14 | GESELLSCHAFT tel zahnfreundlich sind und in welchen sich viel Zucker versteckt. Neben der Zahnputztechnik wurde auch die Bedeutung von Fluorid kindgerecht erklärt. Durch Vergleiche mit der Tierwelt erfuhren die Kinder, was bei Zahnunfällen passieren kann: Dass ausgefallene bleibende Zähne bei Menschen zum Beispiel nicht nachwachsen können, wie bei einem Hai. Selbst einmal Zahnarzt sein … In der Abteilung Kinderzahnmedizin durften die Kinder die verschiedene Positionen des Behandlungsstuhls ausprobieren, die Luft-Wasser-Spritze bedienen – und sogar selbst Zahnarzt sein und mit zahnmedizinischen Instrumenten ihren „Patienten“ Kroko untersuchen. So konnten auch Kinder, denen der Zahnarztstuhl sonst nicht geheuer zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1448) „Erlebnisse und Erfahrungen aus jungen Jahren sind oft für das gesamte Leben prägend – und gerade der Kariestunnel und Kroko sind neben den Aktionsständen für unsere jungen Gäste immer eine spannende und erinnerungswürdige Abwechslung.“ Univ.-Prof. Dr. Kathrin Becker, Direktorin der Abteilung für Kieferorthopädie und Orthodontie der Charité – Universitätsmedizin Berlin Die Präsidentin der Zahnärztekammer Berlin Dr. Bianca Göpner-Fleige (l.), und Univ.-Prof. Dr. Kathrin Becker, Direktorin der Abteilung für Kieferorthopädie und Orthodontie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, begrüßten die gut 200 Schülerinnen und Schüler im großen Hörsaal. So viel Zucker steckt in einem Quetschie? INTERVIEW MIT PROF. KATHRIN BECKER ZUM AKTIONSTAG „WIR WOLLEN ZAHNMEDIZIN MIT SPAẞ VERBINDEN“ Der Aktionstag wirkt fast wie ein kleines „Disneyland für die Zähne“: Kinder können alles ausprobieren und die Mundgesundheit wird regelrecht gefeiert. Ist dieser positive Zugang Teil des Konzepts? Univ.-Prof. Dr. Kathrin Becker: Ja, dieser positive Zugang ist ganz wichtig. Die Kinder sollen Mundgesundheit nicht nur als etwas erleben, bei dem ihnen gesagt wird, was sie tun oder lassen sollen. Sie dürfen selbst ausprobieren und entdecken – dadurch wird das Thema mit Neugier und Spaß verbunden. Der Kariestunnel ist dafür ein schönes Beispiel: Die Kinder sehen dort, wo sie besser putzen müssen – und können das anschließend direkt ausprobieren. Solche anschaulichen Erfahrungen bleiben oft lange im Gedächtnis. Die Kinder durften auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen, Instrumente ausprobieren oder Kroko untersuchen. Kann solch ein spielerischer Ansatz tatsächlich dazu beitragen, Ängste vor dem Zahnarzt gar nicht erst entstehen zu lassen? Da bin ich mir relativ sicher. Unser Gehirn arbeitet vereinfacht gesagt oft nach einem Schubladenprinzip. Wir ordnen Erfahrungen ein, damit wir Situationen später schneller beurteilen können. Wenn es gelingt, Zahnmedizin schon früh mit etwas Positivem zu verbinden, wird sie zunächst einmal als etwas Gutes und Schönes abgespeichert – nicht als etwas, das Schmerzen verursacht. Das halte ich für ganz wichtig. Gerade dieses spielerische Kennenlernen des Zahnarztstuhls und der Instrumente kann dabei helfen. Erreichen solche Aktionstage aus Ihrer Sicht vor allem Kinder, die ohnehin schon gut versorgt sind – oder können sie auch dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern? Unser Ziel ist auf jeden Fall, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern. Wir sehen, dass Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen deutlich häufiger Probleme mit Karies und Mundgesundheit haben. Mein Eindruck aus den Gesprächen ist zugleich, dass alle Kinder gleichermaßen interessiert sind. Wenn die Kinder hier vor Ort sind, merkt man kaum Unterschiede darin, wie neugierig sie sind. Dadurch nimmt die Gruppe auch Kinder mit, die vielleicht sonst weniger Zugang zu solchen Themen hätten. Welche Botschaft zur Mundgesundheit ist Ihnen bei Kindern im Grundschulalter besonders wichtig – und wo erleben Sie im Alltag noch die größten Wissenslücken? Die wichtigste Botschaft ist für mich, dass Mundgesundheit eigentlich gar nicht so schwierig ist. Es beginnt damit, dass man eine gewisse Strategie und Regelmäßigkeit entwickelt und zweimal am Tag die Zähne putzt. Damit kann man schon sehr viel erreichen. Später kommen natürlich weitere Dinge hinzu, etwa die Zahnzwischenraumpflege. Aber bei Grundschulkindern steht zunächst einmal im Vordergrund, dass sie regelmäßig und richtig Zähne putzen. Die größten Wissenslücken sehe ich noch bei der Ernährung. Viele Kinder wissen schon sehr gut, was gesund und was ungesund ist. Anderen fällt das allerdings noch deutlich schwerer. Das Gespräch führte Dr. Nikola Lippe. Fotos: ZÄK Berlin | berlin-eventfotograf.de
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