Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 19

In diesem Jahr gab es auf internationaler Ebene eine Besonderheit: Anfang September tagte in Prag die World Dental Federation (FDI) und auch die European Regional Organization (ERO) hat ihre Herbsttagung am Rande des Kongresses abgehalten. Beides zusammen in Mitteleuropa quasi vor der Haustür zu haben, kommt sehr selten vor. Somit musste die deutsche Delegation für ihre wichtige internationale Arbeit ausnahmsweise keine weiten Wege auf sich nehmen. Beide Tagungen haben erneut eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, sich zu vernetzen, um gemeinsam Lösungen für Probleme zu erarbeiten, die uns auch in Deutschland helfen können. Unser Image hat sich gewandelt. Weg von „Die Deutschen wissen sowieso alles besser“, hin zu einem anerkannten konstruktiven Player, der mit den Delegationen aus anderen Ländern auf Augenhöhe agiert. Das führt dazu, dass unsere Mitarbeit in verschiedenen Gremien und unsere Vorschläge entsprechend Gewicht haben und als wertvoller Beitrag betrachtet werden. Das hat eindrücklich die in Prag beschlossene Beitragsreform der FDI gezeigt. Der Sonderausschuss für Mitgliedsbeiträge unter Leitung des Hauptgeschäftsführers der Bundeszahnärztekammer, Florian Lemor, hatte Vorschläge für eine umfassende Reform des Beitragssystems vorgelegt. Ziel war eine einfachere, transparentere und gerechtere Verteilung der finanziellen Lasten unter den Mitgliedsorganisationen. Kern der Empfehlung ist die Rückkehr zu einer einfachen Berechnungsformel auf Basis der Mitgliederzahl, des dentalen Wohlstandsindikators und eines jährlichen Multiplikators. Gleichzeitig werden bisher gewährte Rabatte für die zahlenmäßig größten Beitragszahler gestrichen. Neu eingeführt wird zudem eine Beitragsobergrenze von 22 Prozent der gesamten Mitgliedsbeiträge, orientiert am Modell der Vereinten Nationen. Damit soll die finanzielle Abhängigkeit der Organisation von einzelnen großen Mitgliedsverbänden reduziert werden. Für die die deutsche Zahnärzteschaft wird die neue Regelung zu einer finanziellen Entlastung führen. Damit ist die FDI zukunftssicher aufgestellt. Andernfalls hätte der Austritt wichtiger Länder gedroht. Das konnte erfreulicherweise abgewendet werden. Im Bereich der ERO, deren Generalsekretärin ich bin, wird zurzeit eine Umfrage zur Bürokratielast in zahnärztlichen Praxen durchgeführt, die bereits jetzt zeigt, dass die Ergebnisse, die Anfang 2027 vorliegen werden, sehr hilfreich sein werden, um unsere Forderungen zum Bürokratieabbau bei der Politik zu flankieren. Auch die Ausweitung der Zusammenarbeit der ERO mit anderen Regionalorganisationen (zum Beispiel der Asian Pacific Regional Organisation, APRO) zeigt, dass wir hier dringenden Handlungsbedarf haben, was zum Beispiel die Arbeit gegen illegale zahnärztliche Praxen betrifft. Dies ist ein Problem, das zwar in dieser Form in Deutschland nicht auftritt, aber wenn „falsche“ Zahnärzte aus Drittstaaten über andere EU-Staaten zu uns kommen, kann dies durchaus eine Rolle spielen. Hier spielt das Thema Informationsaustausch und internationale Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Weiterhin haben wir uns mit dem übergeordneten Ziel einer „optimal oral health 2030“ befasst. Wichtig sind hierbei unter anderem das gemeinsame Statement und Bekenntnis zu Fluoridierungsmaßnahmen und die Positionierung gegen Tabakprodukte und Zuckerkonsum sowie das fortwährende Engagement, diese Forderungen zukünftig konkret umzusetzen und Mundgesundheit weltweit lebenslang zu implementieren. Weitere wichtige Themen neben Digitalisierung und AI waren etwa die Gewalt gegen Zahnärzte und Praxisteams, Gefahren durch Bisphenol A, Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) und die intraorale Manifestation sexuell übertragbarer Krankheiten. Der internationale persönliche Austausch ist wichtig, um unsere deutschen Themen zu platzieren und gleichzeitig Kenntnis von Problemen in anderen Ländern zu bekommen, die möglicherweise mit einem gewissen Zeitversatz auch bei uns ankommen. Weiterhin versuchen wir in vielen Gesprächen und Meetings Bestpractice-Beispiele kennenzulernen, um anschließend zu prüfen, ob diese auch bei uns hilfreich etabliert werden können. Dafür nehmen wir dann gerne mal weitere Wege auf uns, wenn die Kongresse nicht wie in diesem Jahr in Prag stattfinden. Dr. Doris Seiz Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer Die Deutschen sind international als wichtiger Player anerkannt 6 | LEITARTIKEL Foto: BZÄK / Nürnberger

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=