zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1420) 82 | GESELLSCHAFT plastiken durchführen. Außerdem erhalten schwerhörige Kinder in Zusammenarbeit mit lokalen Hörgeräteakustikern gespendete Hörgeräte. Bereits in der Anfangszeit ermöglichte Dr. Christoph Greven aus Krefeld mit dem „Audiomobil“ die Diagnostik und Therapie von Mittelohrerkrankungen. Da Gaumenspalten häufig mit chronischen Mittelohrergüssen und daraus resultierenden Funktionseinbußen verbunden sind, haben die HNO-Behandlung und die Nachsorge besondere Bedeutung. Viele der vorgestellten Kinder und Jugendlichen weisen Sprachauffälligkeiten auf. Für die Therapieplanung müssen wir entscheiden, ob eine logopädische Behandlung ausreicht oder ob ein sprechverbessernder Eingriff erforderlich ist. Da uns bislang kein flexibles Endoskop zur Beurteilung des velopharyngealen Verschlusses zur Verfügung steht, stützt sich die Funktionsdiagnostik wesentlich auf die Erfahrung der mitreisenden Logopädinnen. Das Team der MKG-Abteilung motiviert die Kinder zudem mithilfe von Bildern und Malbüchern zum Sprechen. Ergänzend finden Elternseminare zu den Themen Sprache und Mundhygiene statt. Eine gute Mundhygiene ist bei Spaltfehlbildungen besonders wichtig, um Karies, einen vorzeitigen Stützzonenverlust und Einschränkungen einer späteren kieferorthopädischen Therapie zu vermeiden. Auch der Bedarf an qualifizierter kieferorthopädischer Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Spaltfehlbildungen ist groß. Seit 2008 engagieren sich Prof. Angelika StellzigEisenhauer und Prof. Bert Braumann mit Seminaren und praxisorientierten Kursen in Da Nang und Hue. Nach einer umfassenden Diagnostik entwickeln sie dort individuelle Therapiepläne gemeinsam mit den behandelnden Zahnärzten und supervidieren die Behandlungen. Unterstützt wird das Programm durch Dr. Tam Dam von der Universität Hue und Chi Pham aus Da Nang, die eine dreijährige kieferorthopädische Weiterbildung an der Universität Würzburg absolviert hat. Im Rahmen der Kooperation mit der Universität Hue wurden wissenschaftliche Projekte initiiert, die auch von der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie gefördert werden. Sachspenden wie Brackets, Bögen und Zangen sichern die Weiterbehandlung operierter Patienten. Fazit Die erfolgreiche Rehabilitation von Kindern mit Gesichtsspalten erfordert eine abgestimmte interdisziplinäre Langzeitbehandlung. Mit zwei Einsätzen pro Jahr und begrenzten finanziellen Mitteln kann Deviemed diese Versorgung allein nicht dauerhaft gewährleisten. Während wir die Weiterbildung in der Anästhesie und in der Kieferorthopädie gut etablieren konnten, war der Aufbau nachhaltiger Strukturen in der MKG-Chirurgie schwieriger. In Vietnam ist keine ärztliche und zahnärztliche Doppelapprobation erforderlich; das Fach wird von unterschiedlich weitergebildeten Ärzten und Zahnärzten ausgeübt. Zudem ist der interdisziplinäre Behandlungsansatz nicht überall fest verankert. Die (zunehmenden) chirurgischen Kurzzeiteinsätze ausländischer Teams führten nicht immer zu einer Weiterbildung der lokalen Teams oder zu besseren Langzeitergebnissen. Spezialisierte Kliniken bleiben für arme Familien aus den Bergregionen schwer erreichbar. Wir bemühen uns daher um langfristige Kooperationen mit örtlichen MKG-Abteilungen – und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Dies wurde teilweise durch von Krankenhäusern verlangte Pauschalen für Patientenakquise und Kostendeckung erschwert. Seit 1995 konnten wir insgesamt etwa 3.900 Patienten an den verschiedenen Einsatzorten versorgen. Langfristiges Ziel ist es, die Lebensqualität und die soziale Teilhabe von Menschen mit Spaltfehlbildungen in Vietnam zu verbessern. Durch den Dreiklang aus Behandlung, Fortbildung und gemeinsamer Qualitätssicherung sollen die funktionellen und die psychosozialen Ergebnisse sowie die lokalen Versorgungsstrukturen gestärkt werden. Besonders in den schwer zugänglichen Regionen Mittelvietnams besteht jedoch weiterhin ein erheblicher Bedarf an verlässlichen interdisziplinären Behandlungsangeboten. Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.deviemed.de. Prof. Angelika Stellzig-Eisenhauer aus Würzburg erstellt mit dem Team um Dr. Phan Ngoc Hai aus Da Nang kieferorthopädische Behandlungspläne. Foto: DEVIEMED DEVIEMED LEBT VON SPENDEN Wenn Sie die interdisziplinäre Arbeit von Deviemed unterstützen wollen, können Sie spenden: Deutsch-Vietnamesische Gesellschaft zur Förderung der Medizin in Vietnam e. V. Niederrheinische Sparkasse RheinLippe IBAN: DE71 3565 0000 0000 230144 BIC: WELADED1WES PD Dr. med. Dr. med. dent. Martin Scheer Direktor der Klinik für Mund- Kiefer und Plastische Gesichtschirurgie am Johannes-Wesling Klinikum Minden und Präsident von DEVIEMED Foto: KAPE SCHMIDT
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