Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 18

26 | POLITIK Wie ist es um die zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern bestellt? Dr. Gunnar Letzner (KZV M-V): Diezahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich durch ein hohes fachliches Niveau und ein großes Engagement der niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte aus. Perspektivisch ist diese jedoch gefährdet – vor allem im ländlichen Raum. 2030 werden bereits 39 Prozent unserer Mitglieder 60 Jahre oder älter sein. Bis 2031 wird der Versorgungsgrad prognostisch von heute rund 95 auf nur noch 70 Prozent sinken, in ländlichen Regionen teils deutlich darunter. Gleichzeitig bleiben von jährlich rund 65 Absolventinnen und Absolventen aus den Universitäten Greifswald und Rostock weniger als 15 langfristig im Land. Welche Themen beschäftigen die Zahnärztinnen und Zahnärzte im Land? Stefanie Tiede (ZÄK M-V): Durch den demografischen Wandel, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Zahnärzteschaft selbst, stehen steigende Behandlungsbedarfe abnehmenden Behandlungskapazitäten gegenüber. Damit geht eine Erhöhung der Arbeitslast einher, die von ausufernden bürokratischen Vorgaben begleitet wird. Erschwerend kommt der Mangel bei den nicht-approbierten Assistenzberufen hinzu, so dass viele Praxen an ihre Belastungsgrenzen kommen. Die Freude an der Ausübung des Berufs wird massiv durch die sich stetig verschlechternden Rahmenbedingungen konterkariert, so dass die Stimmungslage der Zahnärzteschaft in MecklenburgVorpommern zum großen Teil geprägt ist von dauerhafter Überlastung und Unzufriedenheit. Gleichzeitig gilt es jedoch, die nachwachsende Berufsgeneration zu motivieren, in die Patientenversorgung einzusteigen und diese perspektivisch sicherzustellen. Ein Dilemma, das nach tiefgreifenden Lösungsansätzen verlangt. Mit welchen Schwierigkeiten kämpft die Zahnärzteschaft in dem norddeutschen Bundesland? Letzner: Eine zentrale Herausforderung ist die fehlende Nachfolge, insbesondere im ländlichen Raum. Viele ältere Kolleginnen und Kollegen können ihre Praxis nicht mehr wie geplant abgeben und arbeiten aus Verantwortung für ihre Patienten länger. Andererseits nehmen wir die Tendenz innerhalb der jungen Kollegenschaft wahr, zunächst in Anstellung und in größeren Städten zu arbeiten. Gleichzeitig belastet landesweit die Bürokratie im Zusammenzm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1364) Fotos: KZV-MV KZV UND ZÄK ZUR LANDTAGSWAHL IN MECKLENBURG-VORPOMMERN „Die Freude am Beruf wird durch die Rahmenbedingungen konterkariert!“ Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September werden die Weichen für die Gesundheitspolitik der nächsten Jahre gestellt. Die Probleme der Zahnärzteschaft und die Erwartungen an die Landespolitik beschreiben Dr. Gunnar Letzner, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV M-V), und Stefanie Tiede, Präsidentin der Zahnärztekammer (ZÄK M-V). Dr. Gunnar Letzner, Vorstandsvorsitzender KZV Mecklenburg-Vorpommern Stefanie Tiede, Präsidentin Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern Foto: pixelplot - stock.adobe.com

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