuropathie ist essenziell, insbesondere bei Dauerschmerzen, bei sensorischen Defiziten oder bei neuropathischen Begleitsymptomen. Bei Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie/-neuropathie ist die Überweisung zum Facharzt/Fachärztin für Neurologie zur klinischen Diagnostik und ergänzenden Bildgebung angezeigt. PD Dr. med. habil. Ivan Platzek Oberarzt, Facharzt für Radiologie Diagnostische und interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Fetscherstr. 74, 01307 Dresden Foto: UK Carl Gustav Carus Dr. med. dent. Samaneh Farahzadi Zahnärztin in Weiterbildung für Oralchirurgie Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Fetscherstr. 74, 01307 Dresden Foto: privat Jun.-Prof. Dr. med. dent. habil. PaulaKorn Fachzahnärztin für Oralchirurgie, Ambulanzleitung Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Fetscherstr. 74, 01307 Dresden Foto: UniversitätsZahnMedizin Dresden Dr. med. Dr. med. dent. MUDr. Adrian Franke Funktionsoberarzt, Ambulanzleitung Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Fetscherstr. 74, 01307 Dresden Foto: UniversitätsZahnMedizin Dresden Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Günter Lauer Klinikdirektor Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Fetscherstr. 74, 01307 Dresden Foto: UniversitätsZahnMedizin Dresden
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