Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

36 | TITEL INTERPROFESSIONELLE MUNDSPRECHSTUNDE Es geht nicht nur um den Mund Gisela Goedicke-Padligur, Anna-Lena Hillebrecht Menschen mit komplexen Behinderungen brauchen in der zahnmedizinischen Versorgung häufig mehr als eine klassische Untersuchung. Die Interprofessionelle Mundsprechstunde der Universität Witten/Herdecke verbindet Zahnmedizin und Logopädie und wurde bereits mit Preisen ausgezeichnet. Dr. Gisela Goedicke-Padligur stellt das von ihr entwickelte Versorgungskonzept vor; Jun.-Prof. Anna-Lena Hillebrecht ordnet es in die aktuellen gesundheitspolitischen Empfehlungen der WHO und die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen ein. Eine zahnärztliche Untersuchung beantwortet viele Fragen. Bei Menschen mit komplexen Behinderungen gibt sie aber nicht immer Antworten auf alle Fragen. Eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit kann die Mundhygiene erschweren, aber ebenso das Kauen, das Schlucken, das Trinken oder das Sprechen beeinträchtigen. Eine veränderte Lippenfunktion kann die Speichelkontrolle, die Nahrungsaufnahme und die Kommunikation betreffen. Schmerzen, Druckstellen, fehlende Zähne oder Prothesenprobleme wirken sich nicht nur auf Befunde aus, sondern auch auf die Ernährung, die Teilhabe und die Lebensqualität. Für Angehörige, Betreuungspersonen und Pflegekräfte entstehen daraus oft sehr praktische Fragen: Wie kann Mundpflege gelingen, wenn die betroffene Person den Mund nicht gut öffnen kann, sich abwendet oder Berührungen nicht toleriert? Welche Hilfsmittel sind sinnvoll? Wann braucht es eine zahnärztliche Behandlung, wann eine logopädische Therapie, wann eine Anleitung für den Alltag? Genau an dieser Schnittstelle setzt die Interprofessionelle Mundsprechstunde an. Ein gemeinsamer Blick von Zahnmedizin und Logopädie 2019 habe ich zusammen mit der Logopädin Ute Lehnert an der Universität Witten/Herdecke ein Versorgungskonzept aufgebaut, bei dem Zahnmedizin und Logopädie gemeinsam auf Patientinnen und Patienten mit komplexen Behinderungen schauen. Das Poster mit dem Titel „Interprofessional Oral Das ausgezeichnete Versorgungskonzept zeigt, warum Mundgesundheit, Mundmotorik, Essen und Schlucken gemeinsam gedacht werden müssen. Foto: Michael Schwettmann_UW/H zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1566)

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