Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

42 | MEDIZIN MEDICAID-ANALYSE IN DEN USA Maßgeschneiderte Mahlzeiten verbessern die Gesundheit und sparen Kosten 2020 führte der US-Bundesstaat Massachusetts individuell abgestimmte Mahlzeiten für Menschen mit ausgewählten Erkrankungen ein. Eine Studie zeigt nun: In der Folge reduzieren sich die Behandlungsaufwände und -kosten. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen, Depressionen oder Diabetes führte die Maßnahme sogar zu Einsparungen – selbst nach Abzug der Ausgaben für die Mahlzeiten. Die Forschenden analysierten die Veränderungen bei 1.866 Empfängern der „medically tailored meals“ (MTM) und bei 1.372 Vergleichspersonen über einen Zeitraum von drei bis 33 Monaten (mittlere Dauer: 6,7 Monate) in den Jahren von 2020 bis 2023 anhand der Krankenhausaufenthalte, der Notfallaufnahmen und der Gesundheitskosten. Beide Gruppen erfüllten die Einschlusskriterien für ernährungsbedingte Erkrankungen und Ernährungsunsicherheit. Ergebnis: Die Teilnahme am MTM-Programm war mit 31 Prozent weniger Krankenhausaufenthalten (adjustierte Inzidenzratenratio (aIRR) = 0,69 (95 Prozent-Konfidenzintervall (KI): 0,58–0,82)), 20 Prozent weniger Notfallaufnahmen (aIRR = 0,80 (95 Prozent-KI: 0,72–0,89)) und 3.433 US-Dollar geringeren Gesamtkosten im Gesundheitswesen (95 Prozent-KI: −1.215bis −5.651 US-Dollar) verbunden. Auf die Inanspruchnahme von Hausarztleistungen hatte die Maßnahme keinen Einfluss. Schon zehn Mahlzeiten pro Woche machen einen Unterschied Die Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen kompensierten über die komplette Gruppe der Teilnehmenden 98 Prozent der Programmkosten (3.512 US-Dollar pro Person), sodass die Nettokosten während der aktiven Programmlaufzeit lediglich 14,90 US-Dollar pro Person und Monat betrugen. Deutlich höhere Kosteneinsparungen wurden bei Teilnehmenden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Nierenerkrankung, Diabetes, Depressionen oder einer höheren Gesamtkomorbidität beobachtet. Die Ergebnisse hätten sich in Sensitivitätsanalysen, einem Negativkontrolltest und einer sekundären Vergleichsgruppe als robust erwiesen, schreiben die Forschenden. Massachusetts hatte die medizinisch abgestimmten Mahlzeiten für Amerikaner mit ernährungsbedingten Erkrankungen im Rahmen von Medicaid 2020 als erster US-Bundesstaat eingeführt. Eine einmalige Gelegenheit, „die Auswirkungen eines solchen Programms in der Praxis zu evaluieren“, sagte der leitende Autor Dariush Mozaffarian, Kardiologe und Direktor des Food is Medicine Institute. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Ernährung tatsächlich Medizin ist, mit weitreichenden klinischen und gesundheitspolitischen Konsequenzen für die Kostenübernahme medizinisch abgestimmter Mahlzeiten durch die Krankenversicherung.“ Alle Mahlzeiten wurden von „Community Servings“, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Boston, zubereitet und geliefert. Die Teilnehmenden erhielten zehn Mahlzeiten pro Woche – eine Mischung aus Frühstück, Mittag- und Abendessen – sowie Zwischenmahlzeiten. Vor Beginn der Leistungen absolvierten alle MTM-Empfänger eine erste Ernährungsberatung, um den Gesundheitszustand zu bestätigen und Präferenzen sowie Einschränkungen zu beIm Mai 2026 waren in den USA etwa 66,4 Millionen Menschen über Medicaid versichert. In 13 US-Bundesstaaten werden im Rahmen von Pilotprojekten oder als fester Bestandteil der Medicaid-Versicherungsleistungen für Menschen mit ausgewählten Diagnosen medizinisch abgestimmte Mahlzeiten ausgegeben. Foto: Jake Belcher for Tufts University zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1572)

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