Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1588) 58 | POLITIK PARLAMENTARISCHER ABEND ZUM THEMA FRAUENGESUNDHEIT Die Versorgung von Frauen muss besser werden Datenlücken gefährden die medizinische Versorgung von Frauen und können zum Beispiel verspätete Diagnosen zur Folge haben. Das Aktionsbündnis „Runder Tisch der Frauen im Gesundheitswesen“ hat bei einem Parlamentarischen Abend im September Handlungsempfehlungen ausgesprochen, die die Situation verbessern könnten. Neben zu späten oder falschen Diagnosen resultierten aus dem mangelnden geschlechterspezifischen Fokus auch Probleme wie vermeidbare Nebenwirkungen. So würden Medikamente in klinischen Studien nach wie vor überwiegend an Männern getestet, unterstrich das Aktionsbündnis bei dem Event in Berlin, an dem circa 130 Fachkräfte aus Politik, Wissenschaft, Versorgung und Gesundheitswirtschaft teilnahmen. Die mangelhafte Datenbasis ziehe außerdem immer wieder ungerechte Versorgungsentscheidungen nach sich. Herzinfarkte etwa würden bei Frauen häufig übersehen, weil sie sich nicht wie bei Männern in Form des klassischen Symptoms Brustschmerz äußerten, sondern mit Übelkeit, Rückenschmerzen oder Erschöpfung einhergingen. Die Expertinnenrunde kritisierte, dass ein Großteil der medizinischen Evidenz in Deutschland bis heute nicht nach Geschlecht ausgewertet werde, obwohl die dadurch entstehenden Vorteile für die Versorgung inzwischen bekannt seien. In ihrer Keynote „Die Illusion neutraler Daten: Von verzerrter Evidenz zu ungleicher Versorgung“ warnte Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin der „Core Unit eHealth and Interoperability“ am Berlin Institute of Health der Charité, dass sich die Datenlücke mit dem Einzug Künstlicher Intelligenz eher vergrößere als schließe. „KI in der Medizin lernt aus den Daten der Vergangenheit. Wenn diese Daten Frauen kaum enthalten, übernimmt jedes neue System den blinden Fleck von gestern, nur schneller und in größerem Maßstab.“ Das sollte sich verändern Aus der Diskussion am Parlamentarischen Abend leitet der Runde Tisch drei Handlungsaufträge ab: Erstens müsse die Kategorie Geschlecht in Registern und in elektronischen Anwendungen verpflichtend, standardisiert unddifferenziert erfasst und ausgewertet werden. Zweitens brauche es eine Pflicht für Kliniken und Kostenträger, ihre Versorgungsdaten regelmäßig geschlechtsspezifisch auszuwerten und zu veröffentlichen. In einem dritten Schritt sollte Deutschland den Europäischen Gesundheitsdatenraum nutzen, um Geschlechterdifferenzierung als verbindlichen Qualitätsstandard zu etablieren. sth Der Runde Tisch der Frauen im Gesundheitswesen wurde 2021 mit dem Ziel gegründet, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung durchzusetzen. Zu den aktuell elf Trägerorganisationen gehört unter anderem der Berufsverband Dentista. Weil die Medizin noch zu stark mit einer auf Männer fokussierten Datenbasis arbeitet, werden Frauen immer wieder schlecht oder sogar falsch versorgt, kritisieren verschiedene Aktionsbündnisse für Frauengesundheit. Foto: sebra - stock.adobe.com ALLIANZ FÜR FRAUENGESUNDHEIT GEGRÜNDET Im September hat sich die „Allianz für Frauengesundheit“ formiert. Auch sie setzt sich dafür ein, die medizinische Versorgung stärker geschlechtsspezifisch zu organisieren. Ziel des sektorenübergreifenden Bündnisses von Fachkräften aus Wissenschaft, Versorgung, Forschung, Wirtschaft und Industrie sowie Patientinnen ist es in diesem Sinne, Frauengesundheit in Deutschland sichtbarer, wirksamer und politisch stärker zu verankern. Als ersten Schritt strebt die Allianz „die Entwicklung von Eckpunkten für eine nationale Frauengesundheitsstrategie, die wissenschaftliche Evidenz, fachliche Expertise und die Anforderungen der Versorgung berücksichtigt“ an. Zudem will sie gendersensible Forschung fördern, bestehende Versorgungslücken über alle Lebensphasen hinweg schließen und Frauen und Mädchen in ihrer Gesundheitskompetenz stärken.

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